Couch-Wertung

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Story
Zeichnung

Story

Die Welt, die Marc-Uwe Kling erschafft, ist gleichzeitig saukomisch und unfassbar düster. Seine Gesellschaftskritik und -satire ist manchmal äußerst subtil, manchmal kommt sie aber daher wie eine Dampfwalze. Dieses Hin und Her finde ich sehr witzig.

Zeichnung

Zachary Tallents Zeichnungen spiegeln sehr gut den Humor der Textvorlage und schaffen mit einem Touch von Manga-Ästhetik sehr dynamische Bilder. Mir fehlt aber das Worldbuilding auf der Bildebene, da man fast im gesamten Comic nur die Figuren vor farbigem Hintergrund zu sehen bekommt.

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Nina Pimentel Lechthoff
Willkommen in QualityLand

Comic-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Jul 2020

Guten Tag, Peter Arbeitsloser

Was passiert, wenn Unternehmensberater dafür angeheuert werden, eine Gesellschaft zu optimieren? Ein mögliches Szenario bietet Marc-Uwe Kling in seinem Roman QualityLand. In dieser Welt ist alles von Algorithmen optimiert: Freizeit, Arbeit, sogar Beziehungen werden von einem Computerprogramm bestimmt. TheShop weiß immer, was du im Augenblick brauchst, QualityPartner findet deinen Seelenverwandten, sogar die Regierung soll von nun an von einem Roboter geleitet werden.

In dieser Welt lebt Peter Arbeitsloser. Nachnamen wurden in QualityLand abgeschafft, denn welcher Hightech-Investor will schon in ein Land voller Müllers, Schneiders oder Wagners investieren? Deswegen tragen Jungs den Beruf des Vaters, die Mädchen den Beruf der Mutter als Nachname. Dabei ist entscheidend, welcher Job bei der Zeugung des Kindes ausgeübt wurde. Allein schon sein Nachname ist für Peter eine Hürde, sein Job als Schrotthändler macht sein Leben aber auch nicht einfacher. Aber dafür hat er ein Hobby, das ihn erfüllt: Er gibt zu verschrottenden Maschinen ein Zuhause auf Zeit. Als er eines Tages eine ungewollte Lieferung bekommt, gerät sein Leben komplett aus den Fugen.

Auf der anderen Seite des gesellschaftlichen Spektrums steht Martyn Aufsichtsrat-Stiftungspräsident-Berater-im-Präsidialamt-Vorstand. Er ist Politiker und gehört der Fortschrittspartei an. Seine Partei beschließt, einen Roboter in den Wahlkampf zu schicken. Dass der Androide aber tatsächlich für die Menschen arbeiten will, hatte aber wohl keiner auf dem Zettel.

Dystopie trifft auf Humor

Die Welt von QualityLand ist meiner Meinung nach ganz klar eine Dystopie. In einer Welt, in der Algorithmen über das Leben aller Menschen herrscht und die Gesellschaft nach Marketingprinzipien „verbessert“ wird, möchte ich definitiv nicht leben. Der Autor Marc-Uwe Kling schafft es aber sehr schön aufzuzeigen, wie sehr unsere moderne Gesellschaft sich problemlos in Richtung QualityLand weiterentwickeln könnte. Dabei schafft er es, mit seinem beißenden Humor nicht nur eine Riege an unsympathischen Figuren zu schaffen, sondern auch eine teils subtile, teils sehr offensichtliche Satire unserer Welt.

Bunt, schrill, ulkig

Der Stil von Zeichner Zachary Tallent passt wie die Faust aufs Auge. Die Panels sind sehr bunt und die Figuren sind sehr markant gezeichnet. Man erkennt direkt, wer wer ist. Das ist bei solch einem Comic wie QualityLand unglaublich wichtig, da es sehr viele Figuren gibt. Von diesen wiederrum werden nur sehr wenige richtig vorgestellt. Jede Figur hat eine eigene Körperform und ein sehr distinktives Gesicht. Der Protagonist Peter beispielsweise einen Dreitagebart, ein Muttermal unter dem Auge und von der einen Augenbraue fehlt ein kleines Stück. Martyn hingegen ist ein fülligerer Typ mit einem markanten Kinn. Allein die Darstellung der beiden lässt erahnen, dass sie zwei vollkommen unterschiedliche Menschen sind – wie sehr, das wird im Laufe der Geschichte immer deutlicher.

Mir hat außerdem der kleine Touch Manga sehr gut gefallen. Denn an vielen Stellen wechselt der eigentlich sehr „klassische“ Stil von Tallent ins Klamaukige. Da werden Augen übergroß dargestellt, der einen Figur stehen überdimensional Schweißperlen auf der Stirn oder die andere verwandelt sich innerhalb eines Panels zur Karikatur einer wütenden Frau. Das alles passiert schnell und ist auch wieder schnell vorbei, was dem Comic eine sehr schnelle Dynamik verleiht. Dadurch werden die lustigen Textpassagen von dem Zeichenstil nicht nur begleitet, sondern heben den Humor noch weiter hervor.

Bild follows Text

Schade finde ich nur, dass sehr wenig mit Hintergründen gearbeitet wird. Das Cover zeigt, wie Peter sich an eine Drohne klammert und durch QualityLand fliegt. Dabei sieht man verschiedene Werbeplakate, Menschen laufen als kleine Striche herum und am Rand sieht man auf der Autobahn nur noch die Lichter der vorbeirasenden Autos. Dieses Bild lässt sofort eine Welt in meinem Kopf entstehen, ohne dass ich nur eine Seite vom Comic gelesen habe. Das ist leider in weiten Teilen von QualityLand nicht mehr gegeben. Die Seiten sind alle relativ ähnlich gestaltet: mehrere Panels nebeneinander, in denen die Figuren im Vordergrund stehen und der Hintergrund ist in einer Farbe getaucht. Das geschriebene Wort steht hier ganz klar im Fokus, die Bilder helfen nur dabei, den Humor zu unterstreichen.

Dass das aber auch anders hätte sein können, wird an den Werbeunterbrechungen zwischendurch gezeigt. Zwischen den einzelnen Kapiteln gibt es immer wieder einseitige „Werbeanzeigen“ für verschiedene Produkte, die man in QualityLand kaufen kann. Diese gehen von Essen über Partnerbörsen bis hin zu Sprachassistenten, die man sich ins Ohr pflanzen kann. Diese tragen sehr viel zum Worldbuilding bei, sie schaffen es fast im Alleingang, mir die Welt von QualityLand näherzubringen.

Fazit:

Dafür, dass QualityLand eine komplett neue Welt erschafft, sieht man diese nur sehr oberflächlich, zumindest was die Bilder angeht. Es wird einem viel erzählt und wenig gezeigt. Dass mehr Potential im bildlichen Worldbuilding steckt, zeigen die „Werbeanzeigen“ und das Cover von QualityLand Band 1.1. Dafür sind die Figuren sehr prägnant gezeichnet und Zachary Tallent schafft es sehr gut, den Humor von der Text- auf die Bildebene zu übertragen. Dafür, dass die Figuren überhaupt nicht sympathisch sind, fiebert man doch sehr viel mit ihnen mit. Und der Cliffhanger, mit dem Band 1.1 endet, machen doch Lust auf den nächsten Band.

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