Superman: Secret Origin

Erschienen: November 2020

Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Ein bisschen Nostalgie, ein wenig frischer Wind und ein erfreulich tiefgründiger Coming-of-Age-Ausflug in den modernisierten Werdegang des „Man of Steel“. Sehr gelungen und einsteigerfreundlich.

Zeichnung

Ziehe ich das Christopher Reeve-Lookalike des jungen Clark, manche verunglückte Pose und die mimischen Entgleisungen ab, bleiben solide 7 Punkte, die so ziemlich auf Superhelden-Standard-Niveau rangieren.

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Marcel Scharrenbroich
Was bin ich?

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Apr 2021

„Schon bald wird die Welt dich so akzeptieren, wie du wirklich bist.“

Du willst einfach nur dazugehören. Tun, was alle tun. Unbeschwert, frei heraus und nicht darüber nachdenken, was und ob etwas passieren könnte. Kind sein. Toben, Rennen, Football spielen. Doch Du bist anders… weißt, dass Du dich von Deinen Mitschülern unterscheidest. Kannst es ihnen nicht sagen. Was würden sie denken? Dich für einen Freak halten? Dich ausschließen? Mit dem Finger auf Dich zeigen? Womöglich. Doch wie solltest Du es ihnen erklären, wenn Du es selber nicht verstehst? Du hast Fähigkeiten. Kräfte. Und Verantwortung, die mit diesen einhergeht. Eine Fassade. Eine Lüge. Eine vorgeschobene Identität, die nicht im Ansatz das von Dir zeigt, was Du wirklich bist. Ja… Du bist anders, Clark.

Martha und Jonathan Kent lieben ihren Sohn. Wissen allerdings, dass er nicht auf natürlichem Wege in ihr Leben gelangte. Zu sagen, er käme von „außerhalb“, wäre untertrieben… denn ihr Kind kam aus dem Weltall zu ihnen. Von einem fernen Planeten. Dass er anders war als die gleichaltrigen Kinder, bemerkte er selbst. Dass seine vermeintlichen Eltern ihn in einer Art Raumschiff fanden, wurde ihm jedoch verheimlicht. Nur Schulfreundin Lana weiß von Clarks übermenschlichen Kräften, die andere Mitschüler vermutlich erschrecken würden. Sein Anderssein bedrückt Clark. So sehr, dass Jonathan Kent einen Entschluss fasst, mit dem er sich über den beschützenden Instinkt seiner Frau hinwegsetzt. Clark muss es erfahren. Wo er herkam. Was er ist.

Mit dem neu erlangten Wissen über seine Herkunft, welches Clarks leiblicher Vater Jor-El ihm in Form einer aufgezeichneten Botschaft mit dem Raumschiff hinterließ, fängt der Teenager nach anfänglichen Zweifeln an zu akzeptieren, wer und was er ist. Er möchte seine Kräfte von nun an in den Dienst der Menschheit stellen. Helfen, wo Hilfe benötigt wird. Die Schwachen beschützen. Er scheint seine Bestimmung gefunden zu haben. Eine Erkenntnis, die zusätzlich durch eine Gruppe zeitreisender Helden befeuert wird. Diese stammen aus dem späten 30. Jahrhundert und sagen Clark eine heroische Zukunft voraus. Er begleitet sie für einen Kurztrip in ihre Zeit und bemerkt, zu was er fähig ist. Zum ersten Mal in seinem Leben muss er sich nicht verstellen oder verstecken. Kann sein, was er ist. Und er ist zu Großem imstande...

„Smallville“ trifft „Superman ‘78“

Der Sammelband von PANINI enthält die komplette sechsteilige Mini-Serie, die in den Staaten ursprünglich von 2009 bis 2010 im monatlichen Rhythmus veröffentlicht wurde. Autor Geoff Johns tat mit „Superman: Secret Origin“ das, was so ziemlich jeder Superheld im Laufe seiner Karriere schon mal durchgemacht hat… manchmal sogar mehrfach: Er definierte die Ursprünge neu. In einigen Fällen fragt man sich „Warum?“ Reicht es nicht, wenn der Werdegang einmal und unumstößlich in Stein gemeißelt wurde? Ganz klar: Jein. Es gibt mit Sicherheit Charaktere, bei denen es wenig Sinn macht, alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen. Vor allem, wenn die Neuausrichtung keinen Mehrwert liefert und die Ursprünge nur lauwarm und ohne weitere Zutaten aufkocht. Nützlich ist es in solchen Fällen vor allem für den jeweiligen Verlag, der so eine neue Generation von Comic-Lesern anfüttert und – sozialer gedacht – nicht mit vielen Fragezeichen zum kommenden Lieblingshelden im Regen stehen lassen will. Oftmals ist es halt die Frage, ob es ein Reprint des Ursprungsmaterials nicht auch getan hätte. Original-Ausgaben der ersten Auftritte scheiden in den meisten Fällen eh aus, da die Preise derart utopisch sind und seltene Erstausgaben vermutlich beim ersten Aufschlagen zerbröseln würden. Interessanter wird es, wenn Autoren die Origin-Story auf ein neues Level heben. Moderner gestalten und mit der Zeit gehen. Gegebenenfalls mehr Tiefe reinbringen und den oft eindimensionalen Figuren vergangener Zeiten neue Facetten verleihen.

So ging auch Geoff Johns vor, der vor seiner Arbeit an „Action Comics“, „Justice Society of America (JSA)“ oder „Booster Gold“ mit der Serie „Stars and S.T.R.I.P.E.“ auf sich aufmerksam machte, die er seiner verstorbenen Schwester widmete. So trug die Hauptfigur Courtney auch deren Namen und flimmert aktuell als „Stargirl“ über die TV-Bildschirme. Mit Film und Fernsehen ist Johns eh regelmäßig auf Tuchfühlung und ist ausführender bzw. Co-Produzent diverser DC-Verfilmungen, an denen sich leider oft die Geister scheiden. Zugegeben, „Green Lantern“ war ein mittelschweres Desaster, welches sogar Hauptdarsteller Ryan Reynolds im „Deadpool“-Dress der Konkurrenz durch den Kakao zog, und Joss Whedons „Justice League“-Verbrechen kehren wir nach Zack Snyders 4 Stunden-Epos lieber ganz schnell unter den Teppich. Aber der von ihm mitgeschriebene „Aquaman“ war ein launiger Spaß und persönlich halte ich „Batman v Superman: Dawn of Justice“ für einen der am meisten unterschätzten Filme… und da braucht niemand die oft missverstandene „Martha“-Keule rausholen. Lediglich „Wonder Woman 1984“ halte ich für übelsten Trash, der mit Ach und Krach auf den aktuellen 80er-Trend gebürstet wurde und absolut NULL Mehrwert durch dieses quietschbunte Setting bekommen hat, welches in 151 Minuten mehr Klischees aus dem Hut zauberte als das gesamte Jahrzehnt farbenfroh in die Welt hätte kotzen können. Vom familientauglichen „Wishmaster“-Light-Plot und dem klebrig-süßen Ende mal ganz abgesehen. Aber das mag jeder für sich entscheiden…

Den Fuß in die Filmwelt-Tür bekam Geoff Johns durch Richard Donner („Das Omen“, „Die Goonies“, „Lethal Weapon“), seines Zeichens Regisseur des ersten „Superman“-Kinofilms von 1978. So verwundert es auch nicht, dass „Superman: Secret Origins“ ähnliche Schwingungen versprüht. Gepaart mit Clark Kents Jugendjahren, die man ähnlich aus der langlebigen Serie „Smallville“ kennt. Zufall? Oh nein, denn Johns arbeitete dort als Drehbuchautor fleißig mit. Und diese gelungene Mischung funktioniert im Comic sehr gut. Auf klassische Eckpfeiler wird nicht verzichtet, sodass auch Kenner der lange bewährten Origin-Story abgeholt werden. Hinzu kommen Passagen, in denen der junge Clark lange mit dem hadert, was er ist. Ein Alien. Ein Fremder. Sein bisheriges Leben wird mit einer erschütternden Erkenntnis auf den Kopf gestellt. Er versucht sich anzupassen, nicht aufzufallen. Muss seine Identität, sein wahres Ich, verstecken. All dies wird vor allem in der ersten Hälfte sehr gut und erfreulich actionarm vermittelt. Obligatorische Superhelden-Keilereien gibt es zwar auch, doch diese stehen nicht im Vordergrund, wirken aber dennoch nicht wie Fremdkörper. Trotz Zeitsprüngen ist der Fluss der Geschichte sehr angenehm und stets in Entwicklung. Mit dem Aufbruch Clarks nach Metropolis, werden dann Erinnerungen an Donners Film wach, was besonders beim Kennenlernen von Lois Lane für schmunzelnde Nostalgie-Momente sorgt. Dann geht es auch rasanter und actionreicher weiter, denn ein Lex Luthor darf natürlich nicht fehlen. Man kann also sagen, dass Geoff Johns mit seiner Neuinterpretation von Supermans Werdegang so ziemlich alles richtig gemacht hat und nichts ausließ.

Der Mann im Kinde

Ein kleiner Wehrmutstropfen sind die Zeichnungen. Die Bilder von Gary Frank („Justice League of America (JLA)“, „Supergirl“, „Action Comics“) bleiben trotz vieler Details nicht allzu lange im Gedächtnis, obwohl vor allem die Umgebung sehr gelungen ist. Schwachpunkt ist eindeutig das Charakter-Design. Franks junger Teenager-Clark sieht aus wie ein Abbild des erwachsenen Christopher Reeve… montiert auf einen Knaben-Körper. Erfreulicherweise ändert sich dies ein wenig, wenn wir zum ausgewachsenen, angehenden Reporter springen. Man mag sich nur mal vorstellen, wenn ein Künstler à la Alex Ross (man wird ja wohl noch träumen dürfen…) das kreative Zepter in die Hand genommen hätte, wie er es beispielsweise in „Superman: Friede auf Erden“ tat… dann, ja dann hätte „Superman: Secret Origin“ ein wegweisendes Meisterwerk werden können, welches für die nächsten Jahrzehnte Bestand hätte. So bleibt der Sammelband zwar optisch größtenteils ansehnlich, muss sich aber auch der Tatsache stellen, dass die Zeichnungen oftmals „nur“ dem Superhelden-Standard entsprechen. Im Anhang des Bandes findet sich noch eine Cover-Galerie, die ausschließlich Variant-Motive von Gary Frank zeigt.

Fazit:

Wer frisch in der Comic-Landschaft unterwegs ist, bekommt hier den perfekten Startpunkt für den wohl bekanntesten aller Superhelden. Eingefleischte Kenner der Ur-Mythologie freuen sich über neue, tiefgründige Impulse, die zeitlich angepasst und dennoch herrlich nostalgisch wirken.

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