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Story
Zeichnung

Story

Augenzwinkernd, unverblümt und provokant. Ein pointiertes Vergnügen, mit dem Ralf König locker an vorherige Erfolge, von denen es nicht gerade wenige gibt, anknüpft. Sein Flop trägt das Herz am richtigen Fleck und in der Hose… wenn er denn eine hätte.

Zeichnung

Wer Comics von Ralf König kennt, weiß, was ihn erwartet. Nur mit weniger Knollennasen und viel, viel mehr Behaarung. Die treffsichere Mimik seiner Vormenschen harmoniert punktgenau mit den gelungenen Dialogen.

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Marcel Scharrenbroich
Die Evolutionstheorie… nach König

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Mai 2020

„Manche Arten sind nur Modeerscheinungen der Evolution gewesen.“
-Prof. Dr. Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger (deutscher Chemiker, Erfinder und Autor)

Da muss man als „typisch“ deutsches Mittelklasse-Ehepaar erst ins ferne Afrika reisen, um mal wieder auf den geerdeten Boden der Tatsachen zurückzufinden. Allerdings ist die Natur dort nicht SO unberührt, wie man es in der freien Wildbahn vermuten könnte. Irgendwo zwischen einem abgewrackten Atomkraftwerk, einem vermüllten Strand und mit Luft und Spucke zusammengeklöppelten Baracken hat sich unser Touristen-Pärchen heillos in der afrikanischen Savanne vergaloppiert. Ohne WLAN, Handy-Empfang und rettendes Google Maps irren sie zwischen beinahe baumloser Landschaft, weggeworfenen Plastikflaschen, furztrockenem Klima und sengender Hitze planlos umher. Weit und breit kein Blick auf das Neckermann South Africa Luxury Resort. Schöne Scheiße…

Auf einem der wenigen Bäume hockt ein einsamer Bonobo, der ihnen gelangweilt den haarigen Arsch entgegenstreckt. Überraschenderweise erklärt dieser dem Paar, dass sie sich im Affentheater befinden. Ein weiterer feiner Zwergschimpanse, der netterweise Snacks im Gepäck hat, ist zwar nicht sonderlich überrascht, dass sich Homo Sapiens in diese Gefilde verlaufen haben, aber durchaus neugierig. Da ihm der Blick auf Horsts Klöten verwehrt bleibt, bewundert der Bonobo wenigstens anerkennend dessen krausige Brustbehaarung… immerhin ETWAS, das sich nicht zum Nachteil verändert hat. Da die angekündigte Show kurz davor ist loszugehen (und passenderweise zwei Plätze für Horst samt Gattin freigeworden sind), erkundigt der neue Fell-Freund sich noch schnell, ob die Touristen wissen, wo sie zum ersten Mal falsch abgebogen sind. Also nicht während ihres Urlaubs…, sondern generell. Wo hat die Evolution verkackt? Wie konnte es passieren, dass Horst und der Schrätel, den er liebevoll Ehefrau nennt, aufrecht und auf zwei Beinen durch die Pampa hüpfen? Nun, alles begann mit zwei Exemplaren der Gattung Australopithecus… und damit beginnt auch ein Natur-Schauspiel sondergleichen.

„Ich kacke, also bin ich!“
-Flop (Kulturpessimist… und Poet)

Wir werden Zeugen, wie die Evolution derart reingrätscht, dass die haarigen Freunde sich mit einem lauten Knacken im Kreuz plötzlich auf zwei Beinen fortbewegen. Und warum? Weil sie es können… und weil sie anfangen zu denken. Allen voran Flop, dem beim scheißen die dollsten Ideen kommen. Ideen von philosophischem Ausmaß… na ja, aus damaliger Sicht gesehen. Vor rund 4 bis 2 Millionen Jahren, aber wer zählt da schon so genau mit.

Ist das Begatten der Weibchen nur dem Alphamännchen vorbehalten, fühlt Flop sich ganz wohl damit, seine männlichen Artgenossen zu bespringen. Dank seiner Kreativität und der Entdeckung des eigenständigen Denkens kommen ihm durchaus sinnvolle Ideen, den Akt um ein paar Variationen zu erweitern. In Annahme mit der Entdeckung des „Leckens“ ganz weit vorne zu sein, ist die gute Effi ihm aber schon ein weites Stück voraus. Dieses praktiziert sie nämlich schon länger mit ihrer gleichgeschlechtlichen Partnerin Peffi, weshalb die vermeintliche Potenz des Alphamännchens bisher auch komplett an ihr abprallte. Nicht mal der gutgebaute, stattliche Erec hätte bei Chancen… ganz im Gegensatz zu Flop, der bei dem maskulinen Homo Erectus regelmäßig in Verzückung gerät.

Dem Alphamännchen, dem der Piephahn altersbedingt nur noch in eine schwerkraftbedingte Richtung zeigt, macht Erec ordentlich Konkurrenz. Potent, stark, selbstbewusst und durchaus mit Anführer-Potential, versammelt er seine Artgenossen, um ihnen genau DAS einzuschleifen: Mut und Selbstbewusstsein! Die Selbstsicherheit soll durch einen aufrechten Gang sogar noch bestärkt werden… also macht Erec den Anfang und richtet sich auf. Man muss ja schließlich mal runter von den Bäumen, die sowieso spärlich gesät sind, und sollte schon die Eier im Sack haben, um sich gegen Säbelzahntiger und ähnliches Gedöns zu verteidigen. Innovationsforscher Ping weist zudem darauf hin, dass durch den aufrechten Gang das Hirn der Hominiden wachsen könne. Ein evolutionärer Schritt!

Dass die Weibchen sich weiterhin gebeugt fortbewegen sollen und nun von allen Männchen begattet werden sollen, passt bei weitem nicht allen in den Kram. Vor allem nicht Flop, der mit seiner homosexuellen Ausrichtung vollends zufrieden ist und eigentlich nur Augen für Erecs „wunderschöne, dicke Hoden“ hat…

Brüllen(d) und beißen(d)

Ralf König, eine seit Jahrzehnten unumstrittene Größe der deutschen Comic-Szene, geht mit „Stehaufmännchen“ einen Schritt weiter. Einen Schritt weiter zurück, um genau zu sein… Zwar widmete sich König mit „Prototyp“ bereits der Schöpfungsgeschichte um Adam und Eva, ließ in „Archetyp“ ein wenig Regen über Noah und den Rest der Menschheit hereinbrechen, nahm einen predigenden Paulus in „Antityp“, um die Bibel-Trilogie zu komplettieren, ins Gebet und stattete dem Morgenland in „Dschinn Dschinn“ einen zweifachen Besuch ab, aber SO weit wagte er sich bisher nie in die Vergangenheit.

Mit humorvollen Dialogen und pointiertem Witz, ergänzen sich die redseligen Vormenschen brüllend komisch mit ihren gezeichneten (womöglich fotorealistischen?) Abbildern. Besonders, wenn der sympathische Flop mit aufgerissenen Augen die vierte Wand durchbricht und erstaunt den Leser direkt anblickt. Obwohl die typischen Knollennasen hier etwas kleiner als gewohnt ausfallen, ist „Stehaufmännchen“ ein klassischer König. Zudem gibt es viel an Flora und Fauna zu sehen, was die ganze Geschichte sehr stimmungsvoll und rund wirken lässt. Ralf König entschleunigt auch immer wieder die hochbrisante (immerhin reden wir hier von der gottverdammten Evolution!!!) Thematik, indem er uns auch einfach mal die einsame Landschaft auf Doppelseiten präsentiert.

Dabei lässt König es sich selbstverständlich auch nicht nehmen, einen gehörigen Schuss Homo-Erotik einfließen zu lassen, welcher nicht erst seit „Der bewegte Mann“ oder den Geschichten um „Konrad und Paul“ eine große und beliebte Rolle in seinen Werken spielt. Wenn der kleine Flop seinem angehimmelten Erec gegenüber über neuartige Sexualpraktiken schwadroniert, während ihm bei den Worten „Oralverkehr ist eine bahnbrechende Erfindung…“ Herzchen um den Kopf schwirren, und dieser ihm mit „Brich Bahn!“ breitbeinig den Sack vor die Nase hält, ist dies nicht nur herrliche Situationskomik, sondern auch DAS, was man von einem Ralf König-Comic erwartet.

Fazit:

Die Evolutionsgeschichte mal anders… oder… vielleicht verlief es ja GENAU SO? Wer weiß das schon? Wer war dabei? Vom Aussehen her sind mir zwar Leute bekannt, die durchaus aus dieser guten, alten Zeit stammen könnten, allerdings laufen die immer noch gebeugt. Egal… „Stehaufmännchen“ stellt provokante Thesen auf, verfügt mit Flop über einen sympathischen Evolutionsgegner und hält der Menschheit vor Augen, wo sie falsch abgebogen ist… und zwar unmittelbar nach dem Start.

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