Predator: Jäger

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Marcel Scharrenbroich
7101

Comic-Couch Rezension vonDez 2018

Story

Man erfindet das Rad nicht neu und bekommt das, was man von einem „Predator“-Comic erwarten darf. Handfeste Action mit gemächlichem Aufbau, die in der zweiten Hälfte aber ordentlich aufs Pedal tritt.

Zeichnung

Stimmig und dynamisch, mit kleinen Abstrichen bei den Proportionen der Akteure. Durchaus actionreich inszeniert mit einigen Schauwerten und passender Kolorierung.

SO funktioniert ein „Upgrade“!

„Du bist so… abgrundtief hässlich.“

Nach dem vom Schweizer Künstler H. R. Giger (1940-2014) designten „Alien“, welches 1979 Angst und Schrecken auf den Kinoleinwänden verbreitete und gerne dem Regisseur Ridley Scott zugeschrieben wird (wohl am liebsten von ihm selbst… obwohl es sich nur um eine Auftragsarbeit handelte und Mr. Scott die Titelheldin Ellen Ripley bereits am Ende des Films über die Klinge springen lassen wollte und nur der drohende Rauswurf seitens des Studios ein vorzeitiges Ende des langlebigen Franchises verhinderte) erblickte 1987 ein weiterer intergalaktischer Vertreter der böseren Art das Licht der Welt. Eine monströse, außerirdische Rasse von Trophäen-Jägern, die unseren Planeten bereits seit ewigen Jahren als ausgedehnten Spielplatz für ihre blutige Hatz nutzen und sich im tropischen, stickigen Klima besonders wohlfühlen. Solch ein „Predator“ („Jäger“; Anm. des klugsch. Red.) vertreibt sich seine Zeit auch im tiefsten Dschungel Mittelamerikas und trifft dort auf die Ein-Mann-Armee Arnold „Eil bi bäck“ Schwarzenegger. Ohne dass der „Terminator“ persönlich es nötig hätte, hat er noch einen verwegenen Haufen Söldner im Schlepptau, welcher mit zunehmender Laufzeit beträchtlich dezimiert wird, sodass es auf eine Auge-in-Auge-Konfrontation zwischen Arnie und Predi hinausläuft. Der erste Söldner, dem die Pelle über die Ohren gezogen wird, ist übrigens Schauspieler Shane Black… der Regisseur von „Iron Man 3“ (sehenswert!), „Kiss Kiss Bang Bang“ (sehr sehenswert!), „The Nice Guys“ (sehr, sehr sehenswert!) und dem diesjährigen Ableger „Predator: Upgrade“ (mal so gar nicht sehenswert!). Beinahe wäre es am Set zu „Predator“ auch zu einem ersten filmischen Aufeinandertreffen von Schwarzenegger und dem ehemaligen Action-Star der A-Liga Jean-Claude Van Damme gekommen, der sich seit Jahren nur noch durch B-Klopper prügelt, die kostengünstig in Osteuropa am Fließband runtergenudelt werden. Der Belgier mit dem markanten Spagat sollte nämlich ursprünglich in die Gummi-Haut des außerirdischen Killers schlüpfen, wurde dann aber durch den 2,20 Meter-Darsteller Kevin Peter Hall (1955-1991; „Misfits of Science – Die Spezialisten unterwegs“) ersetzt, welcher auch in der Fortsetzung von 1990 noch mal auf die Jagd ging.

Stephen Hopkins‘ „Predator 2“ ging dann auch genau den richtigen Weg und führte die Handlung konsequent weiter, ohne wie ein Abklatsch des Originals zu wirken. Vom realen Dschungel wurde der Schauplatz in den vor Hitze triefenden Großstadt-Dschungel von Los Angeles verlegt, in dem das Chaos regiert und Drogendealer die Oberhand haben. Genau das richtige Jagdgebiet für den „Predator“. Als überforderter Detective Mike Harrigan versucht Danny Glover noch eine Reihe blutiger Morde aufzuklären, die die bleihaltige Luft zusätzlich aufheizen. Die Wege von Harrigan und dem außerirdischen Jäger kreuzen sich unweigerlich und es wird geschickt auf den Vorgänger verwiesen, bevor es zum atemlosen Finale führt. Aus persönlicher Sicht ist „Predator 2“ der beste Vertreter der gesamten Reihe und legte zudem den Grundstein für das filmische Aufeinandertreffen der beiden Franchise-Giganten „Alien“ und „Predator“… obwohl diese bereits zuvor erfolgreich in Comics aufeinandertrafen. Ähnlich verhielt es sich auch mit „RoboCop“ und „Terminator“, die ebenfalls durch Dark Horse Comics in eine gemeinsame Handlung geworfen wurden. Eine Aufzählung aller Crossover würde aber den eh schon ausgedehnten Rahmen sprengen, da sich auch Judge Dredd, Superman und Batman mehrfach mit den Film-Monstern herumprügeln durften. Bei der finalen Konfrontation zwischen Harrigan und dem Predator – auf dessen Schiff – ist im Trophäenschrank des Jägers jedenfalls ein Alien-Schädel zu sehen. Ein Insider-Gag, der dem Studio Fox – und vor allem den Fans – wohl sehr gefiel, obwohl es noch 14 Jahre, weitere gemeinsame Comic-Auftritte und mehrere Videospiele dauern sollte, bis die Kontrahenten gemeinsam auf der Leinwand auftauchen sollten.

2004 und 2007 sorgten die außerirdischen Kontrahenten in „Alien vs. Predator“ und „Aliens vs. Predator: Requiem“ für mächtig Rabatz und ließen reichlich grünes bzw. säurehaltiges Blut über die Leinwände spritzen. Über ein „ganz nett“ kommen aber beide Produktionen nicht hinaus und müssen sich ihren Comic- und Games-Vorlagen deutlich geschlagen geben. Vor allem das zweite Aufeinandertreffen enttäuschte, was dem konstant dunklen Bild geschuldet war, das es dem Zuschauer unnötig schwer machte, dem hektischen Treiben zu folgen.

Nach Ausflügen in die Arktis und die verschlafene US-Kleinstadt führte Regisseur Nimród Antal die „Predators“ 2010 wieder auf Solo-Pfaden ins Jagdgebiet. Ähnlich wie in John McTiernans Original haben wir es hier mit einem zusammengewürfelten Trupp zu tun, der sich der intergalaktischen Bedrohung entgegenstellen muss. Angeführt von Charakter-Darsteller Adrien Brody - der zwar ein sehr guter Schauspieler ist, allerdings einsehen sollte, dass aufgepumpte Muckis durch übermäßiges Bankdrücken und jonglieren mit 50 Kilo-Hanteln noch keinen guten Action-Star ausmachen – befindet sich der Haufen mitten in der Wildnis und niemand kann sich erklären, wie zur Hölle er dort hingekommen ist. Diesmal ist es aber kein tropischer Urwald oder der Dschungel in Südamerika… diesmal ist es Predator-Gebiet. Was sich erstmal gar nicht so uninteressant anhört und erst recht aufhorchen lässt, da Robert Rodriguez – seines Zeichens Regisseur von „From Dusk till Dawn“, „Desperado“ und „Sin City“ – als Produzent die Fäden zieht und nicht gerade dafür bekannt ist, in seinen Produktionen zimperlich zu sein, was die Gewaltdarstellung angeht und somit den Franchise-Fans die Vorfreude ins Gesicht klatscht… Tja, zimperlich war „Predators“ wirklich nicht, dafür aber auch nicht wirklich gut und spätestens wenn Laurence Fishburne knurrend die Bühne betritt, ist die dünne Luft gänzlich raus. Satz mit X.

Lange galt „Predators“ als inhaltliches Schlusslicht der gesamten Reihe, was eigentlich auch stimmte… allerdings kannte da auch noch niemand „Predator: Upgrade“. Allein der deutsche Titel lässt mich schon wieder im Kreis rotieren! Heißt der Bums im Original noch „The Predator“ muss es bei uns natürlich noch eine Steigerung sein. Warum nicht gleich noch ein trendiges „Reloaded“ oder „2.0“ anhängen? Und bewerben mit dem Zusatz „vong Regisseur von Iron Man 3 !1!!11!“. Ne, Leute… das erhoffte „Upgrade“ war in allen Belangen „verbuggt“ bis hintengegen. Idealerweise belässt man es bei den ersten beiden Solo-Filmen des Alien-Jägers, oder… man liest einfach die Comics!

„Wenn es blutet, können wir es töten.“

Martialischer und ohne unnötigen Technik-Schnickschnack – quasi „entupgradet“ - kommen die Predatoren in Cross Cults aktueller Comic-Veröffentlichung „Predator: Jäger“ aus. Hier wird noch ordentlich per Hand gehäutet, wie es sich für eine stolze Rasse von Jägern und Sammlern auch gehört! SO!

Die Story startet in eindrucksvollen Bildern gleich mit einer gepflegten Menschenjagd durch den Dschungel. Das kennen wir, das finden wir gut. Hier wird direkt klargemacht, wer der Chef im Ring ist und dass man einen Predator auf Safari nicht zum Tänzchen bitten sollte. Kurzer Prozess, zack feddich!

Anderenorts ist Jaya Soames mit ihren beiden Partnern Tyler Swain und Raphael Herrera unterwegs, um Enoch Nakai für ihr Team zu rekrutieren. Nakai überlebte einst die Begegnung mit einem Predator und mehr noch, konnte er diesen sogar zur Strecke bringen. Auch die anderen Mitglieder durften schon Bekanntschaft mit den Monstern machen und so individuelle Erfahrungen sammeln. Eine Gemeinsamkeit, die das gesamte Team verbindet und dafür qualifiziert, den blutigen Spieß umzudrehen und den Jäger zum Gejagten zu machen. Von Soames erfährt Nakai, dass die Hatz auf die Predatoren so etwas wie eine Familien-Tradition geworden ist. Bereits ihr Urgroßvater stellte im London des späten 19. Jahrhunderts seinen ersten Predator und auch im Dienst des indischen Maharadschas machte er ordentlich Beute. Abgerundet wird das Team durch Mandy Graves, die bei ihrer Begegnung mit einem Predator ein schwere Deformation der Hand davontrug.

Soares liegen scheinbar konkrete Informationen über den Aufenthaltsort eines Außerirdischen vor, da einer der anfänglich durch den Dschungel verfolgten Männer die Attacke überlebt hat… zumindest so lange, bis er die nötigen Informationen weiterleiten konnte. Das waffentechnisch bestens ausgestattete Team macht sich auf die weite Reise zu einer abgelegenen Inselgruppe, um die Bedrohung zu eliminieren. Jedoch lässt sich ein gestandener Predator nicht zu einer leichten Beute machen. Schon gar nicht in SEINEM Territorium. Die blutige Jagd ist eröffnet.

„Was zum Teufel bist du?“

Autor Chris Warner nimmt sich die nötige Zeit, um seine Geschichte ins Rollen zu bringen. Die Rückblenden der Team-Mitglieder sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt und man als Leser auch zwischenzeitlich mit reichlich Action verwöhnt wird, bevor es in der zweiten Hälfte ans Eingemachte geht. Trotz der Hintergrundbeleuchtung der Charaktere bleiben diese ziemlich eindimensional. Kein Beinbruch, denn bei den Filmen stand auch nicht unbedingt die Tiefe der Figuren im Vordergrund. Ich wage mal zu behaupten, dass jemand, der einen Comic mit dem überdimensionalen Schriftzug „PREDATOR“ aus dem Regal zieht, keine Charakterstudie erwartet und das möchte, wofür die Reihe vordergründlich steht: Sci-Fi-Action der härteren Gangart mit ordentlich WUMMS! Zu weiten Teilen gelingt dies auch, jedoch sollte man keine Schlachtplatte à la „Crossed“ erwarten.

Das ganze wurde optisch hervorragend vom mexikanischen Zeichner Francisco Ruiz Velasco umgesetzt. Perspektiven und Panel-Aufteilung sind äußerst abwechslungsreich geraten und führen gut und übersichtlich durch die Handlung. Seine Charaktere sind detailliert und lebendig, leiden jedoch in wenigen Ausnahmen an einer Art Proportions-Problematik, die die ansonsten schnörkellose Action in manchen Panels ungelenk erscheinen lässt. Die gelungene Kolorierung trägt zur Atmosphäre bei und besticht durch satte Farben, die sich der Umgebung anpassen.

Fazit:

Allein durch seine markante Aufmachung ist „Predator: Jäger“ schon ein echter Hingucker. Die übergroßen, leuchtenden Neon-Buchstaben – in Spotlack-Veredelung – dominieren das ansonsten matte Cover des Paperbacks und fallen sofort ins Auge. Qualitativ lässt Cross Cult mit dieser Mini-Serie, in der alle fünf US-Ausgaben von „Predator: Hunters“ enthalten sind, keine Wünsche offen und liefert spannende und actionreiche Unterhaltung, die die aktuelle Verfilmung nicht ansatzweise erreichen konnte. Hier haben die Comic-Predatoren eindeutig die Nase vorn… wenn man das „Nase“ nennen kann.

Predator: Jäger

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