Couch-Wertung

10
Story
Zeichnung

Story

Unaufgeregte Krimi-Kost für Fortgeschrittene, die mit genialem (und hervorragend funktionierendem) Twist überrascht. Eine absolute Empfehlung!

Zeichnung

Ein impressionistischer Leckerbissen! Zart, warm und teils zerbrechlich blass.

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Marcel Scharrenbroich
Mord… nach allen Regeln der Kunst

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Feb 2020

Trügerisches Idyll

Auf den ersten Blick schön, friedlich und durchaus inspirierend, doch hinter der offensichtlichen Postkarten-Scheinwelt von Giverny tun sich dunkle Schatten auf. Erst recht, als ein Mord die kleine Gemeinde erschüttert.

Im Zentrum stehen zwei Frauen und ein Mädchen. Die elfjährige Fanette Morelle weiß trotz ihres kindlichen Alters bereits, wie sie die Jungs um den Finger wickeln kann. Gesegnet mit künstlerischem Talent, strebt sie den Gewinn eines jährlich stattfindenden Malwettbewerbs an, an dem tausende Schulen teilnehmen. Heimlich trifft sie sich deshalb mit dem betagten Maler James, der sie in der freien Natur unterrichtet.

Stéphanie Dupain ist eine bildschöne Lehrerin an der Schule von Giverny. Die Junggesellen aus der gesamten Umgebung würden vor ihrer Tür Schlange stehen, wenn sie nicht bereits verheiratet wäre. Und ausgerechnet der eifersüchtigste Kerl der wahrscheinlich gesamten Normandie ist ihr Ehegatte… Jacques Dupain, ein Jäger mit großer Klappe und lockerem Finger.

Die dritte Dame im Bunde tritt als Erzählerin in Erscheinung. Sie gibt sich (noch) nicht namentlich zu erkennen, beschreibt sich aber selbst als „böse“. Die nach eigenen Aussagen über Achtzigjährige hält sich als stille Beobachterin im Hintergrund und betrachtet das Geschehen aus sicherer Entfernung von ihrem Anwesen. Sie ist es auch, die den Toten entdeckt… diesen Fund aber unbeeindruckt hinnimmt und… schweigt. Irgendjemand wird schon vorbeikommen und die Polizei informieren.

Und so ist es auch. Der Tote im Seerosenteich bleibt nicht lange verborgen und der junge Inspektor Laurenc Sérénac wird zusammen mit seinem Assistenten Sylvio Bénavides nach Giverny berufen. Bei der Leiche handelt es sich um den stadtbekannten Augenarzt und Kunstliebhaber Jérôme Morval. Trotzdem Morval verheiratet war, kein unbeschriebenes Blatt, wie die Ermittlungen bald zu Tage fördern. Zahlreiche Affären hatte der Schwerenöter auf dem Kerbholz. Etwa auch mit der hübschen Lehrerin Stéphanie? Dies wäre Laurenc Sérénac fast am liebsten, hat er doch selber ein Auge auf die Schönheit geworfen… und ihr eifersüchtiger Ehemann hätte passenderweise auch direkt ein logisches Motiv. Ganz so nah liegt die Lösung des Falls jedoch nicht… denn die ist tiefer verwurzelt als man sich vorzustellen vermag.

Auf den Spuren von Monet

Die malerische Gemeinde Giverny, gelegen in der Normandie, ist vor allem bei Kunstliebhabern beliebt. Nicht nur, dass es seit dem späten 19. Jahrhundert zahlreiche Maler in die ländliche Gegend zog. Giverny war seit 1883 auch die Heimat des impressionistischen Künstlers Claude Monet (1840 – 1926). Nachdem er durch die Welt reiste, um an den unterschiedlichsten Orten Motive in seinen Gemälden zu verewigen, kaufte er 1890 das Haus, das er bereits seit einigen Jahren bewohnte und begann, nach Zukäufen von verschiedenen Landstücken, seinen berühmten Ziergarten anzulegen. Nur wenige Jahre später erweiterte Monet die Blumenpracht um einen Wassergarten. Der dortige Seerosenteich war Motiv für zahlreiche seiner bekanntesten Werke. Haus und Garten können seit 1980 besichtigt werden und sind neben dem 2009 eröffneten Kunstmuseum Musée des impressionnismes Giverny auch heute noch die beliebtesten Sehenswürdigkeiten von Giverny. Bereits 1976 wurden Haus und Garten in das Zusatzverzeichnis der historischen Denkmale aufgenommen und auch das Grundstück wurde als Naturdenkmal deklariert.

Sanfter Impressionismus

Zuerst sei gesagt, dass „Schwarze Seerosen“ auf dem Roman „Nymphéas noirs“ des französischen Schriftstellers Michel Bussi basiert. Dieser wurde bislang nicht ins Deutsche übersetzt, womit die Graphic Novel-Adaption von Autor Fred Duval und Zeichner Didier Cassegrain eine Deutschland-Premiere des Stoffes darstellt. Auf der Rückseite des großformatigen Buches wird Bussi zitiert, der es nicht für möglich hielt, seine komplexe Geschichte in Bilder umzusetzen. Glücklicherweise beweisen die Macher, dass dies doch der Fall ist und Bussi beteuert, dass mit der Comic-Umsetzung ein Traum für ihn in Erfüllung gegangen sei.

Nicht nur für ihn, denn so genial, wie Wort und Bild hier ineinandergreifen, ist „Schwarze Seerosen“ ein wahrer Geniestreich. Bei gewieften oder Krimi-affinen Lesern wird vielleicht vor der finalen Auflösung schon ein Glöckchen läuten, was aber wohl nur in den seltensten Fällen passieren dürfte. Obwohl man als Leser lange im Dunkeln tappt, gibt es mehrere Kleinigkeiten, die aufhorchen lassen… was sich im Nachhinein natürlich leicht sagen lässt. Hier lohnt sich in jedem Fall ein zweiter Lese-Durchgang, da man „Schwarze Seerosen“ beim zweiten Mal mit gänzlich anderen Augen lesen UND sehen wird.

Zeichner (beziehungsweise „Maler“) Didier Cassegrain orientiert sich für die Darstellung der Handlung am impressionistischen Stil von Claude Monet. Vor allem farblich bewegen wir uns mit teils hauchzarten Tönen in dieser Stilrichtung. Was bei manch übereifrigen Künstler auch schnell mal in die Hose gehen kann, funktioniert hier glücklicherweise extrem gut. Mancher Gesichtsausdruck, sowie die recht eintönige Perspektive bei Nahaufnahmen, wirkt etwas uninspiriert, macht bei zweiter Überlegung jedoch wieder Sinn, wenn man sich die Panels als zweidimensionale Gemälde vorstellt. Dies wird wohl auch die Intention des Künstlers gewesen sein, da wir uns ja hier immerhin in Monet’schen Gefilden bewegen. Dieser Gedanke ist allerdings von viel Wohlwollen geprägt… vielleicht auch, weil ich einfach nichts Schlechtes an „Schwarze Seerosen“ finden MÖCHTE.

Fazit:

Eine verschachtelte Kriminalgeschichte, die den aufmerksamen Leser zwar fordert, aber nicht ÜBERfordert. Die Auflösung mit garantiertem „AHA!“-Effekt entschädigt voll und ganz für eventuelle Anstrengungen. Zudem ist „Schwarze Seerosen“ eine Verbeugung vor dem Schaffen von Claude Monet, die man mindestens ein zweites Mal genüsslich lesen und bestaunen kann.

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