Strannik

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Nina Pimentel Lechthoff
9

Comic-Couch Rezension vonAug 2019

Story

Aus der Sicht des Protagonisten erzählt und als eine Art Bewusstseinsstrom geschrieben. Dabei verzichtet die Autorin auf künstliches Drama.

Zeichnung

Schemenhafte und grobe Skizzen, die sehr gut zum Erzählstil und zum Protagonisten passen.

Doku im Comicformat

Vyacheslav, der Wanderer

„Strannik“, russisch für Wanderer, ist ein dokumentarischer Kurzcomic und erzählt die Geschichte von Vyacheslav. Die Autorin Anna Rakhmanko und der Comiczeichner Mikkel Sommer haben den Kampfsportler und Obdachlosen aus Moskau vier Tage lang begleitet. Aber anders, als man vielleicht meinen könnte, zeigt der Comic nicht das, was sie in diesen wenigen Tagen zusammen erlebt haben, sondern handelt ausschließlich von Vyacheslavs Ideen, Träumen und Erinnerungen. Dabei treten sowohl Autorin und Zeichner in den Hintergrund, denn der Text ist komplett aus der Perspektive des Protagonisten geschrieben und auch die Zeichnungen zeigen Eindrücke aus seinem Leben. Dialoge oder Interaktionen mit anderen Figuren finden weitestgehend nicht statt. Dabei verzichten Rakhmanko und Sommer auf allzu melodramatische Momenten. Das Leben von Vyacheslav ist keineswegs ein leichtes, das wird sehr schnell klar. Trotzdem wird nicht auf die Tränendrüsen gedrückt oder an das Mitleid der Leser appelliert – was bei solch einem Thema (leider) sehr erfrischend ist.

Wie eine Art Tagebuch

Die Texte sind in der Art eines Bewusstseinsstroms gehalten, die einzelnen Passagen fließen von Erinnerungen an Vyacheslavs Kindheit über in Aussagen über seinen Alltag bis hin zu seinen Träumen und Zukunftsplänen. Ich hatte sehr oft das Gefühl, ich würde eine Art Tagebuch oder wenigstens ein autobiografisches Werk lesen und nicht einen von einem anderen Menschen geschriebenen Comic.

Diese sehr persönlichen Texte werden von einer Reihe von Bildern begleitet, die sehr gut zur Erzählweise passen. Die Bilder und Texte sind zueinander asynchron. Wenn man etwas über die Kindheit Vyacheslavs liest, heißt das nicht unbedingt, dass man das dazugehörige Bild dazu sieht. Teilweise kommen diese erst später im Comic, entweder in einem anderen Panel oder sogar ein paar Seiten weiter.

Die Bilder sehen aus wie grobe Skizzen, die mit Kugelschreiber angefertigt wurden. Vor allem Gebäude und generell die Hintergründe sind sehr detailarm, aber auch die abgebildeten Menschen sind teilweise nur schemenhaft gezeichnet. Dieser Stil passt wunderbar zum Menschen, der in „Strannik“ im Mittelpunkt steht. Auch bei ihm hat man das Gefühl, dass er seine Umgebung nur ganz grob und schemenhaft wahrnimmt.

Eine gelungene Doku

Mir hat „Strannik“ unglaublich gut gefallen, vor allem, weil die Comicschaffenden ihrer Gattung treu geblieben sind. Auch wenn man Vyacheslav in den Bildern sieht – der Anfang zeigt, wie er in den Straßen Moskaus unterwegs ist und seinen nächsten Schlafplatz in einem Treppenhaus findet –, hatte ich beim Lesen das Gefühl, alles aus der Perspektive der Hauptfigur zu sehen. Dadurch, dass die beiden Comicschaffenden nicht vorkommen, weder als Erzähler, noch als Figuren, kann man sich ganz und gar auf den Protagonisten konzentrieren. Das ist meiner Meinung nach ein Merkmal einer sehr guten Doku. Die Menschen hinter der Kamera sollten für die Erzählung egal sein, allein die Hauptfigur sollte eine Doku tragen. Und das ist Anna Rakhmanko und Mikkel Sommer meiner Meinung nach sehr gut gelungen.

Fazit:

Erzählung und Zeichnungen passen in „Strannik“ sehr gut zusammen und ergeben einen stimmungsvollen und packenden Comic. Dass dabei allein der Protagonist Vyacheslav im Fokus gestellt wird, macht den Comic zu einer sehr gelungenen Dokumentation über das Leben eines Mannes, der zwar am Rande der Gesellschaft lebt, aber trotzdem seine Träume nicht aufgegeben hat. Noch empfehlenswerter ist „Strannik“ nur, weil der sämtliche Verdienst des Comics direkt an Vyacheslav geht, um sein Leben einfacher zu machen.

Strannik

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