Laura Dean und wie sie immer wieder mit mir Schluss macht

Erschienen: Mai 2021

Couch-Wertung

10
Story
Zeichnung

Story

Ich habe mitgefühlt, mich geärgert und dann trotzdem mit Freddie geweint, wenn Laura Dean mal wieder mit ihr Schluss gemacht hat. Nicht nur die Hauptfigur wird gut charakterisiert, denn auch die Nebenfiguren fühlen sich wie „echte“ Menschen an. Auch die Wandlung von Freddie hat mir sehr gefallen.

Zeichnung

Die Schwarz-Weiß-Bilder mit den blassrosa Akzenten sehen wunderschön aus. Der Manga-Einfluss ist sehr klar erkennbar, vor allem in den Gesichtszügen der Figuren. Diese sind, sowohl die Hauptfiguren als auch die „Statisten“, sehr divers und machen die Welt authentisch.

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Nina Pimentel Lechthoff
Jojo-Beziehung in der High School

Comic-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Jul 2021

Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

Freddie liebt Laura Dean. Der Tag, an dem sie Freddies Freundin wurde, ist der glücklichste in Freddies Leben. Laura Dean ist die absolute Traumfrau. Sie sieht toll aus, ist sehr charismatisch und das beliebteste Mädchen der Schule. Was Freddie aber auch schnell lernt: Laura Dean ist was Beziehungen angeht nicht die Beste. Ständig macht sie mit Freddie Schluss – nur um kurze Zeit später wiederzukommen als wäre nichts gewesen. Das stürzt Freddie immer wieder ins Gefühlschaos, was auch dazu führt, dass ihre Freundinnen und Freunde sich immer mehr von ihr distanzieren. Aber Laura Dean ist doch ihre große Liebe, oder nicht? Aber sollte die Liebe wirklich so viel Leid mit sich bringen?

What is Love? Baby Don't Hurt Me... No More

Was ist Liebe? Das ist die große Frage, die Mariko Tamaki und Rosemary Valero-O'Connell in „Laura Dean und wie sie immer wieder mit mir Schluss macht“ ergründen. Aber auch das Erwachsenwerden und Freundschaften stehen im Vordergrund. Denn der Comic ist eine waschechte Coming-of-Age-Geschichte. Die junge Schülerin Freddie ist im letzten Jahr der High School und jobbt nebenbei in einem Burgerladen. Mit ihrer besten Freundin aber sammelt sie alte Plüschtiere, die sie in Second-Hand-Läden kaufen und zusammennähen. Ihre Reise zum Erwachsenwerden führt sie zu ihrer Beziehung mit Laura Dean. Dass Freddie lesbisch ist, ist nicht die Frage. Das finde ich sehr erfrischend, denn Geschichten, in denen die Protagonistin ihre Sexualität „entdeckt“, weil sie sich in ein anderes Mädchen verliebt, gibt es zuhauf. Freddie macht sich keine Sorgen darum, ihr Coming-out scheint schon lange vor dieser Geschichte geschehen zu sein. Es geht wirklich nur darum, dass Freddie in Laura Dean verliebt ist und dass sie Freddies Herz regelmäßig mit den Füßen zertrampelt.

Dabei schaffen es die Macherinnen, Freddie zu einer abgerundeten Figur zu machen. Ich habe sehr mit ihr zusammen gelitten, wenn Laura Dean immer wieder mit ihr Schluss gemacht hat. Dann war ich sehr enttäuscht, dass Freddie einfach so wieder mit ihr zusammen war oder dass sie ihren Freundeskreis mal wieder wegen Laura Dean im Stich gelassen hat. Trotzdem habe ich immer verstanden, warum Freddie so handelt, wie sie es tut.

Da der Fokus in „Laura Dean und wie sie immer wieder mit mir Schluss macht“ hauptsächlich auf Freddie und ihrer Beziehung zu Laura Dean liegt, bleiben die anderen Figuren etwas im Abseits. Auch wenn ich als Leserin nicht so viel Zeit mit Freddies Freundeskreis verbracht habe, waren sie für mich trotzdem vollwertige Figuren. Ich kann mir wirklich gut vorstellen, wie sie abseits der Hauptgeschichte ihre eigenen Abenteuer und Dramen erleben.

Manga goes West

Der Zeichenstil von Rosemary Valero-O'Connell hat sehr starke Manga-Vibes. Die Figuren haben sehr ausdrucksstarke Gesichter. Die Augen sind sehr groß, aber immer noch im Rahmen, der Mund ist meistens eher ein Strich als sehr detailliert ausgearbeitet. Was mir sehr gut gefällt, ist die Diversität der Figuren – nicht nur was Geschlecht und Sexualität angeht. Die Geschichte spielt in Berkley, Kalifornien. Freddie hat asiatische Züge, in ihrem Freundeskreis gibt es viele People of Color. Aber auch im Hintergrund tummeln sich alle möglichen Leute herum, was dem Comic einen sehr authentischen Look verleiht.

Mein Highlight von „Laura Dean und wie sie immer wieder mit mir Schluss macht“ ist aber die Kolorierung. Zwar sind die meisten Panels in Schwarz-Weiß, immer wieder setzt Valero-O'Connell aber Akzente in Blassrosa ein. Mal ist der Panelhintergrund komplett in der Farbe, mal die Figuren oder kleine Details in den Panels.

Mir gefällt es auch sehr, wie die Seiten gestaltet sind. Die Größen und Anordnung der Panels sind sehr unterschiedlich, die Seiten fließen einfach so beim Lesen. Vor allem emotionale Momente bekommen durch die dynamischen Panels sehr viel Wucht, wenn sich etwa nach einem herzzerbrechenden Dialog zwei Figuren umarmen. Der Dialog an sich passiert in kleineren Panels, die Umarmung aber erstreckt sich als einzelnes Bild über zwei Seiten. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich da nicht mit den Tränen gekämpft hätte.

Fazit:

„Laura Dean und wie sie immer wieder mit mir Schluss macht“ ist eine absolute Leseempfehlung! Ich bin sowieso ein Fan von Autorin Mariko Tamaki. Sie beweist mit dem Comic aber mal wieder, warum sie eine der interessantesten Autorinnen der Comic-Branche ist. Aber auch Rosemary Valero-O'Connell hat jetzt meine Aufmerksamkeit erregt und dieser Comic wird definitiv nicht der letzte sein, den ich von ihr lese. Die beiden Macherinnen haben mit „Laura Dean und wie sie immer wieder mit mir Schluss macht“ eine herzergreifende Coming-of-Age-Geschichte mit interessanten Figuren geschaffen, die sowohl auf Text-, aber vor allem auf Bildebene unfassbar gut funktioniert!

Laura Dean und wie sie immer wieder mit mir Schluss macht

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