Let's Play - Teil 1

  • LYX
  • Erschienen: Juni 2023
  • 0
Let's Play - Teil 1
Let's Play - Teil 1
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Marcel Scharrenbroich
7101

Comic-Couch Rezension vonMär 2024

Story

Den weltweiten Erfolg kann ich noch nicht ganz nachvollziehen, mochte aber die herzliche Art des Buches. Mal schauen, wohin die Reise noch geht…

Zeichnung

Starke Manga-Einflüsse, ohne jedoch den japanischen Charme einzufangen. Dafür bin ich schockverliebt in Bowser, dem man jeden Gemütszustand am knautschigen Gesicht ablesen kann.

Die Abrissbirne von nebenan

„Nachbarn sind die Prüfungsaufgaben, die uns das Leben stellt.“
-Marcel Achard (französischer Dramatiker; 1899 – 1974)

Die introvertierte Sam Young ist schon seit frühster Kindheit leidenschaftliche Gamerin mit Leib und Seele. Schon immer war es ihr größter Traum, ihr eigenes Videospiel zu veröffentlichen. Während des Studiums schlug Sam sich die Nächte um die Ohren, um ihr Indie-Game „Ruminate“ fertigzustellen. Zwar hat sie einen Job in der IT-Firma ihres Vaters, doch insgeheim hofft sie, mit Hilfe von „Ruminate“ die Aufmerksamkeit namhafter Spieleentwickler und Publisher auf sich zu ziehen. Dazu veröffentlicht Sam ihr Spiel auf der Entwickler-Plattform „Indigineer“, wo User das kostenfreie Game zocken und bewerten können. Das läuft zu Beginn auch ziemlich gut…, bis der bekannte Streamer und Influencer Marshall Law ziemlich halbherzig über „Ruminate“ stolpert. Er kritisiert alle Ecken und Enden des Spiels, ohne dessen Kern überhaupt erfasst zu haben. Das scheint zu dem aalglatten Schönling zu passen, dem unglücklicherweise eine geballte Follower-Schar folgt. Sie torpedieren „Ruminate“ mit grottenschlechten Bewertungen, was die schüchterne Sam in eine wahre Krise stürzt.

Als wären der Shitstorm über „Ruminate“ und die damit verbundene Ausschließung von der Entwickler-Plattform nicht schon genug, bekommt Single Sam auch noch einen neuen Nachbarn ins Haus gesetzt. Und jetzt ratet mal, wer das sein könnte? Richtig… der Typ, der Sams Träume geoneshottet hat. Ihr ganz persönlicher Endgegner: Marshall Law.

Gamer erwünscht

Wie Titel und Inhaltsangabe schon vermuten lassen, richtet sich „Let’s Play“ vornehmlich an Zockerinnen und Zocker. Im Comic gibt es nämlich reichlich Anspielungen auf Videogames und es sollten zumindest Grundkenntnisse im Gamer-Speech vorhanden sein. Wer bei den Abkürzungen RPG oder FPS schon an seine Grenzen stößt, wird den ersten Level nur mit Mühe meistern. Sieht man von dem Story-Aufhänger rund ums Gaming aber mal ab, ist „Let’s Play“ aber auch eine humorvolle Slice-of-Life-Geschichte mit einem gehörigen Schuss Romantik. Hier wird zwar kein Genre neu erfunden, aber Sam Young ist eine überaus sympathische Hauptfigur, mit der man gerne durch Dick und Dünn geht. Außerdem hat sie mit Bowser den wohl knuffigsten, kartoffelförmigen Vierbeiner der jüngsten Comic-Vergangenheit als Sidekick an ihrer Seite, dem im Anhang gleich noch eine Bonus-Story spendiert wurde.

OPTIONEN: NEUEN CHARAKTER ERSTELLEN

Geschaffen wurde „Let‘s Play“ von der Amerikanerin Leeanne M. Krecic, auch bekannt unter ihrem Künstlernamen „Mongie“. Auf der Comic-Plattform WEBTOON feierte ihre Serie enorme Erfolge und wurde sogar für den renommierten Eisner Award nominiert. Persönlich sehe ich „Let’s Play“ dort nach dem ersten gedruckten Band aus dem Hause LYX noch nicht, aber das kann ja noch werden. Immerhin stehen wir noch ganz am Anfang von Sams Reise.

Leeanne M. Krecics zeichnerische Einflüsse sind ganz klar im Manga-Bereich zu verorten. Offensichtlich digital erstellt, fehlt es ihnen aber an Schwung. Die kantigen und fast schon zu sauberen Zeichnungen wirken oft steril, was durch die eintönige Kolorierung nur noch verstärkt wird. Farbverläufe sieht man nur allzu selten und auch Schattierungen werden meist nur minimal angedeutet. Dunklere Farben sind dann derart kräftig, dass sie die Outlines regelrecht verschlucken. Für die zahlreichen humorvollen Elemente hat Leeanne M. Krecic auf den knuddeligen, stark übertriebenen Chibi-Stil zurückgegriffen. Bis zu einem gewissen Grad ist das durchaus erfrischend und lustig, wird aber mit der Zeit überstrapaziert. Fast mit einer TV-Sitcom vergleichbar, die mir durch eingespielte Lacher zeigen soll, wann ich etwas komisch zu finden habe.

Fazit:

Die schüchterne, nerdige Sam ist eine Hauptfigur, mit der man sich leicht identifizieren kann. In ihrem herzlichen Umfeld fühlt man sich zudem gleich wohl. Die Handlung selbst würde ich als seicht bezeichnen. Dennoch wurde ich mit „Let’s Play“ für ein paar Stunden gut - wenn auch nicht nachhaltig - aus dem Alltag geholt.

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