Parker: Martini Edition - Band 1

Parker: Martini Edition - Band 1
Parker: Martini Edition - Band 1

Erschienen: April 2021

Erschienen: April 2021

Couch-Wertung

10
Story
Zeichnung

Story

Knarren, Gangster, Verrat und Rache. Das sind die Zutaten, die eine packende Noir-Krimi-Lektüre benötigt… und es ist bereits angerichtet. Inklusive Vorspeise, Nachspeise und allem Pipapo.

Zeichnung

Nur zwei Worte: Darwyn Cooke. Das sollte reichen.

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Marcel Scharrenbroich
Ein Motor namens Rache

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Okt 2021

Der Mann ohne (Vor)namen

Parker. Ein Name, bei dessen Nennung in der gesamten Unterwelt die Alarmglocken schrillen. Eine Naturgewalt, die konsequent ihre Ziele verfolgt. Nahezu skrupellos und unerbittlich. Gemeinsam mit dem modernen Einzelgänger John Wick hätte Parker ein kongeniales Duo Infernale gebildet, welches wie die Kombination von Nitro und Glycerin haufenweise Leichenberge auf ihren zerstörerischen Rachefeldzügen hinterlassen würde. Wortkarg, auf den Punkt und treffsicher. Vor allem treffsicher. Das sollte er als erfolgreicher Krimineller auch sein, denn Fehler enden in diesem Geschäft nicht selten tödlich. So wurde es im Laufe seiner turbulenten Karriere öfter mal eng, doch ein Mann von seinem Kaliber saß immer am längeren Hebel. Immer mit dem Finger am Abzug…

Parker stammt aus der Feder des US-amerikanischen Schriftstellers und Drehbuchautors Donald Edwin Westlake (1933 – 2008), der den Unterwelt-Schreck unter dem Pseudonym Richard Stark auf die tiefschwarze Hard-Boiled-Welt losließ. Seit 1962, Parkers Geburtsjahr, erschienen insgesamt 24 Bücher der Reihe. Zwischen 1974 und 1997 schickte Stark seine Figur in den Vorruhestand, während er sich (unter diversen Pseudonymen oder seinem gebürtigen Namen) anderen Werken widmete. So beispielsweise den John Dortmunder- und Sam Holt-Serien oder eigenständigen Kriminal-Romanen. Nach seiner Auszeit stieg Parker mit „Verbrechen ist Vertrauenssache“ (OT: „Comeback“) wieder ins dreckige Business ein. Mit „Das Geld war schmutzig“ (OT: „Dirty Money“) endete die Reihe bei uns 2009. Kurz vor dem Jahreswechsel, am 31. Dezember 2008, verstarb Donald E. Westlake während eines Urlaubs an den Folgen eines Herzinfarkts.

Wie ein kräftiger Schluck Martini

Die im SCHREIBER & LESER Verlag erschienene „Parker: Martini Edition“ ist eine bleihaltige Noir-Wucht. Nicht nur, weil der schwarze Hardcover-Brocken mit dickem Papier und silberner Schrift-Veredlung auf Front und Rücken qualitativ über jeden Zweifel erhaben ist, sondern auch, weil der Inhalt haargenau das wiederspiegelt, was Kennern der Roman-Vorlagen vorschweben dürfte, wenn sie an eine Comic-Umsetzung des schroffen Gangsters denken würden. Dies ist nicht nur dem ursprünglichen Autor Richard Stark zu verdanken, denn da hat noch jemand gewichtigen…, wenn nicht sogar NOCH gewichtigeren Anteil dran: Darwyn Cooke.

Der im Mai 2016 leider viel, viel zu früh verstorbene Künstler hat den Ton, den Stark schriftlich vorgegeben hat, perfekt getroffen. Sein Stil ist einfach unverwechselbar und prädestiniert für düstere Noir-Stoffe. Cooke arbeitete schon an der beliebten „Batman“-Animationsserie aus den 90ern, womit er bei DC schonmal einen Fuß in der Tür hatte. Mit den Comics „Batman: Ego“ und „DC New Frontier - Schöne, neue Welt“ hinterließ er wahre Meilensteine in der Superhelden-Historie. Das Spiel mit atmosphärischen Schattenwürfen liefert Cooke in „Parker“ mit Bestnote ab. Noir-Feeling auf jeder Seite, in jedem Panel. Klassisch und gleichzeitig modern. Kantig, rau und in jeder Geschichte mit anderem Farb-Akzent. Mal mischt sich ein gräuliches Blau, mal erdiges Gelb oder entsättigtes Lila in die makellosen Schwarz-Weiß-Fluten. Persönlich kann ich mich an Cookes Bildern nicht sattsehen.

Den Löwenanteil des Buches nimmt die Story „The Hunter“ ein. In dieser taucht Parker nach längerer Abstinenz wieder auf der Bildfläche auf. Man hielt ihn für tot, nachdem er verraten wurde. Beinahe schon unnötig zu erwähnen, dass es ihn nach Rache sinnt. So geht es nach einer umfangreichen und zugleich informativen Einführung (sowie einem einleitenden Essay in Bildern) noch recht gediegen und wortkarg los, bevor sich uns die Story mit immer mehr Details erschließt. Sehr gut gewählt, denn die Bilder von Darwyn Cooke sprechen für sich und führen uns Seite für Seite tiefer in die Unterwelt, wo es schon bald Knall auf Fall ans Eingemachte geht. Ganz nach dem Motto „Don’t fuck with a Fucker“ lässt Parker Taten sprechen. Definitiv kein Typ, den man ans Bein pinkeln sollte. Es folgen die Geschichten „Parkers Rache“ und „Die Gorillas“ bevor die neue Kurzgeschichte „Der Amateur“ den Story-Teil abrundet.

Dauergast in Hollywood

Durchaus möglich, dass der liebe Herr Parker selbst Nicht-Lesern der Romane schonmal unter die Augen kam. Auf der Leinwand ist Richard Starks Mann ohne Skrupel nämlich schon häufiger auffällig in Erscheinung getreten. In John Boormans „Point Blank - Keiner darf überleben“ trat Parker 1967 erstmals cineastisch auf den Plan. Gespielt wurde er dort von Lee Marvin. Im gleichen Jahr erschien der französische Gangster-Streifen „Der Millionen-Coup der Zwölf“, basierend auf Starks Parker-Roman „Stadt im Würgegriff“. Schon ein Jahr zuvor nahm der französische Regisseur Jean-Luc Godard sich das Buch „Parkers Urteil“ zur Brust und verwurstete es mit seiner damaligen Muse (und kurzzeitigen Ehefrau) Anna Karina in der Hauptrolle zum Film „Made in U.S.A.“. Nicht gerade zu Westlakes Zufriedenheit, was ein folgender Rechtsstreit belegte. Sowas passiert halt, wenn man die Figuren-Rechte recht blauäugig in den Dschungel der Filmwelt wirft. Nachdem Robert Duvall 1973 in „Revolte in der Unterwelt“ und Peter Coyote 1983 in „Slayground“ in die beliebte Ganoven-Rolle schlüpften, ist es vor allem dem Rache-Thriller „Payback - Zahltag“ mit Mel Gibson zu verdanken, dass Westlakes Figur (auch wenn sie im Film von Brian Helgeland Porter heißt) ins neue Jahrtausend schaffte. Nach der massentauglicheren Kinofassung von 1999 folgte 2006 ein kompromissloserer Director’s Cut, welcher es 2009 dann nach Deutschland schaffte. Dabei wurde die Altersfreigabe von FSK 16 auf 18 angehoben. „Payback“ basiert ebenso wie „Point Blank“ auf dem Roman „The Hunter“. Jene Story, die Darwyn Cooke so meisterhaft adaptiert hat. Taylor Hackford benannte seinen Actionfilm von 2013 dann gleich plump nach dem Titelhelden. So uninspiriert, wie das ganze Drehbuch. „Parker“ mit Jason Statham und Jennifer Lopez bezieht sich auf den Roman „Irgendwann gibt jeder auf“ und kann nicht wirklich überzeugen. Nicht mehr als Action-Einheitsbrei… dann lieber noch mal „Payback“.

Fazit:

Noir- und Hard-Boiled-Fans können unbesorgt zum schwarzen Klotz aus dem Hause SCHREIBER & LESER greifen. Selbst nach dem umfangreichen Story-Teil in grandiosen Bildern ist noch nicht Schluss. Es wird auf die Parker-Verfilmungen und ähnlich angelegte Film-Stoffe eingegangen. Alles reichhaltig bebildert und ein runder Abschluss. Die Martini Edition hinterlässt mich geschüttelt und gerührt.

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