Tenebrae - Erstes Buch

Tenebrae - Erstes Buch
Tenebrae - Erstes Buch
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Marcel Scharrenbroich
8

Comic-Couch Rezension vonJul 2022

Story

Von Beginn an spannend, lüftet sich der Schleier langsam aber sicher, je mehr wir voranschreiten. So manche Wendung sieht man nur schwer kommen.

Zeichnung

Tolle Settings, tolle Farben, ein abgranzt-gefallener Held und eine zuckersüße Prinzessin. Die Zutaten stimmen… das Ergebnis ebenfalls.

Töte den Drachen, rette die Prinzessin…

Ex-Ritter ohne Furcht mit Tadel

Ein stolzer Streiter auf dem Schlachtfeld. Jemand, der seine Klinge loyal im Namen seines Königs schwingt. Treu, mutig, pflichtbewusst. All dies ist Arzhur nicht. Das war er vielleicht einmal, doch diese Zeiten liegen lange zurück. Sein guter Ruf wurde durch einen Fehler in der Vergangenheit befleckt. Heute ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. Dem Alkohol nicht abgeneigt und lediglich in Erinnerungen an frühere Glanztaten schwelgend, schlägt er sich mit Gelegenheitsaufträgen durchs Land. Stets an seiner Seite, der treue Knappe und Wegbegleiter Youenn. Als Arzhur eines Nachts mal wieder über die Stränge geschlagen hat, was auf Grund seines ramponierten Rufs nicht selten Scherereien mit sich bringt, schlagen die beiden abseits der Stadt ihr Nachtlager auf. Zur Ruhe kommen sie am wärmenden Lagerfeuer jedoch nicht, denn es nähern sie drei alte Frauen. Sie suchen keinen Unterschlupf oder Almosen, sondern haben etwas anzubieten: Gold.

Die Gegenleistung für das schnelle Geld scheint ebenso klassisch wie einfach: Es gilt eine Prinzessin zu befreien. Die Alten berichten, dass die Schönheit in einer alten, finsteren Burg gefangen gehalten wird. Bewacht von Ungeheuern. Arzhur soll nun die Monster in die Schranken weisen und die Tochter von königlichem Geblüt zurück in die Obhut ihres Vaters bringen. Die passende Waffe, in Form eines imposanten Schwertes, haben die mysteriöse Damen ebenfalls im Gepäck. Wie gesagt, denkbar einfach. Der Weg ist zwar weit, aber der Ruf des Goldes lockt zu sehr, um diesen Auftrag einfach in den Wind zu schießen. Arzhur willigt ein. Und obwohl er sich den monströsen Kreaturen in der verfallenen Burg mutig entgegenstellt und eine nach der anderen mit seinem Stahl durchbohrt, fällt das Echo eher gemischt aus. Besser gesagt… desaströs.

Die hübsche Prinzessin, Islen ihr Name, befand sich so ganz und gar nicht in Gefahr. Vielmehr wählte sie ihr vermeintliches Gefängnis selber aus. Und auch von den Monstern ging keinerlei Bedrohung aus, da sie diese ihre einzigen Freunde nannte. Verkehrte Welt, denkt Arzhur. Was haben ihm die Alten denn da für einen Bären aufgebunden? Es war auch nicht geplant, Islen zurück zu ihrem Vater zu bringen. Die Frauen setzen alles daran, dass die Prinzessin wieder zu ihrer Mutter zurückkehrt. Jener ehemaligen Königsgattin, die einst das ganze Reich ins Chaos stürzte. Arzhur weicht jedoch nicht vom ursprünglichen Plan ab, obwohl Islens Vater, mittlerweile neu vermählt, die junge Frau nicht mit offenen Armen empfängt. Dafür sorgt schon die aktuelle Gemahlin. Und Islen umgibt noch ein dunkles Geheimnis, von dem der ehemalige Ritter nicht ansatzweise ahnt, wie „ungeheuerlich“ dieses ist…

Die etwas andere Queste

Was als klassische Heldenreise beginnt, läuft ziemlich schnell aus dem Ruder. Da die vermeintlich altbewährte Geschichte schnell an Fahrt aufnimmt und unerwartete Töne anschlägt, sorgt das für frischen Wind im Fantasy-Genre. Die Charaktere werden ebenso flott wie treffend definiert eingeführt. Die Chemie zwischen Arzhur und Islen stimmt und es gibt so manche überraschende Wendung. Das macht Spaß, ist nicht unnötig kompliziert und wird gradlinig dargeboten. In eingeschobenen Rückblenden erfahren wir mehr über Islens Herkunft und Vergangenheit, was genau an den richtigen Stellen für Klarheit sorgt. Schnörkellos, sympathisch, spannend. Kurzum: richtig gut!

Die gelungenen Zeichnungen von Vincent Mallié („Arsène Lupin - Der Gentleman-Dieb (SPLITTER), „Der große Tote (EGMONT)) versprühen altbewährtes High-Fantasy-Flair, welches durch die erdige Aquarell-Kolorierung noch unterstrichen wird. Die Farben stammen von Bruno Tatti, der auch schon zu „Das Verschollene Zeitalter“ (SPLITTER), „Aristophania“ (SPLITTER) oder dem frankobelgischen Dauerbrenner „XIII“ (CARLSEN) Farben beisteuerte. Alles in allem arbeitet das Trio Hubert/Mallié/Tatti hier hervorragend Hand in Hand, was uns einen lesenswerten und äußerst kurzweiligen Fantasy-Trip der klassisch-unklassischen Art beschert.

Fazit:

Als Zweiteiler konzipiert, hält sich „Tenebrae“ (=Dunkelheit) nicht lange mit Erklärungen auf, sondern startet direkt Hals über Kopf in ein turbulentes, wendungsreiches Abenteuer. Offenbarungen werden an den richtigen Stellen eingeschoben. Story und Zeichnungen harmonieren und auch die Chemie zwischen den Charakteren stimmt, weshalb Fantasy-Freunde bedenkenlos zugreifen können.

Tenebrae - Erstes Buch

, Vincent Mallié, Splitter

Tenebrae - Erstes Buch

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