Shigeru Mizuki - Kriegsjahre

Erschienen: November 2020

Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Mizuki wechselt immer wieder von seinen persönlichen Erlebnissen als Soldat im Pazifikkrieg zu allgemeinen Hintergründen der japanischen Seite des Zweiten Weltkriegs. Dadurch wird das Persönliche in das Weltgeschehen integriert und andersrum. Das ist zeitweise etwas überfordernd, aber lehrreich.

Zeichnung

„Funny Comic“ trifft Fotorealismus: Mizuki schafft mit sehr unterschiedlichen Zeichenstilen eine neue Ebene des Erzählens. Während die Figuren karikaturesk sind und eher in Slapstick-Gefilde rutschen, sind seine Hintergründe und manche der Panels sehr detailreich und realistisch gezeichnet. So wird immer wieder klar, wie brutal und gleichzeitig absurd Krieg ist.

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Nina Pimentel Lechthoff
Einmal Krieg und zurück

Comic-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Mär 2021

Bewegte Lebensgeschichte

Shigeru Mizuki hat viel erlebt: Eine Kindheit voller Scharmützel mit den Nachbarskindern und Geistergeschichten; als Soldat in der tropischen Wildnis, kehrt er als einer von wenigen zurück; ein Leben unter prekären Verhältnissen in der Nachkriegszeit und endlich der Ruhm und die Anerkennung als großartiger Mangaka.

Und weil Mizuki so viel erlebt hat, erzählt er seine spannende Lebensgeschichte in seiner autobiografischen Manga-Trilogie. Der zweite Band „Kriegsjahre“ erzählt – Überraschung! – über seine Zeit als Soldat im Pazifikkrieg und wie er als kriegsversehrter Veteran im Japan der Nachkriegszeit (über-)lebt.

Der Manga fängt unvermittelt an und zeigt, wie sich Mizuki mit seinen Kameraden in Palau auf die Suche nach Schnecken macht, denn Lebensmittel sind auf dem Militärcamp knapp. Damit schließt „Kriegsjahre“ direkt an den Vorgänger „Kindheit und Jugend“ an. Auf den nächsten knapp 350 Seiten erzählt Mizuki von den schrecklichen Ereignissen, die er als Soldat während des Zweiten Weltkriegs erlebt hat – von Hunger und feindlichem Beschuss, aber auch von den Demütigungen und Schlägen, die er als kleiner, unbedeutender Soldat erleiden musste. Doch all das erzählt Mizuki mit so viel Humor, dass man sich dabei ertappt, wie man erschrocken anfängt zu lachen, nachdem Mizuki eine Tracht Prügel abbekommt, weil er mal wieder aus der Reihe tanzt.

Die letzten 130 Seiten beleuchten das Leben im Japan der Nachkriegszeit und wie Mizuki von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob wechselt, nur um sich dann endlich seinem Traum zu widmen: dem Zeichnen.

Aus dem Osten viel Neues

Obwohl die namensgebenden „Kriegsjahre“ zwei Jahre umfassen, machen sie im Manga ca. 2/3 der Erzählung aus. Dadurch bekommt man mit, wie zermürbend diese Jahre für den Autor gewesen sein müssen. In ständiger Angst vorm Feind und vor der Wildnis und dann noch nicht einmal im eigenen Camp vor seinen Vorgesetzten sicher zu sein. Dabei verwebt Mizuki seine eigenen Erfahrungen gekonnt mit allgemeinen Hintergründen zum Zweiten Weltkrieg und zum Pazifikkrieg. In der Schule habe ich damals viel über den Zweiten Weltkrieg gelernt, darüber hinaus habe ich immer wieder Bücher gelesen und Filme gesehen, die sich mit den Ereignissen damals befasst haben – aber immer aus einer westlichen/europäischen Perspektive. Dementsprechend habe ich viel Neues gelernt, wie der Zweite Weltkrieg auf der anderen Seite des Globus ausgesehen hat. Das ist zwar stellenweise etwas sehr viel Input und hat mich beim Lesen manchmal etwas überfordert, trotzdem finde ich es bemerkenswert, wie der Autor diese Seite des Zweiten Weltkriegs dem Leser gründlich und deutlich nahebringt.

Die zwei Seiten des Krieges

Auch wenn Mizuki viel über die Kriegsführung der japanischen Armee berichtet, verkommt sein Manga nie zum Kriegsepos. Denn Mizuki zeigt klar, dass er den Krieg für unmenschlich hält und unterstreicht seine Absurdität durch seinen Zeichenstil. Die Hintergründe der Panels – egal ob Urwald, der Schwarzmarkt in Tokio oder ein Militärschiff im Meer – sind beinahe fotorealistisch. Einige Panels wirken sogar so, als habe Mizuki Fotos abgepaust. Im Kontrast dazu sind die Figuren, die Mizuki zeichnet, sehr karikaturartig. Er selbst ist in seinen Zeichnungen ein moppeliger Typ mit rundem Kopf und dicken Brillengläsern. Und wenn er mal wieder ein paar Schläge einkassiert, sieht es Sterne während seinem verärgerten Vorgesetzten Rauch aus den Nasenlöchern kommt.

Die sehr karikaturesken Figuren nehmen den Ereignissen, die Mizuki erzählt, ein bisschen die Schärfe. So hat man auch das Gefühl, dass man diese Ereignisse tatsächlich durch die Augen des sehr schwarzhumorigen Autors sieht. Die Ausflüge in die übergeordneten Hintergründe rücken die Geschehnisse aber wieder in die „richtige“ Perspektive und führen einem wieder vor Augen, wie schamlos die obere Riege des Militärs das Leben der Soldaten aufs Spiel gesetzt hat und wie viele so sinnlos ihr Leben gelassen haben.

Fazit:

Seit ich „Tante NonNon“ von Shigeru Mizuki gelesen habe, bin ich ein großer Fan seiner Arbeit geworden. Seine autobiografische Manga-Trilogie – bzw. die Bände, die Reprodukt bisher herausgebracht hat – haben meine Begeisterung für seine Werke nochmals gesteigert. Auch wenn ich zeitweise mit den vielen Daten, Fakten und militärischen Schachzügen etwas überfordert war, habe ich „Kriegsjahre“ sehr intensiv verschlungen. Am meisten gefällt mir der Kontrast zwischen den fast fotorealistischen Hintergründen und die sehr karikaturesken Figuren, die deutlich Manga-hafte Gesichtsausdrücke haben.

Shigeru Mizuki - Kriegsjahre

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