Rook: Exodus 1
- Skinless Crow
- Erschienen: August 2026
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Intergalaktische Zoowärter auf unwirtlichem Neuland
Rennen oder Kämpfen?
Um es kurz zu machen: beides. Hier wird viel gerannt und noch mehr gekämpft, denn der mittlerweile ziemlich uneinladende Planet „Exodus“ macht es seinen verbliebenen Bewohnern nicht leicht, die ausgiebige Natur bedächtig zu betrachten. Vielmehr ist hier das reinste Chaos ausgebrochen, nachdem das sogenannte „Weltentriebwerk“ den Geist aufgegeben hat. „Exo-“wer? „Welten-“was??? Genau… und deshalb folgt hier ein kleiner Exodus“-Exklusiv-Exkurs in extrem abgespeckter Expertise:
Die Erde war – wie fast immer – am Arsch. Also so RICHTIG. So sehr, dass Erdbeben, Flächenbrände und reißende Flutwellen sie unbewohnbar machten. Die Kontinente brachen, befeuert durch Aufstände, regelrecht auseinander. So richtig ernst wurde es im Jahr 2148. Vier Jahre später kaufte die Better-World-Corporation einen Planeten im entfernten Kepler-System, den sie „Exodus“ tauften. 2159 wurde damit begonnen, „Exodus“ zu besiedeln. Der Planet wurde terraformiert, also erdähnlich angepasst. Und die Firma kontrollierte ALLES. Angefangen von der Luft, dem Wasser bis hin zur Tierwelt. 2163 verlor ein Mann namens Rook auf der Erde alles, was seine Familie über Generationen aufgebaut hatte. Die Farm, die er mit seinem Vater betrieb, ging in Flammen auf. Rook meldete sich freiwillig und wurde per One-Way-Ticket nach „Exodus“ geschickt, wo er als „Wärter“ für Better-World arbeitete. Die „Wärter“ kontrollierten mit Hilfe bestimmter Helme unterschiedliche Tierarten. Bei Rook waren es Vögel, mit denen er sich verbinden konnte. 2170 hörte das „Weltentriebwerk“, welches die künstliche Welt im Gleichgewicht hielt, auf zu arbeiten. So drohte auch diese Welt über kurz oder lang zu zerbrechen. Nur ein Jahr später begann man mit der Evakuierung. Zuerst die Reichen und Mächtigen, wie es eigentlich IMMER der Fall ist. Zurück blieben die einfachen Arbeiter und Siedler. Angeblich wollte sich Better-World auch um diese Menschen kümmern… doch mit der Zeit schwand die Hoffnung auf Hilfe.
Nun schreiben wir das Jahr 2173: Rook und ein überschaubarer Kreis aus weiteren „Wärtern“, darunter sein bester Freund Swine und seine frühere Ausbilderin Dire Wolf, kämpfen weiterhin täglich ums Überleben auf dem vor sich hin marodierenden Planeten. Seit die Maschine die Tierwelt nicht mehr kontrolliert, sind Raubtiere von gewohnter Größe regelrecht mutiert. Gefahr lauert hinter jedem Busch…, falls man überhaupt noch einen findet. Das Gleichgewicht hat „Exodus“ verlassen, ebenso, wie die Chance auf ein längerfristiges Dasein auf der Planetenoberfläche für Rook und seine Verbündeten schwindet. Seen trocknen aus, was die Suche nach Nahrung zusätzlich erschwert. Mit der Hilfe von Swine, der mit seinem Helm die Wildschwein-Population kontrolliert, ist es Rook gelungen, bereits einige wichtige Teile für den Bau einer Fluchtmöglichkeit zu bergen. Er werkelt nämlich an einer Rakete, mit der er „Exodus“ verlassen will. Dummerweise wird ihm da ein dicker Strich durch die Rechnung gemacht. Quasi aus dem Nichts ist nämlich ein weiterer Masken-Träger aufgetaucht, der riesige Bären im Schlepptau hat. Der übergroße, bullige Geselle nennt sich Ursaw und hat sich auf die Fahne geschrieben, sämtliche „Wärter“ auszuradieren und deren Masken in Besitz zu bringen. Seine Motive sind noch unklar, doch für Rook wird die Luft zunehmend dünn.
Düstere Survival-Action
Nachdem sich ein weiter Teil der Geschichte mit der Exkursion beschäftigt und diese neue Welt erstmal ausführlich in Wort und Bild erklärt werden will, geht es spätestens dann Schlag auf Schlag, wenn die personifizierte Bedrohung in Form von Ursaw das Tableau betritt. Zeichner Jason Fabok („Batman Eternal“, „Detective Comics“, „The Man of Steel“) kann hier auf seine Superhelden-Erfahrungen bei DC zurückgreifen und weiß deshalb, wie man Action gekonnt einladend darstellt. Das sieht verdammt gut aus, macht es Lesern aber gerade in hektischen Szenen nicht einfach, die Übersicht zu behalten. Das liegt zum einen an den doch sehr düsteren Farben, die wir Brad Anderson verdanken. Eine insgesamt erdige Palette, höchstens durch Feuer oder gelegentliche Explosionen aufgehellt. Zum anderen gehen die Charaktere, die sich durch ihre Masken doch allesamt ziemlich ähneln, oft in der Umgebung unter. Autor Geoff Johns, bekannt durch „Justice Society of America“, „The Flash“ und zahlreiche „Green Lantern“-Titel, wollte für dieses creator-owned-Projekt offensichtlich auf bunte Kostüme verzichten, mit denen sich die Figuren von bekannt-markanten Superhelden-Outfits abheben. Dennoch finden wir Parallelen zu Serien wie „G.I. Joe“ oder „M.A.S.K.“, was jetzt per se kein Beinbruch ist.
Insgesamt ein solider Auftakt, obwohl ich die überschwängliche Begeisterung vom US-Publikum noch nicht ganz teilen kann. Dort ist man uns natürlich schon einige Ausgaben voraus, denn im vorliegenden ersten Sammelband von SKINLESS CROW sind lediglich die ersten sechs Hefte vorhanden. Inhaltlich der einleitende Story-Arc. Gesetz der Serie, endet der Band somit natürlich mit einem Cliffhanger, der mich zumindest interessiert zurücklässt.
Hilfreich ist, dass uns im Anhang – neben einer Cover-Galerie – noch Porträts der Hauptfiguren zur Verfügung stehen. Somit erfahren wir noch mehr über Rook, Dire Wolf & Co., sowie die „Wärter“-Helme und das von der Better-World-Corporation entwickelte Wildlife Grid, durch welches die Helme miteinander verbunden sind. Zum guten Schluss gewährt uns Jason Fabok noch einen Blick hinter die Kulissen und lässt uns an der Entwicklung der Figuren teilhaben.
Fazit:
Nach dem starken Start von „Hyde Street“, einem weiteren Titel aus dem Shared-Universe „Ghost Machine“ des IMAGE Verlags, legt SKINLESS CROW mit der gefeierten Sci-Fi-Action „Rook: Exodus“ für den deutschsprachigen Markt nach. Mit Begeisterungsstürmen halte ich mich noch vorsichtig zurück, da neben einer interessanten Grundidee doch sehr viel Standard geboten wird, werde die Entwicklung der Reihe aber definitiv weiter beobachten.

Geoff Johns, Jason Fabok, Skinless Crow

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