Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Zeitreise-Story mit Tiefgang… und all ihren bekannten Risiken und Tücken. Intelligent, spannend und bewegend.

Zeichnung

Monotone Charakterzeichnungen und schrille Farben. Eine Kombination, die nur bedingt überzeugen kann.

Leser-Wertung

-
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Marcel Scharrenbroich
Fluxkompensator ist soooo 80er…

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Mär 2018

Grundgütiger!

2012. Jack Barlow und seine Lebensgefährtin Patience sind gesellschaftliche Außenseiter, doch das stört das junge Paar nicht. Trotz Geldsorgen sind sie glücklich miteinander. Sie scheinen füreinander bestimmt und die freudige Erkenntnis von Patience‘ Schwangerschaft soll das kleine Glück perfekt machen. Doch die erste Freude währt nicht lange… Als Jack eines Tages nach Hause kommt, findet er seine große Liebe tot in der gemeinsamen Wohnung auf. Ermordet. Seine Patience… sein ungeborenes Kind… alles bricht mit einem Schlag über Jack zusammen. Sofort wird er als Tatverdächtiger festgenommen. Die Geldprobleme und die Unterstellung, er habe durch die Schwangerschaft kalte Füße bekommen, reichen den Beamten aus, um Jack in den Bau zu schicken. Erst nach 13 langen Monaten in Haft tauchen Beweise auf, die zu seiner Freilassung führen. DNA-Spuren und Fasern, die nicht zu seinen passen und ihn somit entlasten. Doch damit ist Jack wenig geholfen. Allein und desillusioniert macht er sich auf eigene Faust auf die Suche nach Patience‘ Mörder.

1.21 Gigawatt???

2029. Noch immer hat Jack den tragischen Verlust seiner Partnerin nicht überwunden. Von einer (blauhäutigen?) Prostituierten erfährt er von einem Mann namens Bernie, der angeblich an einer Zeitmaschine tüftelt, um das Ableben seiner verstorbenen Mutter zu verhindern. Dieser ist auch schnell ausfindig gemacht. Mit Hilfe eines Serums gelingt es Jack tatsächlich in die Vergangenheit zu reisen… doch jeder, der schon mal „Zurück in die Zukunft“, „Butterfly Effect“, „Donnie Darko“ oder thematisch ähnlich angesiedelte Filme gesehen hat, wird wissen, dass jede noch so kleine Veränderung verheerende Ausmaße annehmen kann. Jeder… nur nicht der gute Jack Barlow.

Im Jahr 2006 waren Patience und Jack noch kein Paar und sowohl der Leser, als auch der ergraute Zeitreisende, lernen eine junge Frau kennen, deren tragische Erlebnisse bisher ungeahnt blieben. Die labile Patience leidet unter Missbrauch, Erniedrigungen und Demütigungen. Dunkle Geheimnisse aus ihrem Leben offenbaren sich Jack hier zum ersten Mal. Nie sprach sie über die Ereignisse, die sie prägten… und nun… nun bleibt ihm nichts anderes übrig, als tatenlos zuzuschauen. Nein… Jack ist ein Mann der Tat. Nicht der Klügste, aber ein Mann der Tat. Er greift ein und verändert den Lauf der Geschehnisse. Dieses Eingreifen zwingt Jack zur überhasteten Flucht. Zur Flucht durch die Zeit…

Niemand nennt mich eine feige S…

1985. Moment… 1985? So war das nicht geplant! Jacks überstürzter Aufbruch führt ihn weiter in die Vergangenheit als erwünscht und stellt ihn vor neue, schwierige Aufgaben. Das Serum, das es ihm ermöglicht durch die Zeit zu springen, ist aufgebraucht. Er steckt fest und Bernie, der die Trips in die Vergangenheit erst ermöglichte, dürfte noch nicht mal geboren sein! Nicht der erste Rückschlag, den Jack auf seiner Rettungsmission hinnehmen muss. Aber er rappelt sich wieder auf, hat er doch bereits Hinweise auf Patience‘ vermeintlichen Mörder gefunden. Dieser müsste im Jahr 1985 noch im Kindesalter sein… also ein leichtes Ziel. Sinkt Jack so tief, ein Kind zu ermorden, um seine große Liebe und sein ungeborenes Baby zu retten?

Sie sind der Doc, Doc.

Daniel Clowes, der Autor und Zeichner von „Patience“, bleibt seinem Stil treu. Schon seine früheren Werke -  „Ghost World“ oder auch „Wilson“ – waren geprägt vom Pop Art-Look und versprühen einen gewissen Retro-Charme. Klare Linien und kantige, teils klobig wirkende Charaktere erinnern an Comics der 60er und 70er. Clowes zählt laut eigenen Angaben den früheren Spider-Man-Zeichner und –Mitschöpfer Steve Ditko zu seinen Inspirationsquellen, was man seinen eigenen Arbeiten auch anmerkt. Die Kolorierung ist bunt, schrill und bisweilen psychedelisch. Besonders im Zukunfts-Setting und in Passagen, in denen der Künstler seinen Hauptcharakter in surreale Flashbacks abdriften lässt, erzeugen ein halluzinogenes Farbenspiel, das man mögen KANN, aber nicht MUSS. Mir persönlich ist der Zeichenstil, angesichts der toll geschriebenen, dramatischen und tragischen Geschichte, zu emotionslos und steril.

Storytechnisch wird dagegen sehr viel geboten und Daniel Clowes hält sich nicht mit unnötigen, technischen Details auf, sondern konzentriert sich voll und ganz aufs Erzählerische und darauf, seinen glaubwürdigen Charakteren inhaltliche Tiefe zu verleihen und dem Leser ein Gefühl für deren Handlungen zu vermitteln. So werden Patience, die in ihrer Jugend viel Ungerechtigkeit ertragen musste, und Jack, der nie sein Ziel aus den Augen verliert und unfassbare Geduld (englisch: Patience) bei seiner Mission aufbringt, realer und greifbarer.

Oh là là!

In großen, Silberglänzenden, geprägten Lettern prangt der Titel PATIENCE vom aufwändig gestalteten Hardcover des Reprodukt-Verlags. Auch hier fällt wieder der knallbunte, psychedelische Pop Art-Stil ins Auge, der die namensgebende Hauptakteurin - und Ziel von Jacks waghalsigen Trips durch die Jahrzehnte - auf der Front des Buches zeigt. Qualitativ sehr hochwertig verarbeitet, liegt die gebundene Ausgabe - im Format 19,5 x 25,4 cm – auch hervorragend in der Hand.

Fazit:

„Patience“ ist eine spannende Science Fiction-Love Story, deren visueller Stil nur bedingt überzeugen kann. Wer über die monotone Optik hinwegsehen kann, wird mit einer spannenden, mitreißenden und clever konstruierten Geschichte über Liebe, Familie, Hass und Rache belohnt. Und, hey… es gibt Zeitreisen!

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