Von der Liebe zum Leben – und der schmerzhaften Gewissheit, dass es endlich ist
Cédric Sapin-Defour erzählt eine besondere Geschichte. Seine Geschichte. Und die eines ganz besonderen Hundes. Aber auch die weiterer Hunde und jener Menschen, die seinen Lebensweg prägen. Allen voran Mathilde, die schon bald an seiner Seite ist. Und während ich lese, wünsche ich mir, diese Geschichte möge einfach nicht aufhören. Obwohl – oder vielleicht gerade, weil – sie immer wieder schmerzt.
Mehr als eine Hundegeschichte
In sieben Kapiteln und aus unterschiedlichen Perspektiven begleiten in Sein Geruch nach dem Regen Cédric, Mathilde und den Berner Sennenhund Ubac durch einen Teil ihres gemeinsamen Lebens. Es geht um Liebe und Partnerschaft, um Freundschaft und Familie, um Entscheidungen und den Mut, den eigenen Weg zu gehen. Und natürlich um jene Vierbeiner, die irgendwann ganz selbstverständlich zu einem Teil unseres Lebens werden.
Wer selbst mit einem geliebten Tier zusammenlebt, wird sich vielen dieser Momente kaum entziehen können. Denn zwischen all dem Glück steckt immer auch die Gewissheit, dass unsere gemeinsame Zeit begrenzt ist. Gerade darin liegt die emotionale Kraft der Geschichte. Lebensbejahend und melancholisch zugleich erzählt sie nicht nur vom Verlust, sondern vor allem davon, was ihm vorausgeht: von all den Jahren, Erlebnissen und unscheinbaren Augenblicken, die ein gemeinsames Leben ausmachen. Das Ende bekommt seine Bedeutung erst durch die Fülle dessen, was vorher war. Und das Leben ist eben nicht immer schön. Abschied tut weh. Sein Geruch nach dem Regen versucht diesen Schmerz weder zu beschönigen noch künstlich zu dramatisieren.
Figuren, die wir uns Herz schließen
Dass die die Adaption des autobiografischen Romans von Cédric Sapin-Defour auch als Graphic Novel berührt, ist nicht zuletzt den Zeichnungen von José Luis Munuera zu verdanken. Sie sind lebendig, warm und stimmungsvoll koloriert. Munuera besitzt ein wunderbares Gespür für Nähe und lässt seinen Figuren zugleich genügend Raum, so dass wir sie schnell in Herz schließen. Eben auch will sie uns ihre Gefühlswelt so klar vermitteln - insbesondere der etwas verschlossene Cédric. Aber auch das befreundete alte Ehepaar, dessen Offenheit, Neugierde, Liebe und Humor uns ebenso zum Lächeln bringt, wie zu Tränen rührt.
Immer wieder hält Munuera die Erzählung scheinbar an. Panels werden größer, Worte verschwinden und ein Blick, eine Landschaft oder eine kleine Geste dürfen für sich stehen. Die Bergwelt ist dabei mehr als eine eindrucksvolle Kulisse. Hier ist Cédric verwurzelt, hier finden Mensch, Tier und Natur zusammen. Die Weite der Landschaft steht in einem reizvollen Gegensatz zur Intimität der Geschichte.
So stecken in den Bildern kleine Beobachtungen und Gedanken, aus denen sich jeder etwas Eigenes mitnehmen kann. Über das Glück des Augenblicks. Über bedeutsame Veränderungen. Über enge Verbundenheit. Und wir spüren auch zwischen den Zeilen und Panels, dass gerade die Endlichkeit den gemeinsam verbrachten Momenten ihren Wert verleiht. Wo wir dann wieder bei den Tränen wären.
Lesenswert ist auch das ausführliche Nachwort von Cédric Sapin-Defour, das nicht nur Munueras Arbeit würdigt, sondern uns nach der letzten Seite auch noch einmal zurückblicken lässt.
Fazit:
José Luis Munuera verwandelt Cédric Sapin-Defours autobiografische Geschichte in eine wunderschöne Graphic Novel voller Wärme, Melancholie und Lebensfreude. Sie erzählt aber auch von der schmerzhaften Gewissheit, dass gemeinsame Zeit endet – und davon, wie kostbar sie gerade deshalb ist. Natürlich trifft Sein Geruch nach dem Regen Hundemenschen entsprechend besonders und unmittelbar. Die Geschichte darauf zu reduzieren, würde ihr nicht gerecht. Sie handelt letztlich davon, wie wir leben wollen, welche Menschen und Tiere uns dabei begleiten und welche Spuren sie hinterlassen.

José Luis Munuera, José Luis Munuera, Splitter


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