Nekromant Acher und seine Geister gegen den bösen Magier Boph-Et
In einer Welt voller Magie sind die Nekromanten immer noch die Gefürchtetsten. Nur ihnen gelingt es, einen Geist aus dem Reich der Toten zu beschwören und sich den Geist untertan zu machen… je nachdem wie stark dieser Geist ist. Manchmal kann es aber bei der Totenbeschwörung auch zu Unfällen kommen. Die Nekromanten könnten dabei sterben, oder vom Geist des Toten übernommen werden.
Die Geschwister Morla und Acher sind zwei dieser Nekromanten und auf der Suche nach einem wirklich starken Geist. Während Morla eine der besten Nekromantinnen ihrer Klasse ist, hat Acher drei eher schwache Geister an sich binden können. So ist der alte Gelehrte Theodor ein wenig schusselig und kann noch nicht einmal die einfachste altertümliche Schrift lesen, der Krieger Teheris ist vor der Abschlussprüfung gestorben und eher feige und die Bauchtänzerin Isia ist einfach nur nett und mit ihrem Kopf oft bei anderen Dingen. Also, auf den ersten Blick, keine wirkliche Hilfe.
Ein freundlicher Nekromant im Kampf gegen den größten aller Erzmagier
Nun stehen sie endlich vor dem Grab des berühmten und vor allem berüchtigten Erzmagiers Boph-Et, dessen Macht Morla für sich nutzen möchte. Doch genau dieser Boph-Et war ein Meister der Nekromantie und übernimmt direkt Morlas Körper. All ihre Gegenzauber wirken bei ihm nicht. Nach einem kurzen und tödlichen Kampf gegen Morlas Begleiter macht er sich frisch gestärkt in ihrem Körper auf den Weg nach Biblys, der Hauptstadt des Reiches, um den jetzigen Kaiser zu stürzen.
Einzig Acher hat den Angriff mit Hilfe der Beweglichkeit seiner Bauchtänzerin überlebt. Sein Plan ist es natürlich, seine Schwester zu retten. Daher muss auch er zurück nach Biblys. Zu seinem Unglück ist Morla/Boph-Et aber schon dort und hat die Schule der Magie mit eigenen Gefolgsleuten unterwandert. Welche Möglichkeiten bleiben ihm jetzt noch?
Zuerst wendet er sich an den zwielichtigen Händler, von dem Morla die Informationen über Boph-Ets Grab erhalten hat. Dieser wusste natürlich von nichts, hat aber ganz zufällig ein Buch über die alte Geschichte ihres Landes. Dort gibt es auch ein großes Kapitel über Boph-Et und seine größte Niederlage. So waren es damals drei Außerwählte, die mit List, Tücke und Taktik den Nekromanten besiegen konnten. Acher fasst den Plan, diese drei Geister zu finden und sie zum Kampf gegen Boph-Et zu überreden.
Alleine kann er das natürlich nicht bewerkstelligen. Der Händler weigert sich, ihm weiter zu helfen. Er hat ja schließlich schon genug getan. Zum Glück hat Acher noch eine weitere Verbündete in der Magieschule. Lavia hat schon immer mehr in Acher gesehen und sich auch mehr von ihm erhofft. Als er aber bei ihr eintrifft, muss er leider feststellen, dass auch Lavia von einem ehemaligen Anhänger von Boph-Et besessen ist und sich gerade über ihre Leibwächterin hermachen möchte. Acher kann das verhindern und findet in Ayu die Hilfe, die er benötigt. Und so beginnt das bisher größte Abenteuer für Acher und seine drei Geister.
Das Fantasydebüt von Autor Olivier Gay und Künstlerin Tina Valentino
Im Rahmen der „Splitter Doubles“ veröffentlicht der Bielefelder Splitter Verlag nun den Zweiteiler „Nekromanten“ aus der Feder von Olivier Gay mit den Zeichnungen der italienischen Künstlerin Tina Valentino. Dieser Zweiteiler wurde zuerst im Jahre 2024 beim französischen Verlag Drakoo veröffentlicht.
Vom Aufbau der Handlung her, bekommen wir als Leser eine kurze Einleitung und befinden uns dann sofort in der Action. Natürlich wird dort zuerst der Protagonist vorgestellt sowie seine drei eher schwachen Geister. Seine menschlichen Begleiter machen sich regelrecht über ihn lustig, müssen für diese Frechheit aber ein paar Seiten später auch direkt für bezahlen. Reine Kraft zahlt sich halt nicht immer aus. Von da aus geht die Reise dann in bestimmten Etappen weiter bis zum großen Finale am Ende des Bandes.
Dabei ist Gays Geschichte eher wie eine Kampagne aus einem Rollenspiel oder wie die Handlung aus einem klassischen Fantasyfilm konzipiert. Die ursprüngliche Heldengruppe wird getrennt, oder im schlimmsten Fall getötet. Ein unfassbar starker Bösewicht taucht auf, der die Welt unterwerfen möchte und nur einer der überlebenden Helden kann ihn aufhalten. Doch nicht alleine, sodass er eine neue Gruppe von Helden zusammenstellen muss. Hier sind es halt Geister, die beschworen werden müssen, um den Geist des Erzmagiers aufzuhalten, aber das Prinzip bleibt so gesehen das Gleiche.
Mit „Nekromanten“ veröffentlicht Splitter nun die erste eigene Geschichte von Olivier Gay in Deutschland. Bisher ist von ihm nur die Adaption des Asterix-Films „Im Reich der Mitte“ erschienen, wo er die filmische Vorlage als Comic verfasst hat. Nun sind die Verantwortlichen von Splitter auf ihn aufmerksam geworden und veröffentlichen in diesem Jahr nicht nur diesen Zweiteiler, sondern im Toonfish-Imprint auch noch seine Jugendserie „Metamorphe“.
Die Geschichte wird hervorragend gezeichnet von Tina Valentino. Eigentlich dachte ich, dass ich vorher noch nichts von ihr gesehen hatte, und war begeistert von ihren klaren Linien und den wirklich schönen Figuren, Landschaften und Städten. Dann ist mir durch Zufall das „Top Cow Holiday Special“ aus dem Jahre 2024 in die Hände gefallen und da hat sie schon zusammen mit Marc Silvestri an einer Geschichte für „The Darkness“ gearbeitet. Ich bin begeistert von ihren Zeichnungen und hoffe, dass da noch viel mehr kommen wird.
Ein wenig hat mich „Nekromanten“ an die frühen Werke von Arleston erinnert. Sein „Lanfeust von Troy“ hat eine ähnliche Erzähldynamik und mir den Weg in die franko-belgische Fantasy geöffnet. Dennoch ist „Nekromanten“ kein Abklatsch oder eine Kopie dieser Handlung, sondern ein ganz eigenes, nettes Fantasy-Abenteuer, welches Lust auf mehr macht.
Fazit:
Mir hat „Nekromanten“ gefallen. Die Geschichte war gut durchdacht und auch gut erzählt, mit einer guten Mischung aus Fantasy, Spannung und Humor. Die Handlung war kurzweilig und man konnte den Band eigentlich gar nicht aus der Hand legen. „Nekromanten“ ist eine klare Kaufempfehlung für alle, die das Genre lieben.

Olivier Gay, Tina Valentino, Splitter

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