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Story
Zeichnung

Story

Da ist noch viel Luft nach oben, Mr. Millar. Die Moonstones liefern zwar einen soliden Einstand, wirken aber als wären sie auf der Flucht. Wo andere Geschichten den Leser durch zähe Längen zu verlieren drohen, hatte man hier den Fuß durchgehend auf dem Gaspedal.

Zeichnung

Olivier Coipel schwingt den Zauberstab und begeistert mit magischer Zeichenkunst. Abwechslungsreich, stilsicher und auf den Punkt. Dave Stewarts stimmige Farbgebung erledigt den Rest.

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Marcel Scharrenbroich
Hokuspokus in Serie

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Jun 2019

Welcome to „Millarworld“

Autor Mark Millar durfte dank seiner Werke „Wanted“, „Kick-Ass“ oder „The Secret Service“ schon mehrfach erfolgreich Kino-Luft schnuppern, wobei die ultra-coole Story um Dave Lizewski, der als Nerd zum Superhelden aufsteigt und sich an der Seite der schlagkräftigen Mindy „Hit-Girl“ Macready durch ganze Gegnerhorden schnetzelt, es leider „nur“ auf zwei Verfilmungen brachte und die „Kick-Ass“-Comic-Trilogie bislang unvollendet lässt. In Panel-Form hat Dave mittlerweile eine Nachfolgerin gefunden, die in ihrer Solo-Serie ordentlich zulangt und bei uns durch Panini in bisher zwei Paperbacks die Seiten rot färbt. Ebenso ergeht es „Hit-Girl“, unter deren Maske sich noch immer Mindy verbirgt, die die in verschiedenen Teilen der Welt die Katanas kreisen lässt.

„The Secret Service“ brachte es unter dem Titel „Kingsman“ bisher ebenfalls auf zwei Verfilmungen, wobei Erstere durchgestylt bis hinten gegen das Wort „Coolness“ neu definiert, was vor alle Colin Firth geschuldet ist, der absolut entgegen seinem Rollen-Klischee agiert und ungewohnt lässig, knallhart und ohne Kompromisse den Gentleman-Agenten gibt. Da vergisst man glatt den leicht zum Fremdschämen neigenden Auftritt von Samuel L. Jackson als Gegenspieler. Über den Nachfolger „The Golden Circle“ lege ich lieber den Mantel des Schweigens, da „Höher, Schneller, Weiter“ nicht immer die besten Zutaten sind, um einen gelungenen Film würdig fortzusetzen. Für den britischen Schauspieler Taron Egerton markierte „Kingsman: The Secret Service“ den Startschuss für eine kometenhafte Karriere. Abgesehen von einem gurkigen „Robin Hood“-Reboot überzeugte er jüngst als Elton John im Biopic „Rocketman“, wo er sogar selbst dessen größte Hits ins Mikro schmetterte. Den größten Stein im Brett hat Egerton aber bei mir durch „Eddie the Eagle“, in dem er den wohl erfolglosesten und schlechtesten Skispringer der Wintersportgeschichte, Eddie Edwards, genial verkörpert und sich mit dicker Hornbrille, sympathischen Schrullen und unfassbarem Ehrgeiz ins Herz der Zuschauer gespielt hat. Ein dritter „Kingsman“-Film befindet sich gerade in Arbeit und wird den Titel „The Kings’s Man“ tragen. Zum dritten Mal sitzt Matthew Vaughn, der auch den ersten „Kick-Ass“ drehte, hier auf dem Regiestuhl. Da „The King’s Man“ eine Vorgeschichte wird, muss man auf Taron Egerton als „Eggsy“ wohl verzichten, bekommt dafür aber internationale Stars wie Daniel Brühl, Gemma Arterton, „Kick-Ass“ Aaron Taylor-Johnson, Ralph Fiennes, Rhys Ifans, Djimon Hounsou, Alexandra Maria Lara und den bereits zweifach „Kingsman“-erprobten Stanley Tucci zu sehen. Für neuen Millar-Stoff im Kino ist also gesorgt.

2017 erwarb der Streaming-Riese Netflix Mark Milles creator-owned Comic-Imprint „Millarworld“, welches der Schotte bereits 2004 gründete. Creator-owned bedeutet in diesem Fall, dass die zuständigen Künstler bei Veröffentlichung die Rechte an den von ihnen geschaffenen Figuren halten. Selbst, wenn bei einem anderen Verlag publiziert wird. Obwohl dies bereits seit den 60er Jahren gemacht wird, gehört wohl der 1992 gegründete Image-Verlag zu den erfolgreichsten creator-owned-Verlagen. Sieben kreative Köpfe, die zu dieser Zeit enorm angesagt und dementsprechend begehrt bei den „Großen“ waren, taten sich zusammen und setzten alles auf eine Karte. Unter ihnen „Spawn“-Schöpfer Todd McFarlane, der zu dieser Zeit mit seinen dynamisch-übertriebenen Posen „Spider-Man“ optisch neu definierte, „X-Men“-Urgestein Jim Lee und Rob Liefeld, dessen „Deadpool“ bereits seit Jahren durch die Decke (und die vierte Wand) geht. Jeder Künstler brachte seine eigene Serie raus, wobei alle neuen Titel unter dem gemeinsamen Image-Label an den Start gingen. Ein Paukenschlag in der Branche, dessen Erfolg MARVEL und DC kurzzeitig zitternde Knie verschaffte. Trotz einiger personeller Veränderungen gehört Image auch heute noch zu den erfolgreichsten US-Verlagen und belebt – neben Dark Horse, Boom! Studios, Dynamite oder IDW – den hart umkämpften Markt auch abseits der bunten Superhelden.

Mit dem Netflix-Deal hat sich die Streaming-Plattform auch (fast) alle Stoffe gekrallt, die „Millarworld“ bisher hervorgebracht hat… mit den Ausnahmen „Kick-Ass“ und „Kingsman“, deren Verwertungsrechte ja seit einigen Jahren anderweitig vergeben sind. Dennoch gibt es genügend Material, auf das Netflix zurückgreifen kann und auch die kommenden Stoffe werden dort ein Zuhause finden und werden sogar mit internen Netflix-Teams gemeinsam entwickelt. Es sollte nicht verwundern, dass bereits mehrere Film- und Serien-Adaptionen des Mark Millar-Kosmos in der Entstehungsphase sind. „Jupiter’s Legacy“, „Reborn“, „Sharkey the Bounty Hunter“ und „Space Bandits“ befinden sich ebenso in der Mache, wie die Comic-Mini-Serie „Huck“. Um wieder die Brücke zu Image zu schlagen sei gesagt, dass wie bereits ein Großteil zuvor, auch die kommenden „Millarworld“/Netflix-Comics allesamt dort erscheinen werden. So sind „Kick-Ass“ und „Hit-Girl“ zumindest an bebilderter Front noch mit ihren alten und neuen Kollegen vereint.

Vor rund einem Jahr, im Juni 2018, erschien bei Image dann auch die erste gemeinsame Veröffentlichung auf dem US-Comic-Markt: „The Magic Order“. Die sechsteilige Mini-Serie wird zudem als Netflix-Serie umgesetzt… was wohl nicht allzu überraschend kommt. Ausführender Produzent soll „Aquaman“-Regisseur James Wan werden, der mit „Saw“, „Insidious“ und „The Conjuring“ gleich drei der erfolgreichsten Genre-Filmreihen des laufenden Jahrtausends für sich verbuchen kann. Zudem soll Wan die Pilot-Episode zu „The Magic Order“ realisieren.

Expelliarmus Sopranos!

Mark Millar verglich „The Magic Order“ selbst als Mischung der Joanne K. Rowling’schen Zauberschüler und der italo-amerikanischen TV-Mafia-Familie, deren finale Staffel einst mitten im Refrain von Journey’s „Don’t Stop Believin‘“ plötzlich aufhö…

Da werden Erinnerungen wach, oder? Jedenfalls ist dieser Vergleich einigermaßen zutreffend. Anders als im langjährig laufenden Mafia-Epos, geht es in „The Magic Order“ aber nicht um die kriminelle Vorherrschaft von New York, New Jersey und Umgebung, sondern um nicht mehr, als den Schutz der gesamten Menschheit. Ganz richtig, wir haben es mal wieder nötig und müssen vor finsteren Mächten gerettet werden, die im Verborgenen machtgierig nach der Herrschaft lechzen. Hier kommt die Familie Moonstone ins Spiel. An der Spitze des „Magischen Ordens“ sorgten bereits Generationen von Moonstones für Recht und Ordnung auf unserem Planeten, selbst schon zu einer Zeit, als noch Monster die Erde bevölkerten. Damals siegreich, versuchen die Nachfahren diesen friedlichen Zustand aufrechtzuerhalten. Gar nicht so einfach, denn wo Macht im Spiel ist, gibt es auch immer Neider…

The Watchmen Academy

Die Geschichte beginnt mit einem brutalen Mord an einem Magier. Ein noch unbekannter Strippenzieher versucht sich der Konkurrenz zu entledigen und den „Magischen Orden“ durch Dezimierung zu schwächen, um dem Moonstone-Clan den Rang abzulaufen. Mehr noch, um die Welt ins Chaos zu stürzen. Das will die Familie selbstverständlich nicht zulassen und in der heimtückischen Madame Albany und ihrem illustren Gefolge sind schnell die Hauptverdächtigen ausgemacht. Doch so mächtig die Moonstones auch zu sein scheinen, gibt es auch hier dunkle Flecken auf den Westen der Familienmitglieder.

Schnell wird klar, dass wir es bei Cordelia Moonstone mit dem schwarzen Schaf der Sippe zu tun haben. Wir lernen sie kennen, als sie es sich in Handschellen auf der Rückbank einer Polizei-Streife gemütlich gemacht hat. Festgenommen während einer Kinder-Geburtstagsparty, auf der sie als Zauberin auftrat… dann aber doch lieber ein paar Kunststückchen mit dem Daddy des Hauses aufführte, was dessen Gattin nicht ganz so prickend fand. Ach ja, ein Alkoholproblem hat die gute Cordelia auch noch.

Leonard Moonstone ist das Oberhaupt der magischen Familie und führt die Familientradition fort, indem er allabendlich auf der Bühne steht und das Publikum mit seinen Kunststücken unterhält. Sein Sohn Regan ist selbstständig und leitet einen Nachtclub. Dessen Bruder Gabriel Moonstone könnte man wohl am ehesten als den verlorenen Sohn des Clans bezeichnen. Mit dem Potential, einer der mächtigsten Magier zu werden, hat der junge Mann seinen Zauberstab nach einem schweren Schicksalsschlag an den Nagel gehängt und sich von der Familie entfernt. Zudem hat Gabriel seiner Partnerin versprochen, dass dieses Kapitel für ihn abgehakt ist.

Es ist also eine Menge Überzeugungsarbeit nötig, um die Moonstones wieder zu vereinen, doch die Zeit drängt. Der Mord an Cousin Edward sollte nicht der Letzte sein und schon bald ist sich kein Magier mehr seiner Haut sicher…

Rund… mit Ecken und Kanten

Wie man schon am Inhalt erkennen kann, ergeben sich nicht nur Vergleiche zu „Harry Potter“ oder „Die Sopranos“. Vielmehr sehe ich hier Parallelen zu Alan Moores Comic-Meilenstein „Watchmen“… zumindest was den „Wächter“-Aspekt angeht und „The Umbrella Academy“ von Gerard Way und Gabriel Bá. Ähnlich dem Zweitgenannten, dem Netflix bereits eine extrem gelungene erste Staffel als TV-Adaption beschert hat, haben wir es auch in „The Magic Order“ mit einer dysfunktionalen Familie zu tun, in der jeder sein Päckchen zu tragen hat. Insgesamt also ein tolles Sammelsurium von erfolgreichen Ideen, die zusammengewürfelt jedoch leider etwas verpuffen.

„The Magic Order“ macht zwar eine Menge richtig, erfindet das Rad jedoch nicht neu. So haben die einzelnen Aspekte der Story allesamt den Beigeschmack, dass man eben Gelesenes schon mal irgendwo gesehen hat. Und zwar viel ausführlicher. Es stimmen zwar alle Vergleiche, die man zu Mark Millars Story anstellen kann, jedoch sind wir hier Welten von einem neuen „Watchmen“ oder Rowlings „Potterverse“ entfernt. Sechs US-Hefte sind einfach zu wenig, um dem Leser die Charaktere näherzubringen, geschweige denn, um Sympathien zu entwickeln. Die Hintergründe der einzelnen Familienmitglieder sind zwar nicht neu oder innovativ, hätten aber mehr Aufmerksamkeit verdient… obwohl einige Rückblenden etwas Licht in deren Vergangenheiten bringen. Trotzdem wirkt mir die Handlung zu gehetzt und dafür, dass die Magier-Familien bereits seit Generationen unter uns agieren, wird zu viel Geschichte liegengelassen, nur, um uns möglichst schnell Richtung Finale zu prügeln. Dort gibt es allerdings einen netten Twist, welchen mancher Leser vielleicht erahnen mag, mich aber unvorbereitet überrascht hat. Nett! Aber eben nur… nett.

Auch wenn Millars Geschichte mich nicht so gepackt hat, wie ich es mir erwünscht hätte, sind die Zeichnungen in „The Magic Order“ eine glatte Eins… beziehungsweise eine 10. Hierfür ist der begnadete französische Künstler Olivier Coipel verantwortlich. Nach seinem Einstand bei DC Comics, machte sich Coipel als langjähriger MARVEL-Zeichner einen Namen. Die Serien „House of M“ und „Siege“ gehören ebenso zu seinem Schaffen, wie diverse „Avengers“- und „X-Men“-Titel und eine fortlaufende „Thor“-Reihe. Ebenfalls schmückt er haufenweise Variant-Cover mit seinen großartigen Artworks. „The Magic Order“ ist seine erste Arbeit für Image, aber hoffentlich nicht die Letzte. Sehr abwechslungsreich und rasant sind seine Panel-Anordnungen geraten, die teils nahtlos ineinander laufen, sich mal überlappen oder aber klassisch daherkommen, nur um die abgebildeten Charaktere aus ihren festen Rahmen ausbrechen zu lassen. Ein enorm hoher Detailgrad und ein locker-flockig wirkender Strich sorgen für jede Menge Tempo. Gestik und Mimik überzeugen. Vor allem die Darstellungen diverser Räumlichkeiten erzielen durch gekonnte Blickwinkel eine schöne Tiefenwirkung, was durch die tollen Farben vom mehrfachen „Eisner-Award“-Preisträger Dave Stewart („Black Hammer“, Hard Boiled“, „Hellboy“) nur noch verstärkt wird.

Fazit:

Auf künstlerischer Ebene ein voller Erfolg, fehlt es der Story leider an Eigenständigkeit. Millars „The Magic Order“ wirkt wie ein Best-of diverser Genre-Werke, ohne dabei auf eigenen Füßen zu stehen. Potential ist durchaus gegeben und wird in einer bereits angekündigten Fortsetzung hoffentlich annähernd ausgeschöpft. Die Netflix-Adaption darf trotzdem mit Spannung erwartet werden, da bereits die erste Staffel von „The Umbrella Academy“ erfolgreich vorgemacht hat, wie man charakterliche Tiefe durch ein gutes Drehbuch und grandios-passende Darsteller vermitteln kann.

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