SuperMutant Magic Academy

Erschienen: September 2018

Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Tiefgründig, humorvoll, melancholisch und nachdenklich stimmend. Große Erzähl-Kunst, die manchmal keiner Worte bedarf und hin und wieder erst auf den zweiten Blick erkennbar wird.

Zeichnung

Ein Mix aus schludrigen Skizzierungen und ansehnlicher Manga-Optik. Da die Charaktere dennoch vermögen, ihre Gefühle glaubhaft zu transportieren, gibt es wohlwollende 5 Punkte. Den sechsten gibt es für die wieder hervorgerufenen Erinnerungen an „Ein Sommer am See“.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
X-Kids

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Nov 2018

Versetzung gefährdet

Als wäre der Schulalltag für Teenager nicht schon hart genug, wenn einem unvorbereitet auch noch die Pubertät ins Kreuz grätscht, haben die Mädels und Jungs auf der „SuperMutant Magic Academy“ noch mit ganz anderen Tücken zu kämpfen. Man stelle sich einen Schüleraustausch zwischen der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei und Professor Xaviers Institut für begabte Jugendliche vor. Das, was dann die Bank drückt, ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen, bestehend aus Hexen, Mutanten, angehenden Zauberern und allem sonstigen, was der Genpool so hervorbringen kann. Doch nicht nur ihre unterschiedlichsten Fähigkeiten und Begabungen machen den Schülern zu schaffen, denn sie müssen sich zusätzlich noch den alltäglichen Problemen stellen. Probleme, die wohl ein jeder aus seiner Jugend kennt und die manchmal schon für Normal-Sterbliche schwer zu meistern sind. Erste Liebe, der schon fast zugehörige Liebeskummer, die Suche nach der eigenen Identität, der eigenen Sexualität und… dem ganzen lästigen und verwirrenden Rest.

Live und in Far… Ne… Live und in SCHWARZ/WEISS lassen uns Gemma, Marsha, Wendy, Trixie, Frances, Cheddar, Trevor und der Everlasting Boy an ihren Erlebnissen teilhaben, innerhalb sowie außerhalb der Mauern der Akademie. Sie teilen ihre Sorgen mit uns, entblößen ihre tiefsten Gedanken, Wünsche und Ängste. Wir begleiten die außergewöhnlichen Teens bei ihren Erfolgen und ebenso beim Scheitern… Ein nicht selten melancholischer Blick in den Alltag von (fast) normalen Jugendlichen.

Schulsprecherin

Diese intimen Einblicke verschafft uns Jillian Tamaki, die 2008 schon mit den Illustrationen in dem - von ihrer Cousine Mariko Tamaki verfassten – Außenseiter-Drama „Skim“ Leser und Kritiker gleichermaßen begeistern konnte. Hierfür gab es auch gleich den Ignatz-Award und im Folgejahr gleich vier Nominierungen für den Eisner-Award. Eine deutsche Veröffentlichung blieb bislang aus, was sich jedoch 2019 ändern soll. Ein Kurzgeschichten-Band von Jillian Tamaki mit dem Titel „Grenzenlos“ ist hingegen schon bei uns verfügbar und zeigt, über welch künstlerische Vielfalt die Illustratorin verfügt. 2014 arbeiteten die Tamakis erneut für „Ein Sommer am See“ zusammen. Eine leichtfüßige Feel-Good-Story mit Urlaubs-Flair, die dennoch alles andere als oberflächlich geraten ist und deren charmanten Sog man sich nur sehr, sehr schwer entziehen kann. Belohnt wurde diese sympathische und behutsam erzählte Geschichte mit dem Eisner-Award für den besten Comic des Jahres… und das vollkommen verdient! Ein ähnlich strukturiertes Werk darf man bei „SuperMutant Magic Academy“ nicht erwarten, obwohl auch hier Teenager und eine Coming-of-Age-Thematik im Vordergrund stehen.

Kleine Pause

Hier bekommt man keine zusammenhängende Story präsentiert, sondern ein- bis zweiseitige Episoden aus dem Schulalltag der unterschiedlichen Teens. Eine Tatsache, die mir vorher nicht bewusst war, da ich mich ohne jegliches Vorwissen an Tamakis „Academy“ eingeschrieben hatte und anhand des mehr als positiven Eindrucks, den „Ein Sommer am See“ bei mir hinterlassen hat, anfänglich etwas enttäuscht war. Konnte ich die Graphic Novel der beiden Cousinen nicht aus der Hand legen, fielen die Pausen beim aktuellen Werk nicht so schwer. Ich würde solche Lesepausen sogar ausdrücklich empfehlen, denn JETZT kommen wir zur eigentlichen Stärke des Buches…

Der Neue

Es dauerte zugegebenermaßen ein wenig, aber je mehr Seiten ich las, umso größer wurde die Verbindung. Anfänglich ein Außenstehender, vergleichbar mit einem neuen Schüler, der als Frischling im laufenden Schuljahr in einen eingeschworenen und miteinander vertrauten Haufen Kids geworfen wird, kam es mir vor, als lernte ich die Charaktere langsam kennen… lernte wie sie ticken… mit all ihren Macken und Eigenheiten. Nach ungefähr der Hälfte war ich dann mittendrin, quasi ein Teil der Gruppe und kannte die Charaktereigenschaften meiner „Mitschüler“. Kannte ihre Stärken und Schwächen… ihre Fähigkeiten… und wusste diese einzuschätzen. Die burschikose Marsha, die innerlich mit sich hadert und (noch) nicht zu ihren Gefühlen steht… die gesellschaftskritische, zynische Frances, die ihre Ansichten mit öffentlichen Kunst-Projekten untermauert… oder Everlasting Boy, der… der… ach, seht am besten selbst.

Große Pause

Die bereits angesprochenen, zu empfehlenden Pausen eignen sich hervorragend, um das Gelesene noch einmal zu reflektieren, denn die (Kurz)geschichten sind überraschend tiefgründig. Oftmals ergeben die Bilderfolgen erst auf den zweiten Blick Sinn, an anderer Stelle trifft es den Leser dann mit dem Holzhammer. Nach mehreren Stories unterbrach ich, um kurz in mich zu gehen… mal tief berührt, mal erschüttert, oftmals amüsiert, dann wieder mitfühlend. Es ist beachtlich, was Jillian Tamaki vermag, in sechs simple Panels zu packen und damit den Leser an der richtigen Stelle zu kitzeln.

Entstanden sind die Strips zwischen 2010 und 2014 und erschienen ursprünglich als Web-Comic, was die fehlende Kontinuität natürlich im Nachhinein erklärt. Trotzdem zieht sich ein dünner, roter Faden durchs gesamte Buch. Gegen Ende wird dann der ein- bis zweiseitige Story-Rhythmus gekappt, um die losen Enden in einer umfassenden Abschluss-Geschichte zu einem gelungenen Ende zu bringen.

Optisch variieren die Mini-Erzählungen extrem. Zwischenzeitlich – und speziell zum Ende – werden die Zeichnungen feiner und detaillierter. Tamakis Manga-Einfluss, der auch schon in „Ein Sommer am See“ vorzufinden war, blitzt auch hier wieder durch und ältere Leser dürften sich an die 1974er-Zeichentrick-„Heidi“ aus dem Hause Zuiyo Enterprise erinnert fühlen. Einige Geschichten wirken schluderig oder bestenfalls grob skizziert, verfehlen aber in ihrer erzählerischen Wucht dennoch nicht. Farbliche Akzente gibt es nur auf den wenigsten Seiten. Wenn sie vorkommen, sind diese aber gut gesetzt. Stilistisch nicht besonders schön, aber größtenteils akzeptabel.

Fazit:

Auch für die „SuperMutant Magic Academy“ hagelte es Preise. Zwei Ignatz-Awards und ein Eisner-Award können nicht irren, oder? Nein, Jillian Tamaki erzählt in sechs Panels mehr, als mancher Autor in drei Bänden. Definitiv eine Schule der etwas anderen Art, mit Schülern einer etwas anderen Art und mit Problemen einer nur zu bekannten Art.

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