Couch-Wertung

9
Praktikabilität
Zeichnung

Praktikabilität

Düster, wie es Noir sein sollte, bedient die Story moralische Grauzonen und überrascht dabei immer wieder. Leider ist der Trip viel zu schnell vorüber.

Zeichnung

Der Stilmix aus knalligen Farben, tiefen Schwärzen und hektischen Konturierungen unterstreicht nicht nur das ungewöhnliche Sujet, sondern vermittelt das Lebensgefühl der „Swinging Sixties“.

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Yannic Niehr
London Noir

Comic-Rezension von Yannic Niehr Feb 2019

Sex, Drugs, Rock`n´Roll & mehr...

London im Spätsommer 1967: in den abgebrannten Überresten seines Schlosses in Schottland wird Jasper Brown, Frontmann der erfolgreichen Rockband „The Queen Bees“, tot aufgefunden. Durch eine Jagdgewehrsalve in den Kopf ist er kurz zuvor dem berühmten „Club 27“ beigetreten. Schnell schließt die Polizei auf Selbstmord. Zu schnell, findet der etwas abgedrehte Guru Indranath Ray, der mit dem Sänger befreundet war. Er beschließt, auf eigene Faust Ermittlungen anzustellen. Unterstützt wird er dabei nicht nur von den Visionen, die ihn gelegentlich ereilen, sondern auch von der zähen, jamaikanischen Nachwuchsreporterin Cassandra Jones (natürlich hatten die beiden mal was miteinander, und haben es wieder), die wie ihre Namensvetterin aus der griechischen Mythologie die Wahrheit ans Licht bringt, es aufgrund ihrer Hautfarbe allerdings manchmal schwer hat, sich Gehör zu verschaffen. Den beiden fällt ein Super 8-Film in die Hände, welcher eine sektenähnliche Versammlung bei ausschweifenden Sex- und Folterorgien zeigt, an denen auch Brown beteiligt gewesen war. Darauf ist u.a. auch noch ein ranghoher Politiker zu sehen. Schnell wird klar, dass hinter dem brenzligen Material eine Verschwörung stecken muss, die höher reicht, als bisher vermutet – und dass Ray und Jones sich längst selbst in Gefahr gebracht haben…

„The moon-eyed beast eats its own children…“

Die Kinder der Beat-Generation prägten eine der wildesten Epochen. In Amerika fand diese mit den berüchtigten Manson-Morden einen treffenden, wenn auch traurigen Schlusspunkt. Diesen fiel u.a. Sharon Tate, die Frau des Regisseurs Roman Polanski, zum Opfer, der sich für die Verfilmung von „Rosemary´s Baby“ verantwortlich zeichnet. Der Roman wiederum wird auch im vorliegenden Comic kurz erwähnt – so schließt sich der Kreis. Denn neben dem Höhepunkt der Hippie-Bewegung und ihren Forderungen nach „Peace & Love“ brach sich auch ein neues Interesse an alternativen spirituellen Erfahrungen und am Okkultismus in dieser Zeit Bahn. So wurde z.B. die moderne Church of Satan, die sich beißend-kritisch mit etablierten Religionen, Traditionen und Dogmen auseinandersetzt, in eben diesem Jahr 1967 gegründet. Mit einem über die Stränge schlagenden Satanskult bekommen es die Protagonisten dieser Graphic Novel schließlich auch zu tun.

Das London der Sechziger war ein kultureller, wilder Schmelztiegel sondergleichen. Um dies zu reproduzieren, tauchen einige bekannte Vertreter dieser Ära auf den Seiten des Comics auf (gleich zu Beginn z.B. Michael Caine, der dem „Swinging London“ mit der Hauptrolle in der Theaterverfilmung „Alfie“ ein Denkmal setzte). Insbesondere aber ist es die stilistische Vermischung von Noir und Pop-Art, die dem modernen Leser das Lebensgefühl der Zeit näher bringt. Strichführung und Konturierung scheinen außer Kontrolle zu geraten, stellenweise verschlingen finstere Schatten alles Licht, um schon kurz darauf wieder kräftigen, ineinander verlaufenden Farben zu weichen. Neben den knackigen, vor Anspielungen wimmelnden Texten, welche die sich getreu dem Noir-Genre in moralischen Grauzonen verlierenden, kantigen Figuren abrundet, ist es eben diese zeichnerische Qualität, die besonders hervorzuheben ist. Sie ist so stimmungsvoll, dass das Geschehen einem wie ein Film vor den Augen abläuft, und platzt fast vor einer Energie, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in Atem hält.

Interessant wird es bei Rays Visionen: diese wenigen Passagen sind in einem völlig anderen, verwaschenen art style gehalten, der sich klar von dem Rest abhebt und doch atmosphärisch problemlos einfügt. Eine bestimmte dieser Erscheinungen ist sehr symbolhaft geraten und lässt einen am Ende fast mit mehr Fragen zurück, als zu Beginn. Sicher ist dies so intendiert, um die Verwirrung dieser Zeit für den Leser spürbar zu machen – ein etwas fader Nachgeschmack bleibt aber trotzdem. Nach all der Spannung und den Twists & Turns, die der Plot schlägt, hätte man sich für das Ende etwas mehr explizite Ausdruckskraft statt interpretationsoffenen Subtext gewünscht.

Fazit:

„Swinging London“ bringt dem modernen Leser ein Setting näher, das es in dieser Form wohl nur einmal gegeben hat und so nie wieder geben wird. Dabei mischt die Graphic Novel auf originelle Art und Weise Stile und Genres. Thematisch geht es um das, was unter der Oberfläche dieser bunten Zeit schwelt und zu explodieren droht, wie z.B. Rassenkonflikte und die Schattenseiten von überbordendem Exzess. Auch wenn es am Ende gern noch etwas tiefer in die Materie hätte eintauchen dürfen, erhält man eine packende Story voller unvorhergesehener Wendungen, komplementiert durch eine anspruchs- und wirkungsvolle visuelle Mise-en-Scène.

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