Luther Strode (Gesamtausgabe)

Luther Strode (Gesamtausgabe)
Luther Strode (Gesamtausgabe)
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Marcel Scharrenbroich
5

Comic-Couch Rezension vonAug 2022

Story

Dünn, dünner, "Luther Strode". Ein nur zu bekannter, wenn auch immer wieder interessanter Ansatz reicht nicht, um über 18 gestreckte Kapitel zu unterhalten. Action um der Action Willen, viel mehr bleibt nicht haften.

Zeichnung

Schaut man hinter die blutroten Fontänen, lassen sich dynamische Zeichnungen erkennen, die im späteren Verlauf noch flüssiger werden. Dazu finden sich viele tolle Artworks im Bonusteil.

Überstunden im Schlachthaus

„Tritt mich!“

Man kann im geschätzten Duden wahlweise die Begriffe „Opfer“, „Zielscheibe“ oder „Lauch“ nachschlagen, und würde wohl neben jedem einzelnen ein Foto von Luther Strode finden. Ein Vorzeige-Nerd der schmächtigsten Sorte, der die Fäuste seiner Mitschüler anzieht, wie die Motten das Licht. Wortwörtlich geschlagen mit einem gewalttätigen Vater, der Gott sei Dank aus dem Leben der Strodes verbannt wurde, gehört Luther zur ängstlichen Sorte Teenager, die es nicht zu Stande bringt, ein Mädchen auch nur anzusprechen. Gepaart mit dem täglichen Schul-Spießrutenlauf wahrlich keine Freude. Fast schon verzweifelt, jedoch mit dem festen Willen, etwas in seinem Leben zu verändern, ordert Luther ein vielversprechendes Magazin. Allein beim Titel „Das Herkules-Programm“ würden Normalsterbliche schon mit den Augen Rollen, riecht doch hier alles nach einer schnellen Masche, um Leichtgläubigen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Doch Luther glaubt an die motivierenden Weisheiten des Schmökers und schöpft Hoffnung. Er krempelt sein Leben um. Andere Ernährung, Meditation und Training streng nach Lehrbuch. Und überraschenderweise… mit Erfolg!

Schon bald bemerkt Luther Veränderungen. Nicht nur körperlich. Neben erstaunlich rasanter Muskelbildung haben sich auch seine Sinne geschärft. Schnellere Reflexe und eine schon fast lebhafte Intuition. Das kommt ihm in der Schule sehr zu Gute, denn schon die nächste Aktion seines Haus-und-Hof-Mobbers geht kräftig nach hinten los. Luther schlägt zurück… und ganz und gar nicht so verweichlicht, wie sein Gegenüber es erwartet hätte. Das schafft Eindruck. Nicht nur bei seiner angebeteten Petra, sondern bei all seinen Mitschülern.

Nachdem Luther und Kumpel Pete mitten in einen bewaffneten Überfall auf einen Drugstore geraten und Luther die beiden Ganoven fast schon spielerisch zusammenfaltet, kommt Pete eine blendende Idee. Für ihn steht außer Frage, dass sein Freund über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt. Fähigkeiten, die dafür genutzt werden sollten, Gutes zu tun. Schnell werden schwarze Klamotten organisiert… und natürlich eine Maske. Welcher Superheld kommt schließlich ohne Maske aus. Anfangs noch etwas skeptisch, kloppt Luther Strode sich schon bald kreuz und quer durch die Unterwelt. Natürlich nicht, ohne reichlich Staub aufzuwirbeln und sich weitere Feinde zu machen. Eine besonders einprägsame Begegnung verkündet ihm dann aber, dass er durchaus zu Größerem imstande wäre. Er habe gewisse „Talente“, die „Das Herkules-Programm“ nur zu Tage gefördert hat…

Triple-Trouble

Die gesamte „Luther Strode“-Saga besteht aus den drei Story-Arcs „The Strange Talent of Luther Strode“, „The Legend of Luther Strode“ und „The Legacy of Luther Strode“. Jeder Arc umfasst sechs Kapitel bzw. sechs Einzelhefte, die im Original im amerikanischen IMAGE Verlag veröffentlicht wurden. Geschrieben wurde der ganze Bums von Justin Jordan. Der US-Amerikaner schrieb bereits für zahlreiche namhafte Verlage, dürfte aber vor allem für seine Arbeiten im „New 52“-Universum von DC bekannt sein. Neben „Superboy“ und „Deathstroke“ schrieb er für 22 Hefte der zwischen 2011 und 2015 erschienenen Reihe „Green Lantern: New Guardians“.

Es ist schwer zu glauben, dass das Niederschreiben des „Luther Strode“-Plots Justin Jordan mehr als eine DIN-A4-Seite gekostet hat. Davon abgesehen, dass die Story eines schwächlichen Nerds, der über sich hinauswächst, älter ist als das gesamte Superhelden-Genre (siehe „Spider-Man“, „Shazam!“, „Kick-Ass“…), bleibt außer dieser altbekannten Prämisse nicht mehr viel übrig. Zumindest nicht so viel, dass 18 Hefte gehaltvoll gefüllt werden könnten. Die Entwicklung zur kantigen Kampfmaschine wird erstaunlich schnell vollzogen. Nur gut so, denn so bleibt mehr Platz für ausartende Gewaltorgien, in denen im Akkord Herzen herausgerissen, Menschen entbeint oder einfach mit einem gezielten Faustschlag durchbohrt werden. Blutfontänen, zerteilte Körper und Köpfe, zersplitternde Knochen… hab‘ ich noch was vergessen? Ach ja, die Fäkalsprache, die jeden Gossen-Rapper zum Poeten mit weißer Weste emporhebt. Gefühlt keine Seite kommt ohne wilde Flüche, Beleidigungen und Asi-Jargon aus. Der gute Luther hält eh meist das Maul, da er mit Filetieren beschäftigt ist, aber dafür sabbelt seine ätzende Partnerin Petra wie ein gewaltgeiler Wasserfall. Stumpf und ermüdend.

Filigrane Gewaltorgie

Für die Zeichnungen zeichnet sich der damalige Newcomer Tradd Moore verantwortlich. Autor Justin Jordan stieß auf der Künstler-Plattform DeviantArt auf dessen Arbeiten und war sofort Feuer und Flamme. So wurden - kurz nach dem Moore mit „Luther Strode“ debütierte - auch DC und MARVEL auf den aufstrebenden Künstler aufmerksam. So arbeitete er sowohl an „Legends of the Dark Knight“ als auch an „All-New Ghost Rider“. Außerdem steuerte er mehrere Cover zur beliebten „Deadpool“-Reihe bei. 2019 arbeitete er für den Fünfteiler „Silver Surfer: Black“ mit dem Autoren Donny Cates zusammen, den Moore noch aus seiner Zeit an der Kunsthochschule kannte. In Kürze wird er sich Doctor Strange widmen und die geplante vierteilige Mini-Serie „Doctor Strange: Fall Sunrise“ in Eigenregie schreiben und zeichnen.

Moore hat einen sehr flüssigen und filigranen Strich. Das konnte man im psychedelischen „Silver Surfer: Black“ (in Deutsch als „Silver Surfer: Black - Gott der Finsternis“ bei PANINI erschienen) bereits sehr gut erkennen, auch wenn die poppigen Farben vom Meister-Koloristen Dave Stewart daran einen gewichtigen Anteil haben. „Luther Strode“ kommt hingegen - speziell in den ersten Kapiteln - noch deutlich kantiger daher. Mit feinen Strichen hebt Moore dort jede Kleinigkeit hervor, was besonders im übertriebenen Muskelspiel eine Spur zu drüber erscheint. Wenn selbst die Muskeln Muskeln zu haben scheinen, fühle ich mich fast an die klobigen Klopse aus „Fist of the North Star“ erinnert, womit wir dann wieder den Pfad zum hohen Gewaltgrad einschlagen können. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt nicht, denn es reiht sich eine Action-Szene an die vorherige. Moore kann derart entfesselt auf die Kacke hauen, dass die limitierte Story zwischenzeitlich komplett egal wird. Ein Grund sich aufs Maul zu hauen findet sich immer irgendwie. Nicht selten überspannt Tradd Moore den Bogen, was zu Lasten der Übersicht geht. Dann wird es hektisch, schnell und etwas zu explosiv. Ansonsten können sich seine Zeichnungen sehen lassen, was auch an den häufigen Perspektiv-Wechseln und Kampf-Montagen liegt.

Im XL-Bonusteil gibt es noch mal richtig was auf die Augen. Dieser besteht aus Variant-Covern, Postern, Illustrationen, Charakterdesigns und Artworks von Gastkünstlern. Letztere hätte ich sehr gerne ganzseitig gesehen, doch leider wurden jeweils zwei Motive im Querformat auf eine Seite gepackt. Auf ein paar mehr Seiten wäre es nun wirklich nicht mehr angekommen…

Fazit:

Die Hardcover-Gesamtausgabe von CROSS CULT ist einer jener wuchtigen Backsteine, die man einem nervenden Gegenüber selbst ohne Anlauf durch die Kauleiste zimmern könnte (nicht machen!), um damit noch den maximalen Schaden anzurichten. Inhaltlich eher flach und größtenteils sogar einfallslos, werden zumindest Splatter-Puristen sich an der fein gezeichneten Sauerei erfreuen können.

Luther Strode (Gesamtausgabe)

, Tradd Moore, Cross Cult

Luther Strode (Gesamtausgabe)

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