Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Für viele ein Klassiker, zu dem mir allerdings der Zugang fehlte. Inhaltlich nur durchschnittlich mit einem Pluspunkt für die abgedruckten Interviews und die gelungene Aufmachung.

Zeichnung

Insgesamt ein sehr sauberer Stil, der sich qualitativ stetig steigert und viele Details zu bieten hat… nicht nur unter der Gürtellinie.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Wild Things

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Aug 2020

Schnurrende Showgirls und maunzende Machos

Susan, ein Landei (bzw. eine Landkatze) aus einem kleinen Kaff irgendwo im Nirgendwo, sucht ihr Glück in der großen Stadt. Mit Amateur-Fotos bewirbt sie sich bei einer Model-Agentur in Mipple City. Der Leiter ist sofort angetan von der unbedarften Schönheit und engagiert sie als Stripperin für einen Nachtclub. Vor der Agentur trifft sie auf Shelley, eine neue Arbeitskollegin, und findet in ihr eine Freundin fürs Leben. Gemeinsam überlegen sie sich einen Künstleramen für Susan… Omaha soll es sein.

Schnell macht die neue Tänzerin von sich Reden und wird zum gefeierten Star der Szene. Mit dem charmanten Chuck Katt findet Omaha auch schon bald ihren passenden Kater. Sie surft auf der Erfolgswelle, was kann jetzt noch schiefgehen? Leider so einiges… denn das frivole Nachtleben ist nicht nur den bibeltreuen Moralaposteln ein Dorn im Auge. Gleich reihenweise schließt die Regierung die Clubs, darunter auch das Kitty Korner, Omahas Arbeitsplatz. Daraufhin verlegt sich das nächtliche Party-Treiben in den Untergrund. Luxuriös und exklusiv. Regiert von einflussreichen Leuten und mit reichlich krimineller Energie versetzt, werden Omaha und ihre Freunde bald zur Zielscheibe der Unterwelt. Sie müssen fliehen… doch auch ihr geliebter Chuck war nicht ehrlich zu ihr und steckt pfotentief drin, im Katzenklo der zwielichtigen Machenschaften.

Darf man in diesem Zusammenhang „Muschi“ sagen?

Doch. Ich denke schon… immerhin treiben es hier hauptsächlich anthropomorphe Katzen und Kater miteinander. Auch sonst geht es in der vermenschlichten Tierwelt heiß her. Den meisten Beteiligten scheint es schwer zu fallen, mal über mehrere Seiten die Hosen anzubehalten, wobei sich mir der Reiz, Charakteren mit Tierköpfen beim Stellungs-kreativen Liebesspiel zuzuschauen, nicht ganz erschließt. Möchte ich Erotik, lese/schaue ich erotischen Content. Möchte ich Drama, schaue ich Vorabend-Serien. Möchte ich eine gelungene Mischung aus beidem, greife ich zu „Sonnenstein“… um mal einen würdigen Vertreter im Comic-Bereich zu nennen, der die Themen besser ausbalanciert.

Oft verglichen mit Robert Crumbs Underground-Hit „Fritz the Cat“ (erschienen zwischen 1965 und 1972), wurde der Schöpfer Reed Waller für „Omaha the Cat Dancer“ eindeutig von diesem inspiriert. Ob Omaha nun eine weibliche Antwort auf Fritz ist, sei mal dahingestellt, da beide zwar dem Underground-Stil angehören, inhaltlich jedoch getrennte Wege gehen. Im Original bei Kitchen SinkPress (1970 – 1999) erschienen, hatte die „Omaha“-Reihe es in ihrer Heimat nicht gerade leicht. Zu anzüglich, ja sogar pornographisch sei die lüsterne, laszive Katzendame. Die Behörden ließen sogar direkt ganze Comic-Shops schließen, die die Hefte vertrieben. Da dieses Vorgehen dem Verlagsgründer Denis Kitchen gehörig gegen den Strich ging, gründete er den Comic Book Legal Defense Fund (CBLDF), um die Interessen der Comic-Schaffenden und -Vertreibenden zu schützen. 1986 finanzierte der CBLDF die Verteidigung eines US-Ladenbesitzers, der wegen des Verkaufs von obszönem Material sogar verhaftet wurde. Zu den bekanntesten Unterstützern der Non-Profit-Organisation zählen IDW-Mitgründer Ted Adams, Neil Gaiman, „Bone“-Schöpfer Jeff Smith und Comic-Legende Frank Miller. Heute, rund 40 Jahre nach Omahas ersten Bühnenshows, würde es mit Sicherheit mehr benötigen, um die biederen Moralapostel aus Mamis Keller zu locken.

Gib Pfötchen!

Was mir ein bisschen die Brekkies im Napf rotieren lässt, ist das Frauenbild, welches „Omaha“ wiederspiegelt. Einerseits steht ihr Charakter für Selbstbestimmtheit und sexuelle Freiheit, was vielen Sittenwächtern damals nicht in den Kram passte und Comics dieser Art stapelweise aus den US-Shops entfernt wurden, anderseits nervt mich ihre teils naive Darstellung. Das hilfsbedürftige Kätzchen, das sich an die starken Arme ihres Katers krallt, steht für mich im Widerspruch zu ihrer explosiven Bühnenpräsenz. Dort ist sie eine Erscheinung. Angebetet vom Publikum, selbstbewusst und stark. Abseits des Scheinwerferlichts unsicher. Doch aufkeimende Selbstzweifel, dass sie nichts anderes könne als Tanzen, und Sorgen über die Zukunft, die in einem Moment noch existentielle Hürden zu sein scheinen, lassen sich im nächsten Augenblick scheinbar einfach so wegvögeln. Da ist „Omaha“ wohl (und so ungern ich den Begriff benutze, so passt er doch am besten) ein Kind ihrer Zeit. Vom angestaubten Rollenbild, dass die Frau daheim am Herd steht, während der Mann die Brötchen verdient, sollte man sich im Entstehungsjahr von „Omaha“, 1978, eigentlich schon längst entfernt haben. Und doch sind es hier vornehmlich die männlichen Figuren, die das Sagen haben und die wichtigen Entscheidungen treffen. Oft hilflos wird Omaha hier zum Spielball, der nur in sexuell aufgeheizter Stimmung volle Stärke generiert. Dieses Auf und Ab passt schon nicht mehr in die 70er und 80er und erst recht nicht in die heutige Zeit, weshalb ich „Omaha the Cat Dancer“ zwar als Stück Comic-Geschichte akzeptiere, aber nicht als wegweisenden Schritt in die richtige Richtung anpreisen kann.

Mit der Treue nehmen es dann beide Geschlechter nicht so genau. So eumelt Chuck Katt nur neun Seiten nachdem seine „große Liebe“ klammheimlich verschwunden ist mit der nächsten Dame rum. Dies dann auch noch mit einem „Ich sehe, du bist eine von diesen neuen Powerfrauen“ auf den Lippen, während er eine gelockte Gespielin auf dem ganz privaten Kratzbaum jongliert. Und auch Omaha tollt zwecks Chuck-Entzugs fremd durch die Federn. Hm, „menschlich“ und moralisch schwächeln hier irgendwie alle… Jedoch soll erwähnt werden, dass der Sex hier nicht nur Mittel zum Zweck ist, um die Verkäufe anzukurbeln, sondern sich durchaus ins Geschehen einfügt. Komisch nur, dass alle Beteiligten in so gut wie jeder Situation riemig werden. Man steckt halt nicht drin… wobei… ne, lassen wir das.

Daran änderte sich auch nicht viel, als Kate Worley (1958 – 2004) als Autorin das Ruder übernahm, nachdem Reed Waller nach nur zwei Ausgaben offen zugab, dass ihm die Ideen ausgingen. Die Frivolitäten wurden dabei etwas zurückgefahren und der Soap-Anteil wuchs. Die grobe, ursprüngliche Fahrtrichtung wurde aber beibehalten. Die Mischung aus Crime und Furry-Drama, bei der es pro Heft einmal in die Waagerechte ging, um nach allen Regeln der Kunst zu knattern, gilt heute als großer Wurf und hat zweifellos ähnlich angelegten Comic-Soaps den Weg geebnet. Das Parade-Beispiel wäre dabei wohl Terry Moores langjähriges Epos „Strangers in Paradise“ (komplett bei Schreiber & Leser), welches ich Leserinnen und Lesern, die auf explizites Rumschwengeln verzichten können, auch deutlich eher empfehlen würde.

Fazit:

Ob „Omaha the Cat Dancer“ das von vielen Fans attestierte Kult-Potential hat, sollte jeder für sich entscheiden. Für mich persönlich funktioniert weder die Furry/Sex-Kombination, noch die ausgedehnte Seifenoper/Crime-Story. Positiv hervorzuheben sind die detaillierten schwarz-weiß Zeichnungen von Reed Waller, sowie die tolle Aufmachung des ersten Sammelbands von Schreiber & Leser, die ein hochwertiges, umfangreiches Softcover in schlichter, jedoch passender Optik mit Spotlack-Motiv auf dem Cover vorgelegt haben. Im Fachhandel ist zudem eine limitierte Sonderausgabe (99 Exemplare) erhältlich, die einen signierten Druck enthält.

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