Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Trotz fünfzehnjähriger Verspätung können die „Runaways“ nun endlich auch deutsche Leser begeistern. Coming-of-Age im Marvel-Universum… funktioniert prächtig und macht Laune!

Zeichnung

Abwechslungsreiche Perspektiven und gute Dynamik. Der „unfertige“ und plastische Stil passt zur Teenager-Story… auch, wenn es insgesamt kein optisches Highlight geworden ist. Der Zeichner-Wechsel in der Mitte fällt nicht negativ ins Gewicht.

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Marcel Scharrenbroich
„The Lost Boys“… and Girls

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Aug 2018

„Vielleicht lieber morgen“…

…mag man sich bei Panini eventuell gedacht haben und ließ die deutschen Leser lange auf die „Runaways“ warten. Die erste Serie der jungen „Ausreisser“ hat nämlich schon stramme 15 Jahre auf dem Buckel und wurde somit bereits 2003 von Marvel in den USA veröffentlicht. Der zur damaligen Zeit aufstrebende, junge Autor Brian K. Vaughan, der bereits einige Titel für Marvel, DC und deren Imprint Vertigo geschrieben hatte, feierte mit der postapokalyptischen Science Fiction-Reihe „Y: The Last Man“ schon große Erfolge und konnte auch mit seiner „Runaways“-Serie sein Publikum begeistern. So sehr, dass es ihm 2005 mit dem „Eisner Award“ gedankt wurde. Ein Jahr später, 2006, gesellte sich dann noch ein „Harvey Award“ hinzu. Mittlerweile ist Vaughan in ganz andere Sphären vorgedrungen und räumt mit seiner hochgelobten „Saga“ und der abgefahrenen Retro-Zeitreise-Story „Paper Girls“ die renommiertesten Auszeichnungen im Akkord ab. Seine „Runaways“ befinden sich auf dem amerikanischen Markt mittlerweile in Volume 5 und werden seit diesem Run von einem neuen Kreativ-Team geführt. Bis Volume 4 war Brian K. Vaughan der Reihe aber treu und es wäre wünschenswert, wenn wir deutschen Leser auch in den Genuss weiterer Abenteuer kämen. Dies wird der Panini Verlag wohl abhängig vom Erfolg von „Ausreisser“ machen, welcher nun erstmalig und komplett in einem Klopper von Comic erschien, mit dem man einen Hulk aus den Schuhen schlagen könnte… wenn er Schuhe tragen würde. Ein Megaband, der alle 18 US-Ausgaben auf über 430 Seiten beinhaltet. Was für ein Brocken!

„Superbad“ oder „Das darf man nur als Erwachsener“

Bis auf die Tatsache, dass die Teenager Alex, Karolina, Chase, Nico, Gertrude und Molly aus den besser gestellten Familien im kalifornischen Malibu stammen, haben sie eigentlich nicht viel gemeinsam. Obwohl sie sich seit dem Windelalter kennen, gehen ihre Interessen weit auseinander und auch an der High School geht jeder seiner eigenen Wege. Vom klassischen Nerd (Alex), dem veganen Engelchen (Karolina), über die muskulöse Sportskanone (Chase) und dem Goth-Girl (Nico), bis hin zum zynischen Bücherwurm (Gert) und dem unbedarften Nesthäkchen (Molly) ist jeder Charakter vertreten, in dem man sich als Leser wiederfinden könnte.

Das jährliche Wohltätigkeitstreffen ihrer Eltern führt die unterschiedlichen Kids dennoch jährlich zusammen. Man trifft sich bei einer der Familien, plaudert über langweiligen Spendenkram, stellt Schecks aus und beweihräuchert sich bei einem gepflegten Glas Champagner… und das Jahr für Jahr, während die Nachkommen abseits der Versammlung geparkt werden und sich gegenseitig nicht viel zu sagen haben. So läuft es ab… zumindest in den Vorstellungen der Jugendlichen. Die Wahrheit sieht aber ganz, ganz anders aus…

Auf dem Anwesen der Wilders, Alex‘ Eltern, ist das jährliche Treffen mal wieder im vollen Gange, während der Teenie-Trupp im Spielzimmer kollektiv Langeweile schiebt und die Uhr am liebsten ein paar Stunden vordrehen würde. Die lahme Stimmung wird aber jäh unterbrochen, als Alex mit der Idee um die Ecke kommt, die Eltern gemeinsam auszuspionieren. Auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken entdeckte er einen Geheimgang, den es nun zu erforschen gilt. Die Gruppe drängt sich motiviert durch die dunklen Gänge und wird im Schutze eines Einwegspiegels Zeuge eines Schauspiels, das ihr bisheriges Weltbild erschüttert…

Sie sehen ihre Eltern bei einer Art Zeremonie… und das auch noch zum Teil kostümiert! Wer oder WAS sind die? Superhelden??? Schön wär’s… denn schon bald betritt ein junges Mädchen den versteckten Versammlungsraum und wird bei einem Ritual heimtückisch ermordet… geopfert… aber warum und für WEN? Der grelle Schrei des Entsetzens, der Nico in Anbetracht der grausigen Handlungen ihre Eltern entfleucht, dringt auch an die Ohren der versammelten Erwachsenen und lässt diese misstrauisch ausschwärmen. Durch die Gänge der geheimen Katakomben flüchten die geschockten Teenager sich zurück in Alex‘ Spielzimmer, wo sie auch von dessen besorgter Mutter angetroffen werden, während sie sich zum Schein mit Gesellschaftsspielen vergnügen.

Das ging gerade noch mal gut… Doch wie sollen sich die Kinder von nun an gegenüber ihren Eltern verhalten? Eltern, die vor einer Stunde noch als Langweiler wahrgenommen wurden, dann kurzzeitig zu Superhelden befördert wurden und sich nur wenige Augenblicke später als SuperSCHURKEN enttarnten? Alex, Karolina, Chase, Nico, Gert und Molly müssen an einem Strang ziehen, um nicht aufzufallen. Was, wenn sie sich verdächtig machen und in den Fokus ihrer Eltern geraten? Dass diese nicht vor Mord zurückschrecken, konnte die Gruppe mit eigenen Augen sehen… und die langen Arme ihres Geheimbundes – namens „Pride“ – reichen weit bis in die örtlichen Behörden... und darüber hinaus. Vereint versuchen die „Runaways“ mehr über die Bewegründe ihrer zwielichtigen Erzeuger in Erfahrung zu bringen und lernen dabei, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie ursprünglich dachten. Außerdem lernen sie eine Menge über sich selbst… inklusive mysteriöser Fähigkeiten, die ihre vormals heile Welt nun komplett aus der Verankerung reißen.

„Breakfast Club“ oder „30 über Nacht“

Die Prämisse, dass die jugendlichen Charaktere mit der Zeit und an ihren Aufgaben reifen, ist tadellos umgesetzt und lässt die sich kontinuierlich steigernde Story zu keinem Zeitpunkt auf der Stelle treten. Vom ironisch-irreführenden Anfang bis zum furios-phantastischen Finale hat jede Figur eine spürbare Entwicklung durchgemacht. Die Kids müssen über ihre Schatten springen… ihr altes Leben hinter sich lassen… erwachsen werden, wider Willen. Ein Moment, der alles verändert und aus den unterschiedlichsten Charakteren, die es im normalen Leben kaum schaffen würden, mehr als eine Stunde im selben Raum zu sein, ohne aufeinander loszugehen, neue Menschen mit neuen Motiven formt. Aus der Not heraus entsteht langsam eine Gemeinschaft. Freundschaft. Sie verlassen ihre Familien und gründen ihre eigene… ganz wie Erwachsene.

Klar lässt sich der Reifeprozess beim Lesen erkennen, was sich durch die komprimierte Form des Megabands noch dichter anfühlt, als einzelne Heft-Ausgaben es vermitteln könnten. Also eine sehr gute Wahl von Panini, den kompletten Run als wuchtigen Wälzer zu veröffentlichen. Auf die Cover der US-Ausgaben muss man glücklicherweise trotzdem nicht verzichten. Diese sind in den Band integriert worden, was besonders aufgrund der tollen Artworks erfreut, die die Akteure eindrucksvoll in Aktion zeigen.

„Loser“ oder „Reality Bites“

Die deutsche Erstveröffentlichung von „Runaways“ erfolgte zeitgleich zum TV-Serienstart… was wohl nicht unter die Kategorie „glücklicher Zufall“ fällt. Man wird diesen VÖ-Termin wohl in weiser Voraussicht gewählt haben, um im Zug der Serien-Adaption mehr Leser auf den Titel aufmerksam zu machen… und bei Erfolg – mit etwas Glück – fortzusetzen. Ein Plan, der hoffentlich aufgeht, denn die Comic-„Runaways“ sind ihrem TV-Pendant mehr als nur eine Nasenlänge voraus.

Nicht, dass die – von Marvel Television für Hulu produzierte – Serie nicht empfehlenswert wäre, nein… jedoch nimmt man sich deutliche Freiheiten bei der Inszenierung raus, die die Serie im Gegensatz zum Comic zwar geerdeter erscheinen lassen, da beispielsweise auf die Kostümierung der Eltern verzichtet wurde, im gleichen Atemzug aber das Opfer-Ritual dermaßen verändert, dass einem die Haare zu Berge stehen. Auch bei den familiären Konstellationen (Molly) nahm man es nicht so genau und führte in der ersten Staffel – die schätzungsweise ein Drittel der Gesamtgeschichte ausmacht – Figuren ein, die im Comic überhaupt nicht auftauchen. Wohin die Reise mit der zweiten Staffel geht, wird sich spätestens Ende Dezember 2018 zeigen, dann geht es nämlich für die „Runaways“ in die nächste Runde. Obwohl die TV-Serie im Marvel Cinematic Universe (MCU) angesiedelt ist, gehe ich nicht davon aus, dass im Comic auftauchende Charaktere dort integriert werden. Mit der Rechtslage ist es ja immer so eine Sache… siehe Marvel/Disney vs. Sony… oder (ehemals) 20th Century Fox. Zwei Gastauftritte der Vorlage sind mittlerweile auch in ihrer eigenen Show zu sehen… und ein Crossover zwischen Hulu und dem amerikanischen Pay-TV Sender Freeform darf angezweifelt werden.

Die Comic-Variante, die sich deutlich besser in den Marvel-Kanon einfügt, ist also die empfehlenswertere Wahl und somit der TV-Serie, die allerdings mit gut gewählten Darstellern aufwartet und als TV-Snack gut unterhält, vorzuziehen. Einer muss ja den Kürzeren ziehen und wie so oft, ist es auch in diesem Fall die Adaption. Empfehlenswertere Marvel-Alternativen auf dem heimischen Bildschirm wären die Netflix-Produktionen „Daredevil“ und „Jessica Jones“, sowie das psychedelische Highlight „Legion“, welches im „X-Men“-Universum angesiedelt ist.

„Mit dir an meiner Seite“

Top-Autor Brian K. Vaughan, der hier schon frühe Coming-of-Age-Erfahrungen sammelte, die er Jahre später in der preisgekrönten „Paper Girls“-Reihe erneut aufgreifen sollte, bekam mit dem kanadischen Künstler Adrian Alphona einen Zeichner zur Seite gestellt, der seine Story actionreich und kreativ aufs Papier bringt. Allerdings ist sein Stil etwas zweidimensional und lässt Tiefe vermissen… was auch an dem fast gänzlichen Verzicht von Schattierungen liegen mag. So ergibt sich ein eher statisches Gesamtbild, welches sich in Anbetracht der Geschichte – rund um das „Wachsen“ und „Reifen“ – zwar passend anfühlt, das Auge jedoch nicht unbedingt verwöhnt. Alphona, der nach einer Comic-Auszeit 2013 ins Business zurückkehrte und seitdem die monatliche Reihe „Ms. Marvel“ künstlerisch betreut, übernimmt den Löwenanteil von Vaughans 18-teiliger Erzählung und wird nur für wenige Kapitel (#11+12) von Takeshi Miyazawa abgelöst. Die Arbeit des ebenfalls in Kanada geborenen Zeichners fügt sich weitestgehend gut ein und stößt nicht so sauer auf, wie es andere Zeichner-Wechsel innerhalb einer Reihe häufig tun. Manga-Einflüsse lässt Miyazawa zwar durchblicken, diese gestalten sich aber annehmbar dezent und zurückhaltend. Die Kolorierung ist im Großen und Ganzen gelungen und hält Abstand von knalligen Farben. So ergibt sich keine optische Reizüberflutung und die blasse Farbgebung gerät stimmig und angenehm.

„Der Volltreffer“ oder Fazit:

Eine sich kontinuierlich steigernde und wachsende Geschichte, die klassische Stereotype über sich hinauswachsen lässt. Das nachvollziehbare Handeln der jugendlichen Charaktere vermittelt Glaubwürdigkeit, trotz Superhelden-Thematik und der klassischen Formel „Gut-gegen-Böse“. Der Auftakt der „Runaways“ ist geglückt und zeigt, dass Autor Brian K. Vaughan auch in seinen frühen Werken schon sein erzählerisches Talent besaß, was sich auch in einigen Story-Twists zeigt. Die weiteren Abenteuer von Marvels hauseigenem „Breakfast Club“ würde ich liebend gerne lesen und drücke die Daumen, dass der Panini Verlag diese auch zeitnah auf den deutschsprachigen Markt bringt.

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