Minivip & Supervip: Das Geheimnis des Hin-und-Weg

Erschienen: September 2019

Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Sympathischer Superhelden-Spaß mit Botschaft. Ein humorvolles Abenteuer mit reichlich Genre-Verweisen, die Jung und Alt begeistern können.

Zeichnung

Kenner und Freunde des Zeichentrick-Klassikers werden sich sofort heimisch fühlen. Nostalgie trifft auf moderne Zeichenkunst und Grégory Panaccione lässt durch Kreativität die Freude erkennen, mit der er zu Werke ging.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Very Invincible Person(s)

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Nov 2019

>POUF<

…macht es, und schon befindet sich ein grünhäutiger, muskelbepackter Außerirdischer vom Planeten Sparky auf unserer schönen, ebenfalls grünen Erde. Aber Moment… so schön und grün ist es hier gar nicht mehr! Die Luftverschmutzung liegt bei unglaublichen 99,999% und der Aufenthalt im Freien ohne Gasmaske erweist sich als lebensmüde Mutprobe. Unzählige Autos verstopfen die Städte, die in ihren Ausdünstungen nicht mal mehr die Hand vor den Augen erkennen lassen. Nun wissen wir: Greta hatte recht und das Diesel-Fahrverbot wurde endgültig gekippt… zumindest in der Welt, in der die beiden Helden Minivip & Supervip leben.

Die Vip-Brüder stammen aus einem uralten Superhelden-Geblüt, dessen umfangreicher Stammbaum sich bis in die Steinzeit zurückverfolgen lässt. Ausgestattet mit allen Fähigkeiten, die ein ruhmreicher Held besitzen sollte, retten sie Damen in Not, vereiteln Überfälle und bringen Schurken aller Couleur zur Strecke. Supervip ist so ein Bilderbuch-Held. Groß, stark, windschnittig und mit breitestem Zahnpasta-Lächeln. Nun ja, zumindest war er das, bis seine große Liebe Lisa ihn verlassen hat. Seitdem hockt er nur noch depressiv und geknickt auf der Couch und lässt sich permanent von hirnlosen Werbesendungen berieseln. Die Couch - und somit auch zwangsläufig der darauf kauernde Supervip – befindet sich in der Wohnung seines Bruders Minivip, der dort zusammen mit seiner schwangeren Partnerin Nervustrella wohnt. Minivip ist im Gegensatz zu Supervip so gar nicht super, sondern wortwörtlich „Mini“. Nicht nur was seine Körpergröße angeht. Die genbedingten Superkräfte muss man bei ihm mit der Lupe suchen und trotz kleiner Flügelchen auf dem Rücken schafft Minivip es nur, wenige Zentimeter über dem Boden zu schweben. Und unverwundbar ist er auch nicht. Dafür ist er ein findiger Tüftler, der seine Helden-Defizite mit hilfreichen Gadgets zur Verbrechensbekämpfung auszugleichen versucht… dies allerdings auch mehr schlecht als recht. Interessant wird es, als Minivip auf der Straße über ein Ding stolpert, das einer Taschenlampe ähnelt. Nur, dass es keine Taschenlampe ist und die Zukunft der verpesteten Erde gehörig beeinflussen könnte…

Hier kommt wieder die eingangs erwähnte, grüne Alien-Kante ins Gespräch, die mit einem >POUF< auf der Bildfläche erschien. Das >POUF< wurde nämlich durch genau so ein Gerät verursacht, welches Minivip noch für eine Taschenlampe hält. Es beamt jeden, der in seinem Lichtstrahl steht, an den gewünschten Ort. Dazu muss dieser nur laut ausgesprochen werden. Zwei Kundschafter vom Planeten Sparky verloren solch ein sogenanntes „Hin-und-Weg“ bei ihrem Trip auf die Erde, was der Herrscherin von Sparky, der tyrannischen „Fruchtbarkeit“, mal überhaupt nicht gefällt. Die fette Kröte (sie ist wirklich eine fette Kröte!), die beinahe im Minutentakt Eier mit Nachkommen legt, plant nämlich die Erde mit ihrer Brut zu infiltrieren, da die Luftfeuchtigkeit auf ihrem Heimatplaneten sich im hohen dreistelligen Prozentbereich befindet und ihr ganzes Volk regelrecht abzusaufen droht. Auf der komplett mit Schadstoffen belasteten Erde könnten ihre Nachkommen gut gedeihen, weshalb es der Menschheit nach einer Invasion an den Kragen gehen soll… mit über 500.000 Eiern im Gepäck will sie sich aufmachen, um ihrer dauerverregneten Welt den Rücken zu kehren.

Sollten die Menschen allerdings herausfinden, wie man das „Hin-und-Weg“ verwendet, könnte es den Transport revolutionieren und Autos und andere Luftverpester geradezu überflüssig machen. Eine Verbesserung des Erdklimas würde ihrer „Fruchtbarkeit“ natürlich einen gewaltigen Strich durch die ansonsten gut durchdachte Rechnung machen, weshalb sie ihren vermeintlich besten Mann geschickt hat, um das verlorene „Hin-und-Weg“ sicher wieder nach Sparky zu bringen. Der Grüne ist allerdings nicht die schlauste Kröte unter Sparkys verregnetem Himmel, weshalb sich der ganze Auftrag chaotischer gestaltet, als er sollte. Und natürlich haben Supervip & Minivip da auch noch ein Wörtchen mitzureden, wenn es um die Rettung ihrer Heimat geht!

Superheroes made in Italy

Superhelden sind kein rein amerikanisches Phänomen, auch wenn die Ursprünge der Vips eindeutig dort zu finden sind. Dennoch schaffen es die sympathischen Brüder, erfolgreich auf eigenen Beinen zu stehen und die Tatsachen, dass sie über kein Alter Ego verfügen, in ihrem Helden-Dress geboren werden und diesen auch niemals ablegen, verleihen ihnen einen ganz eigenen, parodistischen Charme.

Bereits 1968 erblickten die Vips das Licht der Welt. Ihr erster Auftritt erfolgte jedoch nicht zwischen zwei Buchdeckeln, sondern auf der Kinoleinwand. Der erst vier Jahre später in Deutschland veröffentlichte Zeichentrickfilm „VIP – Mein Bruder, der Supermann“ stammt vom italienischen Animator und Regisseur Bruno Bozzetto, der 1960 bereits den legendären „Signor Rossi“ - welcher als „Herr Rossi“ auch bei uns mit zahlreichen Abenteuern die Bildschirme unsicher machte - erfand. Bevor er sich den Superhelden widmete, inszenierte Bozzetto mit „Der wildeste Westen“ (1965) eben jenes Genre und lieferte 1976 mit „Allegro non troppo“ eine „Fantasia“-Parodie vor, die Disneys Animationsklassiker von 1940 gehörig auf die Schippe nahm.

Passend zur Comic-Fortsetzung, die rund 40 Jahre auf sich warten ließ, gibt es „VIP – Mein Bruder, der Supermann“ und auch Bozzettos „Der wildeste Westen“ und „Allegro non troppo“ nun komplett überarbeitet in Bild und Ton fürs Heimkino. „Die Welt des Bruno Bozzetto“ wurde jüngst von Koch Media mit zahlreichem Bonusmaterial auf DVD und Blu-ray veröffentlicht und man kann nun in bestmöglicher Qualität in Kindheitserinnerungen schwelgen.

Il buon vino non vuole frasca *

Und genau so verhält es sich auch mit guten Comics. Eine Vielzahl meiner diesjährigen Top-Titel haben sich klammheimlich in die Händlerregale geschlichen. Als würden sie regelrecht darauf warten, ohne Vorschusslorbeeren und höchstens durch Mund-zu-Mund-Propaganda entdeckt zu werden. „Minivip & Supervip: Das Geheimnis des Hin-und-Weg“ ist ebenfalls so ein Comic. Einer der Sorte, die nach einem ersten Blick aufs Cover vielleicht noch nicht unbedingt ein sabberndes Will-ich-haben-Gefühl beim potentiellen Käufer auslösen, jedoch neugierig machen. Allein der wuchtige Umfang des Hardcovers fällt direkt ins Auge und macht als abgeschlossener Einzelband so mancher prunkvollen Gesamtausgabe Konkurrenz.

Die Zeichnungen von Grégory Panaccione erscheinen auf den ersten Blick nicht sonderlich aufwendig, orientieren sich aber stilistisch an dem Zeichentrick-Klassiker von 1968, was besonders Kennern des Films positiv ins Auge fallen dürfte. Tatsächlich sind Panacciones Illustrationen extrem abwechslungsreich. Dies zeigt sich in schönen Perspektivwechseln, ganzseitigen Landschaften und vielen kleinen Details, was als Gesamtes eine schöne Mischung aus Nostalgie und moderner Kunst hervorbringt. Gleich mehrmals wird auf den filmischen Vorgänger verwiesen, den man aber nicht zwingend kennen muss, um seine helle Freude an dem Buch zu haben. Genre-Freunde werden auch immer wieder durch kleine Insider-Gags zum Schmunzeln gebracht.

Fazziti:

Mit „Minivip & Supervip: Das Geheimnis des Hin-und-Weg“ hat der Bielefelder Splitter Verlag eine echte Perle auf den Markt gebracht, die sich an eine Vielzahl von Lesern richten dürfte. Thematisch brandaktuell, mischt sich hier ein humorvolles Superhelden-Abenteuer mit ökologischer Botschaft, die zwar nicht mit dem Holzhammer um die Ecke kommt, aber deutlicher nicht sein könnte. Fein abgestimmt und durchaus treffend.

 

* Guter Wein braucht kein Aushängeschild

Minivip & Supervip: Das Geheimnis des Hin-und-Weg

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