Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Wer mit der chinesischen bzw. taiwanesischen Kultur und deren Geschichte nicht ansatzweise vertraut ist, könnte es ein wenig schwer haben. Einige Details werden so auf der Strecke bleiben. Die wichtigsten Ereignisse werden in Fußnoten erklärt, was aber etwas ausbremst.

Zeichnung

Das Charakter-Design mag nicht sonderlich spektakulär erscheinen, aber die abwechslungsreichen Perspektiven und das kreative Auf- und Durchbrechen der Panelstrukturen verdient lobenswerte Beachtung. Ebenfalls die stilistische Vielfalt.

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Marcel Scharrenbroich
(Pop-)Culture-Clash

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Jun 2020

Zwischen lokaler Politik und weltweiter Kultur

Im Grunde besteht „Meine 80er – Eine Jugend in Taiwan“ aus aneinandergereihten Episoden aus dem Leben eines Heranwachsenden. Angefangen in den 70er-Jahren. Von den Spielzeug-Wünschen, die sich nicht erfüllen lassen, und man erfinderisch werden musste, um das Objekt der Begierde doch noch sein Eigen nennen zu dürfen. Mit ein wenig Hartnäckigkeit (und einem reichen Onkel, der die Flocken gern durch die Gegend wirft) gelangt man manchmal eben auch zum Ziel. Dann natürlich das Leben mit nur drei(!) TV-Sendern… was bei uns nicht anders war. Während in Taiwan aber das Baseball-Fieber ausbrach und sich die Menschen in Scharen vor der Glotze tummelten, waren es hierzulande „Der große Preis“, „Dalli Dalli“ oder „Am laufenden Band“, die in der Pre-„Wetten, dass..?“-Ära für hohe Einschaltquoten sorgten… Fußball-EM oder-WM mal außen vor gelassen. Außerdem wird die große Verehrung des Martial Arts-Meisters Bruce Lee thematisiert. Und ebenso dessen tragischer Tod, der 1973 das ganze Land lähmte und nicht nur die internationale Filmwelt in Trauer versetzte. Der Hype um den Kino-Star war groß. So groß, dass Kung-Fu zum Volkssport wurde… und die selbsternannten Profis sich wild auf den Schulhöfen prügelten. So oder so, war Bruce Lee eine Inspiration. Auch, da er ein politisches Sprachrohr war und der Tyrannei ebenso den Kampf ansagte, wie seinen bemitleidenswerten Gegnern auf der Leinwand (außer Chuck Norris… der kann nämlich Feuer machen, indem er zwei Eiswürfel aneinander reibt). Mit Politik hat unser junger Erzähler, der uns durch die Etappen seiner Kindheit führt, zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht viel am Hut. Den Umbruch, den Taiwan in diesen Tagen erlebt, bekommt er nur als Randnotiz mit. Dennoch herrschte in vielen Bereichen Zucht und Ordnung. Das Strammstehen in der Grundschule, wo regelmäßig das kommunistische Rotchina verteufelt wurde, entfiel zwar in der Mittelschule, dafür wurde genaustens auf die Haarlänge der Schüler geachtet. Runtergeraspelt auf fünf Millimeter und keinen Deut länger! Wollen ja nicht, dass die Burschen rumrennen wie Hippies oder Beatles, nicht wahr? Wo kommen wir denn da hin? Bei den Mädchen war wenigstens noch ein Topfschnitt erlaubt, was… die Sache auch nicht unbedingt besser macht. So ist er halt, der Weg zum Erwachsenwerden: Man hat nix zu melden, muss machen, was die Großen sagen… und hat trotzdem die Zeit seines Lebens!

Unterm Strich sind wir alle gleich

Und das zeigt „Meine 80er Jahre – Eine Jugend in Taiwan“ immer wieder an den zahleichen popkulturellen Beispielen. Vor allem in unserer Kindheit und Jugend, wenn wir noch unbedarft und ohne politische oder kulturelle Prägung in den Tag leben. Jeder Junge mag Spielzeug-Roboter, ist schon mal wie Bruce Lee grell-kreischend durch die Gegend gesprungen, hat die Zeit beim daddeln von Videospielen vergessen und große Augen beim ersten Mal „Star Wars“ gemacht. Die Popkultur eint uns… immer wieder. Ob beim Breakdance-Hype in den 80ern, den irren Moves von Michael Jackson, der über die Bühne zu schweben schien, oder beim Bolzen mitten auf der Straße… und wenn der Fußball sich wieder mal im Garten des dauer-griesgrämigen Nachbarn verirrt hat. Da sind wir alle gleich… was sich immer wieder am Beispiel von Kindern zeigt, deren Muttersprache sich unterscheidet und somit einen verbalen Austausch unmöglich macht. Und was passiert, wenn sie aufeinandertreffen? Sie spielen gemeinsam, denn IHRE Sprache ist universell. Stell mal zwei Erwachsene in einen Raum, die durch sprachliche Barrieren kein Wort miteinander wechseln können… dann hörst Du die Grillen zirpen...

Sean Chuang zelebriert diese Augenblicke in seiner autobiographischen Graphic Novel regelrecht. Der langjährige und erfolgreiche Werbefilmer, der in seiner bisherigen Karriere über 400 Spots gedreht hat, scheint die 80er wirklich zu lieben. Er selbst beschreibt diese Zeit für sich als „vielfältig“ und „lebendig“. Eine Zeit, auf der das Leben noch nicht zum Großteil auf rechteckigen Touchscreens und Bildschirmen stattfand. Was heute liebevoll „Retro“ genannt wird, war unsere Kindheit. Für die heutige heranwachsende Generation kaum noch vorstellbar, für viele von uns aber die schönste Zeit überhaupt. Entschleunigt und „analog“… zumindest im Gegensatz zum heutigen High-Speed-Tempo, wo die Zeitung von heut Früh schon das Altpapier von Morgen ist. Für mich persönlich ist es schade, wenn ich mich mit Baujahr ’79 selber sagen höre „Heut möchte ich kein Kind mehr sein“. Vielleicht liegt es einfach daran, dass man einen direkten Vergleich hat… aber wer weiß, was die aktuell junge Generation in 30 bis 40 Jahren über ihre Zeit sagen wird. MEINE 80er fanden fast nur draußen statt, wo mir Höhlen bauten, auf Bäume kletterten, runterfielen, wieder raufkletterten… und als wir heimkamen (wenn die Laternen angingen) aussahen, als kämen wir gerade aus dem Krieg zurück. Blaue Flecken, aufgescheuerte Knie, so dreckig, dass wir mit Klamotten duschen konnten… und mit ‘nem halben Pfund Sand im Magen. Hach… ich vermisse den letzten Sommer.

Ansichtssache

Manche mögen dem zuvor gesagten vielleicht beipflichten, andere werden es wieder gegensätzlich sehen. Das ist selbstverständlich ein individuelles Empfinden, welches jeder unterschiedlich verspürt… abgesehen von Kulturkreis, Religion, sozialem Stand und Erinnerung ans eigene Heranwachsen. Die Erfahrungen von Sean Chuang, die er für seine Recherche an „Meine 80er Jahre – Eine Jugend in Taiwan“ heranzog, stammen ALLESAMT aus Erinnerungen. Fotos gab es aus dieser Zeit so gut wie keine. Fotografieren galt damals noch als Luxus und von taschengroßen Digital-Apparaten war man noch Jahrzehnte entfernt.

Trotzdem fängt Sean Chuang das Erlebte beeindruckend gut ein. Aus der Sicht eines Kindes, das den damaligen politischen Umbruch und die Aufhebung des Kriegsrechts vor allem durch bis dato unbekannte Freiheiten empfand. Die Demokratie war eingezogen und eine gänzlich neue Welt stand den Kids offen. Besonders die Popkultur, die auch eindringlich in Bildern festgehalten wird. Stilistisch von Chuangs Manhua-Charakteren abweichend, kommen so realistische Figuren ins Spiel. Etwa Bruce Lee, James Coburn, ein Chuck Norris, der gerade Bruce Lees Fuß in die Schnauze geballert bekommt („Die Todeskralle schlägt wieder zu“; Hongkong 1972), die Helden von MARVEL und DC, Rocky Balboa in Siegerpose oder ein Filmplakat-Auszug aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Das alles wird mit einer Menge Humor, wohligem Charme und viel Kreativität umgesetzt. Auf Panelgrenzen verzichtet Sean Chuang weitestgehend und lässt die Einzelbilder auch schon mal ineinanderlaufen. So ergibt sich ein rasanter Lesefluss, der eine Menge Spaß macht und zum Schwelgen in eigene Erinnerungen einlädt.

Fazit:

Nostalgie mal anders. Obwohl Taiwan ein paar Meter entfernt ist, gibt es weniger Unterschiede, als man meinen könnte. Ein durchaus amüsanter Trip in die 70er- und 80er-Jahre.

Der große Umfang des hochwertigen Softcover-Bandes aus dem Hause Chinabooks ist der Tatsache geschuldet, dass die Erzählung gleich in doppelter Ausführung vorliegt. Die zweite Hälfte enthält „Meine 80er Jahre – Eine Jugend in Taiwan“ in der chinesischen Originalsprache. Wohl gemerkt, in der vereinfachten Kurzzeichen-Variante, wie sie heutzutage in Festlandchina, Malaysia und Singapur gebraucht wird. Die deutsche Übersetzung stammt von Marc Hermann.

Meine 80er Jahre: Eine Jugend in Taiwan

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