Snoopy und die Peanuts - Das Glück der kleinen Dinge

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Marcel Scharrenbroich
9101

Comic-Couch Rezension vonJan 2026

Story

Kleine Geschichten aus dem Alltag. Mal nachdenklich, mal heiter… aber stets herzlich.

Zeichnung

Im Falle der „Peanuts“ trifft es zu, dass weniger mehr ist. Auf das Nötigste reduziert, und damit voll ins Schwarze getroffen.

Happy Birthday, Charlie Brown.

Punkt, Punkt, Komma, Strich…

Mehr braucht es manchmal nicht, um aus vordergründig Banalem etwas Bedeutendes zu erschaffen. Man denke nur an Matt Groenings „Simpsons“, die vom krakeligen Lückenfüller in der „Tracey Ullman Show“ (1987 – 1990) zum weltweiten Popkultur-Phänomen wurden, sich - als längste durchgehend ausgestrahlte US-Zeichentrick- und Primetimeserie - noch heute größter Beliebtheit erfreut und 2027 mit einem zweiten Kinofilm an den Start gehen wird. Oder an jene weltbekannte Maus, die sich 1928 pfeifend als „Steamboat Willie“ vorstellte, etablierte und heute als Aushängeschild eines Mega-Konzerns gilt, der im Geschäftsjahr 2024 satte 94,4 Milliarden US-Dollar umsetzen konnte. Künstlerisch vielleicht simpel, aber von derartiger Unverkennbarkeit, dass beim Anblick der Figuren nicht nur den Kleinsten das Herz aufgeht.

Ähnlich verhält es sich mit dem gekritzelten Burschen mit schütterem Haar, der 1948 das Licht der Welt erblickte: Charlie Brown. Anfangs noch als „Li‘l Folks“ bezeichnet, erlebte eine kleine Gruppe Vorstadtkinder die ersten Panel-Abenteuer ab Sommer 1947 in einer wöchentlichen Lokalzeitung, bevor deren Hauptakteur seinen Namen im Folgejahr von ihrem Schöpfer Charles M. Schulz (1922 – 2000) verpasst bekam. Ab Oktober 1950 wurden aus den „Li’l Folks“ die „Peanuts“, denn Schulz konnte seine Figuren beim UNITED FEATURE SYNDICATE unterbringen, wo über die Jahrzehnte namhafte Cartoons wie „Li’l Abner“, „Tarzan“, „Marmaduke“ oder „Garfield“ eine Heimat fanden. Ältere Strips signierte Schulz noch mit seinem Spitznamen „Sparky“, doch mit dem Start der „Peanuts“ ist sein echter Name bis heute, sechsundzwanzig Jahre nach seinem Tod, noch unweigerlich mit dem kleinen Burschen verbunden, in dem er sich selbst als kleinen Jungen aus Minnesota sah.

Unvergesslich sind nicht nur die Gedankengänge von Charlie Brown, die ihn stets älter und reifer wirken ließen, als er tatsächlich war, sondern auch die wilden Abenteuer seines Beagles Snoopy. Meist in Begleitung seines gefiederten Sidekicks Woodstock - ein kleiner, gelber Vogel mit recht markanter Frisur -, wurde der Vierbeiner auf seiner Hundehütte zum Flieger-Ass, das sich tollkühn mit dem „Roten Baron“ in Luftkämpfen duellierte, gerne auf seinem Häuschen liegend aber auch mal die Gedanken schweifen ließ. Selbst das ständige Scheitern als Schriftsteller konnte dem Stehaufmännchen nie den Boden unter den Füßen wegziehen, denn im Gegensatz zu seinem melancholisch-pessimistischen Herrchen, den nicht nur Sportarten wie Baseball oder Football vor unüberwindliche Hürden stellten, war Snoopys Lebenseinstellung stets positiv. WAR? Ja, denn mit dem Ableben von Charles M. Schulz - er verstarb am 12. Januar 2000 in der Nacht, bevor sein letzter Strip veröffentlicht wurde -, endeten auch die Abenteuer der „Peanuts“. So lautete sein Wille.

2012 wurden beim BOOM!-Imprint kaboom! Jedoch neue Geschichten mit Charlie Brown, Snoopy, Linus, Lucy & Co. veröffentlicht. Die einzigen von der „Charles M. Schulz Creative Associates" genehmigten Geschichten, die für den deutschen Markt von CROSS CULT herausgebracht wurden. Seitdem ist viel passiert, denn neben einer neuen TV-Serie (2014) erschien 2015 mit „Die Peanuts - Der Film“ ein 3D-Animationsfilm fürs Kino, der dem Look im Kern zwar treu blieb, durch seine cleanen Bilder aus dem Rechner aber viel an nostalgischem Charm einbüßte. Ende 2025 erwarb SONY den Löwenanteil der „Peanuts“-Rechte, aufgeteilt auf Sony Pictures (41%) und Sony Music Entertainment Japan (39%). Der Streaming-Anbieter APPLE TV+ hält derweil die Streaming-Rechte für vorhandene und kommende Projekte bis 2030.

Life… und in Farbe

Der CARLSEN Verlag, in dem Snoopy und die Peanuts in sämtlichen Formen und Farben in Deutschland beheimatet sind, hat der Rasselbande zum großen Jubiläum eine wunderschöne Sonderausgabe geschenkt, die einen tollen Strip-Querschnitt aus 75 Jahren beinhaltet. Bedenkt man, dass Charles M. Schulz insgesamt 17.897 Strips zu Papier gebracht hat, wird die Auswahl für diesen Band nicht leichtgefallen sein. Auf 390 Seiten wurden jedoch alle Felder abgedeckt, die man als Comic-Liebhaber mit den „Peanuts“ verbindet. Neben den größten Sympathieträgern Charlie Brown, dem vielleicht melancholischsten Jungen der Welt, und seinem ewig hungrigem Beagle Snoopy, gibt es ein Wiedersehen mit Charlies bestem Freund Linus van Pelt und seiner geliebten Schmusedecke, seiner kleinen Schwester Sally, der stets auf Krawall gebürsteten Hobby-Psychologin Lucy, die wohl untrüglich der Motor für die Neurosen von Charlie ist, sowie dem Beethoven-verehrenden Schroeder, der nur schwer von seinem Kinderklavier zu trennen ist.

Auf diese Charaktere konzentrieren sich die farbigen 4-Panel-Strips, die einem bei trüben Regentagen, Sinnieren auf der Hundehütte oder bei Misserfolgen auf dem Spielfeld stets ein wohliges Grinsen ins Gesicht zaubern. Besonders erfreulich, dass auch Nebenfiguren wie die naturgelockte Frieda, Nachbarsjunge „5“ und der dauernd eine Dunstwolke hinter sich herziehende Pig Pen hier und dort auftauchen.

Fazit:

Eine überaus gelungene Zusammenstellung der beliebten „Peanuts“-Strips, die alles beinhalten, was diese Figuren so liebenswert und lebensnah macht. Der farbige Buchschnitt ist ein netter Bonus und hebt das querformatige Hardcover aus der Masse heraus. Für mich kein Muss, aber im Comic-Medium ist der Trend noch am passendsten aufgehoben. Insgesamt ein tolles, wie eine (Schmuse-)Decke wärmendes Buch, welches man gerne immer wieder aus dem Regal nimmt, um eine kurze Auszeit mit liebgewonnenen, vertrauten Charakteren zu genießen. So nennt man es wohl… „das Glück der kleinen Dinge“.

Snoopy und die Peanuts - Das Glück der kleinen Dinge

Charles M. Schulz, Charles M. Schulz, Carlsen

Snoopy und die Peanuts - Das Glück der kleinen Dinge

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