Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Wichtige Geschichte, die ihren Protagonisten und seine Gefühle gut darstellt. Nur der Versuch, mehrere Perspektiven einzubeziehen, ist nicht allzu gelungen.

Zeichnung

Abstrakt genug, dass man Nathans Geschichte als Beispiel ansehen kann, und trotzdem real genug, um zu merken, dass solche Geschichten überall passieren.

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Nina Pimentel Lechthoff
Wichtige Geschichte, leider sehr oberflächlich

Comic-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Jul 2019

Ruf mich bei meinem Namen

Nathan hat es schon immer gewusst: Sein Äußeres passt nicht zu der Person, die er im inneren ist. Denn Nathan wurde als Lila geboren. Für ihn waren Kleider Verkleidungen, die er anzog, um seinen Eltern – vor allem seiner Mutter – zu gefallen. Doch mit der Pubertät veränderte sich sein Körper und das Gefühl, im falschen geboren worden zu sein, wächst immer mehr. In seinem Umfeld reagieren die Leute sehr unterschiedlich. Für seine Freunde war Lila schon immer ein Typ, seine Familie tut sich aber mit der Umstellung schwer. Aber für Nathan steht es unlängst fest: Er will, dass auch sein Äußeres zu seinem eigentlichen Geschlecht passt. Das fängt mit einer neuen Frisur und den passenden Klamotten und geht bis hin zur Hormontherapie und Namensänderung.

Im falschen Körper gefangen

Etwa die Hälfte bzw. zwei Drittel des Comics erzählt der Weg, den Nathan bestreiten muss, bis ihm endlich erlaubt ist, so zu sein, wie er ist. „Nennt mich Nathan“ fängt mit einer Szene am Strand an, wo Nathan – damals noch Lila – mit Freundinnen am Strand ist. Dabei schwimmen die anderen unbeschwert in ihren Bikinis, während Nathan sich nach kurzer Zeit wieder anzieht, weil er sich in seiner Haut unwohl fühlt.

Vom Schwimmunterricht in der Schule, über erste Erfahrungen mit Mädchen bis hin zu Streitigkeiten mit den Eltern – man merkt dem Protagonisten an, dass sich immer mehr Wut und Traurigkeit ansammeln. Man leidet mit ihm und wünscht sich, man könne mit ihm reden oder wenigstens etwas Trost spenden. Als Cis-Frau kann ich zwar nicht viel über Erlebnisse transsexueller Menschen sagen, aber ich hatte das Gefühl, dass Catherine Castro und Quentin Zuttion die Geschichte von Nathan sehr gut und verständlich erzählt haben. Vor allem, dass es keine plötzliche Idee ist, sondern von Anfang an für Nathan eine Tatsache war. Ich finde die Entwicklung, die Castro und Zuttion für Nathan zeichnen, sehr gut gemacht. Ich glaube, dass ich jetzt als Nicht-Transgender-Leserin etwas mehr verstehen kann, wie es sein muss, im falschen Körper geboren worden zu sein.

Naive Bilder mit ordentlich Schlagkraft

Quentin Zuttions Stil erinnert eher an Illustrationen, die man in Kinderbüchern finden würde. Die Figuren sind sehr weich gezeichnet und farbenfroh. Dabei sehen sie und die Umgebung, in der sie sind, sehr natürlich und echt aus. Das macht die Zeichnungen bei „Nennt mich Nathan“ zum einen abstrakt – diese Geschichte ist nicht an einem realen Menschen gebunden, sondern erzählt eine fiktive Geschichte –, zum anderen doch sehr real. Das führt dazu, dass man weiß, dass das, was man liest, nicht wirklich so passiert ist, die Geschichte aber so oder so ähnlich überall – wenn man das sehr französische Setting ausblendet – passieren kann.

Etwas unfokussierte Erzählung

Mein einziges Problem mit „Nennt mich Nathan“ war die meiner Meinung nach unfokussierte Erzählweise. Denn die Stärken des Comics liegen für mich bei der gut nachvollziehbar erzählten Entwicklung von Nathan. Doch bei dem Versuch, auch die Sichtweisen der Familie einzubeziehen, verliert sich die Erzählung etwas. Es ist zwar interessant, auch die Gefühle und Gedanken von Nathans Eltern oder seines Bruders mit einzubeziehen, doch leider bekommen sie sehr wenig Raum, um sich wirklich entfalten zu können. So bekommt man nur einen sehr begrenzten Einblick in das Innenleben dieser Figuren. Dies, gepaart mit den sehr unwillkürlichen Stellen, an denen das passiert, führt dazu, dass sich ein bisschen der rote Faden von „Nennt mich Nathan“ verliert. Diese Seiten hätte ich mir ein bisschen dafür gewünscht, die Zeitsprünge etwas mehr zu erklären. Man sieht zwar, dass der Protagonist älter wird, aber die Übergänge und wie er zwischen diesen Zeiten entwickelt bleibt dem Leser verborgen. Vor allem der Übergang zwischen der Zeit, in der Nathan so sehr mit sich und seiner Situation kämpft, dass er anfängt, sich selbst weh zu tun, und wo es für ihn dann wieder bergauf geht. Dieser Weg zwischen ganz unten und ganz oben wird ein bisschen ausgespart, man bekommt nur den einen oder anderen Gesprächs-Part mit einem Psychologen mit. Viel über seine Gedankenwelt während dieser Zeit bekommt man als Leser aber leider nicht.

Ein anderer Kritikpunkt ist der sehr einfache Weg von Nathans Geschlechtsumwandlung. Die Kosten und der Aufwand, der zwischen Nathan und seiner wahren Identität liegen, werden mit ein paar Worten geschildert und werden in wenigen Seiten abgehandelt. Dafür ist aber die Art und Weise, wie Zuttion die Operationen bildlich darstellt, sehr gelungen. Die Eingriffe werden erklärt, aber trotzdem so abstrakt gehalten, dass sie nicht zu anatomischen Erklärbildern verkommen.

Fazit:

Repräsentation ist sehr wichtig, das habe ich wieder einmal nach der Lektüre von „Nennt mich Nathan“ gemerkt. Denn das Thema Transgender ist in meinem Bewusstsein zwar vorhanden, aber eher als abstrakte Idee. Solche Geschichten wie die von Nathan zu lesen bringen Themen in den Fokus von Menschen. Deswegen finde ich „Nennt mich Nathan“ einen sehr wichtigen Comic. Trotzdem hatte ich hier und da mit der Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird, meine Problemchen.

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