Couch-Wertung

10
Story
Zeichnung

Story

Spannung, Humor und viel Herz… ein Spagat, der eindrucksvoll und scheinbar mühelos gelingt. Absolut sympathisch.

Zeichnung

Von Beginn an hervorragend und stimmig in Szene gesetzt. Der Fortschritt der Künstlerin gelingt fließend und authentisch. Die markanten Charaktere überzeugen und auch die Farbgebung ist vortrefflich. Volle Punktzahl!

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Mon Dieu, quel plaisir!

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Sep 2018

À ta santé, Isidore.

Isidore Charlatan war einst Frankreichs Vorzeige-Detektiv. War… Nachdem Charlatan unzählige Fälle in allen Teilen der Welt löste und er auf der Erfolgswelle schwamm, folgte der tiefe Sturz. Ungebremst und ohne doppelten Boden. Der Börsen-Crash an der Wall Street, von 1929, beförderte ihn auf den Boden der Tatsachen. Und als wäre dies nicht genug, folgte nach dem leeren Bankkonto auch eine Leere in Isidores zerbröseltem Herzen… Seine große Liebe und Verlobte, die berühmte Chanson-Sängerin Adeline Buffet, verließ den gefallenen Ex-Ermittler schneller, als ihm ein „Merde!“ über die Lippen kam.

Rund ein Jahr später ist aus dem angesehenen Vorzeige-Schnüffler, der einst in den besten Kreisen verkehrte, ein depressives Wrack geworden. Arbeitslos und in Selbstmitleid versunken, unterbricht er seine ständigen Saufgelage höchstens für einen weiteren erfolglosen Suizid-Versuch. Von den ehemals anerkannten Kollegen der französischen Polizei verspottet und mit Missachtung gestraft, hat Isidore nur eine Person in seinem Leben, die ihn noch nicht vollkommen aufgegeben hat… auch, wenn es ihr schwerfällt. Die Amerikanerin Magda O’Neill arbeitet bei der lokalen Presse und versucht ihm den gebeugten Rücken zu stärken. Zu tief versunken, in die Trauer an seine Verflossene (und in die Vermouth-Gläser der örtlichen Bars), ist er blind für Magdas offensichtliche Avancen… Sacrebleu, quel idiot!

Tatü-tata, Madame ist wieder da!

Um Isidore aus seiner Lethargie (und nach einem weiteren missglückten Selbstmord-Versuch auch aus seiner Badewanne) zu ziehen, schleift Magda ihn zu einer abendlichen Veranstaltung. Die Eröffnung des neuen Kabaretts, inklusive feiner Gesellschaft, guter Musik und pompösen Tamtam, könnte dem gebrochenen Schatten seiner selbst nur guttun. Eigentlich keine schlechte Idee, wäre der musikalische Höhepunkt des Abends nicht… *Trommelwirbel* Adeline… die Ex!

Nachdem dem armen Izzy die Kinnlade auf die Tischplatte geknallt ist und er sich zum Gespött der geladenen Gesellschaft gemacht hat, fängt er sich und unternimmt den Versuch, hinter der Bühne ein klärendes Gespräch mit Adeline - die gerade erst frisch aus Amerika zurückgekehrt ist und einen alten, reichen Geldsack geheiratet hat - zu führen. An sich AUCH keine schlechte Idee, nur – wie sollte es anders sein – platzt Charlatan im (für ihn) denkbar ungünstigsten Moment in die Garderobe. Eine maskierte Gestalt ist im Begriff die Sängerin heimtückisch zu ermorden und dem Retter in der Not gelingt es im letzten Moment Schlimmeres zu verhindern. Dumm nur, dass Zeugen IHN für den Attentäter halten. Bei der gemeinsamen Vergangenheit auch nicht weiter verwunderlich…

Isidore Charlatan ist fest entschlossen seinen einst guten Namen wieder rein zu waschen. Dabei kommt er sowohl dem Killer, als auch seiner Ex-Verlobten gefährlich nah… Zu allem Überfluss teilen Magda und Isidore auch noch ein dunkles, explosives Geheimnis aus ihrer Vergangenheit… und diese Bombe ist im Begriff unweigerlich hochzugehen.

Griechische Spezialität aus dem Land der Gourmets, zubereitet für deutsche Feinschmecker.

Die in Athen lebende, griechische Künstlerin Angeliki Salamaliki studierte Computer-Animation an der englischen Portsmouth University und machte ihren Master-Abschluss in Animation an der Bristol School of Animation. Ihr Comic „Monsieur Charlatan“ kann auf eine fünfjährige Entstehungsgeschichte zurückblicken und entstand ursprünglich als reines Hobby-Projekt. Salamaliki experimentierte mit Story und Farben und beschloss, die Geschichte um den gescheiterten Star-Detektiv, der in den 30er-Jahren der beschaulichen französischen Hauptstadt versucht, seinen ehemals guten Ruf wieder herzustellen, häppchen- bzw. seitenweise als Web-Comic zu veröffentlichen. Eine gute Entscheidung, denn schon bald hatte Isidore Charlatan eine treue Fan-Gemeinde. So wurde die Idee für eine Crowdfunding-Kampagne geboren, die der Künstlerin ermöglichen sollte, eine gedruckte Variante zu produzieren. Der Plan ging auf und es dauerte auch nicht lange, bis der deutsche Verlag Kult Comics auf die spannende Detektiv-Geschichte mit feinem humoristischen Unterton aufmerksam wurde. So kommen wir nun auch in den Genuss von Intrigen, Mord und Dramen, denen sich ein versoffener Ex-Detektiv und eine ambitionierte US-Reporterin entgegenstellen müssen. All dies vor der malerischen Idylle der Stadt der Liebe… denn auch die kommt nicht zu kurz in „Monsieur Charlatan“.

Fortschrittlich

Dynamische Verfolgungsjagden quer durch Paris, deren rasante Geschwindigkeit man förmlich spüren kann und klaustrophobische Katakomben, die uns atmosphärisch ausgeleuchtet unter die Hauptstadt führen. Rückblenden in Sepia-Optik, die vom ungewöhnlich-pikanten, ersten Aufeinandertreffen von Magda und Isidore berichten und leuchtend Absinth-grüne Fieberträume, die das abwechslungsreiche Debüt komplettieren. Angeliki Salamaliki fährt von Beginn an schwere Geschütze auf und zeigt eine breite Palette ihres Könnens. Bereits im Vorwort erklärt die Künstlerin, dass sich während ihres 5-Jahres-Projektes ihr Stil ständig weiterentwickelt hat und dies auch im Buch spürbar sein soll. Im Gegensatz zu vielen US-Paperbacks, die mehrere Einzelhefte zusammenfassen und man sich las Leser auch mal innerhalb eines Seitenwechsels mit einem neuen Zeichner abfinden muss, ist hier eine konstante Lernkurve erkennbar, die fließend voranschreitet. Salamaliki bleibt ihren  - von Anfang an großartigen - Charakteren treu und verfeinert kleine Nuancen in ihrem Stil, was „Monsieur Charlatan“ noch authentischer und charmanter wirken lässt. Die warmen Farben atmen den Geist der 30er-Jahre und tragen mit ihren weichen – jedoch kräftigen – Verläufen ungemein zur dichten Atmosphäre bei.

Kult Comics verpasst der Graphic Novel den Look, den sie verdient und stattet den wuchtigen Hardcover-Band mit mattem und qualitativ hochwertigem Papier aus. Auf dem Hochglanz-Einband prangen die Haupt-Charaktere, während uns mittig ein verschlagen-strahlender (und anscheinend mal nüchterner) Isidore angrinst. Neben der ohnehin schon prächtigen Standard-Ausgabe ist auch noch eine auf 99 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe erhältlich. Diese kommt mit signiertem Exlibris und verfügt über ein anderes – nicht minder gelungenes – Front-Motiv.

Fazit:

Egal, welche Ausgabe es am Ende werden soll… „Monsieur Charlatan“ kann ich jedem Comic-Freund nur ans Herz legen. Magda und Izzy sind ein hervorragendes Duo und werden sehr schnell zu Sympathieträgern. Trotz Krimi-Thematik, zwischenmenschlichen Dramen und Tragödien verliert die Geschichte nie ihre charmante Leichtigkeit und ihren sprühenden Witz, den Angeliki Salamaliki auch treffsicher aufs Papier bringt.

Und die allerletzte Seite sieht 100%ig NIEMAND kommen… versprochen!

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