Joker: Killer Smile

Erschienen: Februar 2021

Couch-Wertung

10
Story
Zeichnung

Story

Wenig Text, trotzdem ist die Geschichte sehr greifbar, auch wenn ich den Comic zweimal lesen musste, bis es bei mir „klick“ gemacht hat. Bei diesem Comic liegt der Fokus sehr deutlich auf der Bildsprache.

Zeichnung

Wundervoll, fabelhaft, unfassbar verstörend – Andrea Sorrentino macht den langsamen Verfall der Hauptfigur mit Hilfe von kreativen Panelstrukturen und eindrucksvollen Bildern sehr deutlich. Vor allem das „Kinderbuch“ hat mich aber sehr gepackt.

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Nina Pimentel Lechthoff
Lach doch mal, Bruce!

Comic-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Apr 2021

Der Therapeut des Jokers

Wenn man an den Joker und Therapie denkt, muss ich unweigerlich an die etwas naive, aber äußerst talentierte junge Psychologin Harleen Quinzel denken. Doch nicht sie therapiert den Joker, sondern der ehrgeizige Dr. Ben Arnell. Er will aber nicht nur verstehen, was im undurchdringlichen Geist des Psychopathen Jokers vor sich geht. Nein, Dr. Arnell will den Joker heilen! Doch wie sagte Nietzsche schon? „Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ Je mehr Dr. Arnell versucht, in die Gedankenwelt des Jokers einzutauchen, desto mehr scheint der Joker selbst überhand von Dr. Arnell zu nehmen. Davon ist nicht nur der Therapeut selbst betroffen, auch seine Frau und sein Sohn werden in den Strudel des allmählichen Wahnsinns hineingezogen.

Batman – Verrückter im Fledermauskostüm?

Das Hardcover „Joker: Killer Smile“ vereint die titelgebende Miniserie und den One-Shot „Batman: The Smile Killer“. Während Batman in der Miniserie nur am Rande eine Rolle spielt, ist er – wie der Name es vielleicht schon verrät – die Hauptfigur der letzten Geschichte. Darin jagt er mal wieder den Joker, der mal wieder aus Arkham Asylum ausgebrochen ist und mal wieder jede Menge Leute umgebracht hat. Doch beim Kampf mit dem Joker passiert etwas und Batman ist nicht mehr Batman, sondern Bruce – und dieser steckt selbst in Arkham fest. Sind seine Erinnerungen an seine Batman-Abenteuer real oder nur eine Ausgeburt seiner kranken Psyche?

Horror-Trip im Arkham Asylum

Der Joker macht seinen Therapeuten zu seinem Handlanger und ist Bruce Wayne nicht vielleicht am Ende der Verrückte? Das sind Szenarien, die man in der Comic-Welt rund um Batman und Co. schon mehrmals zu lesen bekommen hat. Warum hat man also noch mehr solcher Geschichten grünes Licht gegeben? Und warum bringt Panini diese Bände als Sammelausgabe im Hardcover auf den Markt?

Allein schon das Kreativ-Team sollte alle Zweifel aus dem Weg räumen. Jeff Lemire und Andrea Sorrentino haben jeder für sich schon tolle Arbeiten abgeliefert. Mit „Gideon Falls“ haben sie aber nicht nur eine spannende Geschichte ins Leben gerufen, sondern gleich den Eisner Award 2018 für die beste neue Serie abgeräumt.

„Joker: Killer Smile“ ist eine gelungene Fortsetzung dieser Zusammenarbeit. Ohne viel über die Story zu verraten – am besten ist es da wirklich unvoreingenommen und unwissend heranzugehen – kann ich sagen, dass ich Jeff Lemire als Autor immer mehr schätze. Mit wenigen Dialogen und noch weniger Text schafft er es, eine spannende Geschichte zu erzählen und komplexe Figuren zu erschaffen. Zwar war ich zeitweise etwas überfordert mit einigen Wendungen, aber nach einem zweiten Durchlesen haben sich viele Fragezeichen aufgelöst.

Wenig Text lässt viel Raum für die Bilder, und das zahlt sich aus. Sorrentino wechselt gekonnt zwischen alltäglichen Szenen – Arnells Familie sitzt gemeinsam am Frühstückstisch, Joker und Arnell unterhalten sich, Arnell fährt Auto – und wahrhaftigen Horror-Trips. Dabei löst Sorrentino die anfangs aufgebauten und etablierten Panelstrukturen auf und gibt so einen Einblick in den Wahnsinn, der sich langsam aber sicher in Arnells Kopf breit macht. Wie z.B. als Arnell meint, auf der Herrentoilette vom Arkham Asylum eine Leiche liegen zu sehen. Die Seite davor zeigt, wie Arnell Blut an der Kloschüssel sieht und auf eine blutige Tür aufmerksam wird und diese öffnet. Diese Szene, also wie Arnell die Klotür aufmacht, wird in Panels dargestellt, die aussehen wie Zähne. Diese Zähne sind so um das Bild der blutbeschmierten Klotür positioniert, als würde man aus einem lachenden Mund heraus das alles beobachten. Also, wie gesagt… Horror-Trip.

Happy Tree Friends in Gotham

Vor vielen, vielen Jahren war eine Animationssendung sehr beliebt, in der knuffig gezeichnete Tiere grausamst gestorben sind. Dieser Kontrast zwischen abstoßend und niedlich hat mich damals auch in seinen Bann gezogen – und die Macher von „Joker: Killer Smile“ wohl anscheinend auch. Denn zwischendurch liest Dr. Arnell seinem Sohn aus einem Kinderbuch vor, das gut und gerne Teil des „Happy Tree Friends Extended Universe“ hätte sein können. Darin wird die Geschichte vom Clown Mister Grins erzählt, der in einem Städtchen namens Glücksdorf die Bewohner terrorisiert. Dabei stechen diese Seiten sehr deutlich hervor, denn sie sehen wirklich aus wie aus einem Kinderbuch entrissen.

Fazit:

„Joker: Killer Smile“ ist trotz der meiner Meinung nach einfallslosen Grundidee ein absolut lesenswerter Psychothriller. Ich habe die Story zwar erst beim zweiten Lesen so richtig verstanden, dafür waren mir die Bilder und die Panels von Sorrentino sofort klar. Mir gefällt es sehr, wie er von Alltag auf Wahnsinn schnell umschalten kann. Vor allem aber das „Kinderbuch“ um Mister Grins hat mich sehr fasziniert.

Joker: Killer Smile

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