Sentient - Kinder der K.I.

Erschienen: Januar 2021

Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Spannungsgeladen erzählt und mit minimalen Erklärungen: So gefällt mir eine Geschichte am liebsten. Man wird ins kalte Wasser geworfen und muss sich die Welt und das, was um einen herum passiert, nach und nach zusammenreimen. Am Anfang stehen so zwar viele Fragezeichen im Raum, diese werden aber im Laufe der Geschichte sehr gut in Ausrufezeichen verwandelt.

Zeichnung

Auf den ersten Blick passt der Stil so gar nicht zu Sci-Fi. Er benutzt viele Grün- und Brauntöne und die Wasserfarben verschwimmen in manchen Panels ineinander, was dem Raumschiff etwas dreckig erscheinen lässt. Seine Striche sind dick und die Figuren simpel, trotzdem sind sie ausdrucksstark. Leider scheinen sie sich immer anzuschreien, da Walta die Figuren meist mit offenem Mund zeichnet.

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Nina Pimentel Lechthoff
Meine Mama, der Roboter

Comic-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Apr 2021

Ein Schiff voller Kinder

Das Raumschiff U.S.S. Montgomery soll eine Gruppe Siedler in eine weit entfernte Kolonie bringen. Denn die Erde ist im Jahr 2105 nicht mehr bewohnbar. Kurz bevor das Schiff in die „Schwarze Zone“ dringt – ein Gebiet, das zu weit sowohl von der Erde als auch von der Kolonie entfernt ist und keine Kommunikation mehr möglich ist – gerät die Besatzung der U.S.S. Montgomery in Schwierigkeiten: Bei einem Separatistenanschlag kommen alle erwachsenen Bordmitglieder ums Leben, nur die Kinder – das älteste davon ist erst neun Jahre alt – haben überlebt. Doch sie sind nicht allein. Die künstliche Intelligenz Valarie muss dafür sorgen, dass die Kinder am Leben bleiben. Dabei wächst die K.I. über ihre Programmierung hinaus und wird zu einer Art Ersatzmutter für die Kinder an Bord der U.S.S. Montgomery.

Überlebenskampf im All

„Sentient – Kinder der K.I.“ ist eine bedrückende Lektüre. Die sehr jungen Kinder müssen nicht nur damit fertig werden, dass ihre Eltern auf brutalster Art und Weise ermordet wurden, sondern auch in der lebensfeindlichen Wirklichkeit des Alls zurechtkommen. Die Geschichte von Jeff Lemire entwickelt sich in Dialogen und kurzen Erzähltexten. Während die Dialoge die Geschichte im Hier und Jetzt verankern, ist der Erzähltext aus der Perspektive von Isaac, einem der älteren Kinder und Sohn der Attentäterin, geschrieben. Dadurch, dass er seine Geschichte in der Vergangenheitsform erzählt, weiß man, dass es den Kindern – oder zumindest ihm – gut geht. Trotzdem schafft Lemire es, die Spannung aufrechtzuerhalten. Denn in jeder Ecke lauern Gefahren.

Nicht nur der Überlebenskampf der Kinder ist spannend erzählt, die ganze Welt von „Sentient – Kinder der K.I.“ ist sehr interessant und wird sehr schön vermittelt. Es gibt keine langen Einführungstexte mit Informationen dazu, wieso weshalb warum die U.S.S. Montgomery unterwegs ist. Wo ist diese neue Kolonie? Warum ist die Erde nicht mehr bewohnbar? Wer sind diese Separatisten und was wollen sie? Die Fragen, die ich mir am Anfang des Comics gestellt haben, werden im Laufe der Geschichte geklärt. Das passiert aber nicht in ellenlangen Erklärungen, sondern immer innerhalb der Dialoge und der Geschehnisse. Dadurch fließt die Geschichte in gutem Tempo voran und ergibt ein in sich geschlossenes Gesamtbild.

Sci-Fi Rustikale

Die Bilder haben in „Sentient – Kinder der K.I.“ eindeutig die Hauptrolle, wenn es darum geht, die Geschichte zu erzählen. Wie gesagt: Der Text teilt sich in Dialoge und kurze Erzähltexte, wobei sich beide sehr in Grenzen halten. Es gibt sehr viele stille Panels, vor allem, wenn die Spannung sich aufbauscht. Es gibt eine Szene, in der Lilly eine verlassene Raffineriestation erkundschaftet. Da sie sich außerhalb des Kommunikationsradius der K.I. Valarie befindet, ist Lilly ganz auf sich alleine gestellt. Die unheimliche Umgebung und die Stille der Panels hat mich als Leserin so hart gepackt, dass ich am Ende des Kapitels erst einmal eine Verschnaufpause brauchte.

Gabriel Waltas Zeichenstil würde ich im ersten Moment nicht mit Science-Fiction assoziieren. Eigentlich erwartet man von einem Sci-Fi-Comic auf Hochglanz polierte Seiten und ganz viel Chrom und blinkende Lichter. Wenn man sich mit solchen Erwartungen an „Sentient – Kinder der K.I.“ macht, wird man bitter enttäuscht werden. Denn Waltas Zeichenstil ist sehr rustikal. Er verwendet Wasserfarben, sodass sich hier und da auch mal die Farben vermischen, was das Raumschiff etwas dreckig aussehen lässt. Seine Striche sind sehr dick und die Figuren sind sehr simpel gezeichnet. Trotzdem hat jedes Kind sehr charakteristische Merkmale und alle verfügen über sehr ausdrucksstarke Gesichter. Das Einzige, was mir bei seinen Figuren nicht so gefällt, sind die Münder. Wenn die Figuren sprechen, steht der Mund meist sehr weit offen, sodass es immer so wirkt, als würden sie sich anschreien.

Fazit:

„Sentient – Kinder der K.I.“ ist eine sehr interessant erzählte Sci-Fi-Geschichte. Der Überlebenskampf der Kinder in den großen Weiten des Weltraums und wie die K.I. Valarie zu einer Art Elternersatz wird, ist spannend erzählt. Alles, was man über die Welt und die Figuren wissen muss, wird innerhalb der Geschichte erzählt und man braucht nicht erst einmal lange Einführungstexte darüber lesen, was bisher geschah. Man wird an Bord der U.S.S. Montgomery geworfen und muss sich zurechtfinden. Der Zeichenstil von Gabriel Walta ist anders, als man von einem Sci-Fi-Comic erwarten würde. Seine dicken Striche und Wasserfarben tauchen das Ganze in etwas ruhigere, fast dreckige Töne. Nichts ist glattgebügelt und auf Hochglanz poliert, was aber sehr gut zur Geschichte passt.

Sentient - Kinder der K.I.

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