Text:   Zeichner: Skottie Young

I hate Fairyland - Buch Eins

I hate Fairyland - Buch Eins
I hate Fairyland - Buch Eins
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Marcel Scharrenbroich
9101

Comic-Couch Rezension vonFeb 2026

Story

Frei nach dem Motto „Was dich nicht umbringt, macht dich härter“, kloppt, schießt und schnetzelt sich eine Erwachsene im Körper eines Kindes durch Horden von Fabelwesen. Das MUSS man einfach lieben!

Zeichnung

Skottie Young in kreativer und exzessiver Höchstform. Punkt.

Farben! Ich sehe… FARBEN!

You had ONE job…

Wäre das nicht toll, wenn ein großer Wunsch plötzlich Wirklichkeit wird? Nun, für die Menschheit möchte ich nicht hoffen, dass meiner in Erfüllung geht, aber bei der kleinen Gertrude hat es ganz wunderbar geklappt! Zumindest vorerst. Das grünhaarige Mädchen (zu viel Spinat, was?) wünschte sich nichts sehnlicher, als ihr knuffig-tuffiges rosa Kinderzimmerchen gegen ein ganzes Land einzutauschen, wo es noch viiiiiel knuffiger und tuffiger ist. Mit… mit… mit Prinzessinneeen, einer Königiiin... und… und… gaaaaanz viel tollen, neuen Freunden. So richtig bunt und schön und mit Zauberei und so. Da kann man ganz viel Lachen und Spaß haben! Jaaa??? NÄÄÄ… AM ARSCH kann man das!

Nachdem es Gertrude aus ihrem Zimmer gesaugt hat, stürzt sie im freien Fall in Richtung Märchenland. Krachend auf dem Boden der Tatsachen angekommen, stellt sich ihr erstmal freudestrahlend Königin Wolke vor, die Herrscherin über das magische Reich. Geprellt, durchgeschüttelt und ordentlich verrenkt, bereut Gertrude schnell ihren Wunsch. Sie möchte nur schnell wieder nach Hause. In die gewohnte Umgebung ihres knuffig-tuffigen Zimmerchens. Aber… NIX DA!!! HIER WIRD GEMACHT WAS AUF DER TAGESORDNUNG STEHT, FRÄULEIN! UND SO LANGE DU DEINE VERDREHTEN KACKSTELZEN UNTER MEINEN… Jedenfalls erklärt Königin Wolke, dass es tatsächlich eine Tür gibt, die das Mädchen zurückbringen könnte. Dazu muss sie nur einen Schlüssel finden. Zur Unterstützung drückt sie Gertrude eine Karte des Märchenlands und eine adrett gekleidete Scheißhausfliege namens Larrigon Wentsworth III., oder einfach kurz Larry, in die zersplitterte Hand. Er soll Getrudes Führer durchs unbekannte Land sein. Was Pinocchio sein Jiminy Grille, ist Gertrudes Larry… aber auf Crack. So richtig motiviert scheint der sämtlichen Genussmitteln nicht abgeneigte Brummer nämlich nicht. Was soll’s… wie lange kann es schon dauern, einen dämlichen Schlüssel zu finden? Und das auch noch mit Hilfe einer ausführlichen Landkarte?

27 Jahre später: Gert ist noch immer eifrig auf der Suche. Die Stimmung ist aus unerfindlichen Gründen allerdings etwas gedrückt. Woran das liegt? Wohl am ehesten, weil mittlerweile JEDEM im verdammten Märchenland bewusst ist, dass das Mädel etwas dämlich unterm grünen Pony ist. Den hat sie nämlich immer noch. Auch das fluffige rosa Kleidchen. Ob sie dem nicht entwachsen sein müsste? Nein, denn äußerlich ist Gert noch immer das niedliche Mädchen, das vor langer, langer Zeit scheppernd ins Märchenland gekracht ist. Aber innerlich… EIEIEI… innerlich ist sie zur verbitterten Frau mit ungeahntem Gewaltpotential gereift. Mit ÄUSSERSTER (!!!) Brutalität schnetzelt sich Gert nun durch Horden von Elfen, Trollen und sonstig süßem Kroppzeug, welches das mittlerweile verhasste Märchenland ihr vor die Füße kotzt.

Der Königin ist die unberechenbare Abrissbirne mit der kurzen Lunte seit Jahren ein Dorn im Auge. Konnte doch niemand ahnen, dass die dumme Nuss nicht mal einen gottverdammten Schlüssel finden kann! Nur leider gilt Gert noch immer als „Gast“ des Märchenlands, dem laut Gesetz kein Haar gekrümmt werden darf. Während Gert und der arme Larry, der sich sein Leben wohl auch anders vorgestellt hätte, weiterhin ein Blutbad nach dem anderen hinterlassen, schmiedet Königin Wolke Pläne, den lästigen Störenfried ein für alle Mal loszuwerden. Es gäääbe da nämlich eine Möglichkeit…

Der blutrote Fantasy-Funny…

…stammt aus der Feder von Skottie Young, den vor allem MARVEL-Leser kennen dürften. Seine niedlichen Baby-Varianten bekannter Heldinnen und Helden schafften es auch bei uns auf zahlreiche Cover. Als Autor und/oder Zeichner zählen Reihen wie „Middlewest“, „Bully Wars“, „Strange Academy“ (PANINI), „Twig“ (SPLITTER), „The Me You Love In The Dark“ (SPLITTER) und „Rocket Raccoon“ (PANINI) zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen. Die Idee zu „I hate Fairyland“ kam dem Amerikaner, als er an den Comic-Adaptionen der „Oz“-Geschichten von L. Frank Baum arbeitete. Der Gedanke, dass einer Besucherin des Märchenlandes mal derart der Arsch platzt, dass sie eine Schneise aus Blut, Gekröse und Chaos durch die friedlich-bunte Welt fräst, ließ ihn einfach nicht los.

Und was soll ich sagen… die Reise mit Antiheldin Gert und dem Zigarre qualmenden Larry macht einfach derart viel Spaß, dass man bereits nach wenigen Seiten keinen Gedanken mehr daran verschwendet, wie weit sich die Grenzen des guten Geschmacks noch verschieben lassen. Überzogene Gewalt mit Splatter-Ausmaß, gepaart mit „Looney Tunes“-Slapstick. Optisch ein absoluter Leckerbissen, denn Young ist hier voll in seinem Element. Farbenfroh bis zum Erbrechen, fantasievoll in der Gestaltung der märchenhaften Figuren und sich nie zu schade, selbst den abgedroschensten Gag in ein blutiges Feuerwerk zu verwandeln. Wo Gert hinlangt, ohne auch nur einen Gedanken an die Konsequenzen ihres Handelns zu verschwenden, da wächst kein Gras mehr.

Da war doch mal was

Wen beim Titel „I hate Fairyland“ kurzzeitig der Déjà-vu-Hammer niederstreckt, liegt nicht ganz falsch. Zwischen Anfang 2017 und Ende 2018 erschienen drei Hardcover im damaligen POPCOM-Verlag. Dies war die reine Comic-Sparte des Manga-Publishers TOKYOPOP, der man aber viel zu früh wieder den Stecker zog. So wurde Skottie Youngs erster Run von „I hate Fairyland“, welcher beim US-Verlag IMAGE zwanzig Einzelhefte umfasste, nie in deutscher Übersetzung zu Ende gebracht. Ein lausiger Band fehlte, was ich damals nur schwer verzeihen konnte… ebenso stoppte man mittendrin die grandiose Reihe „Giant Days“, die nach fünf Bänden abgebrochen wurde und der ich noch heute hinterhertrauere.

„I hate Fairyland“ hat nun ein neues Zuhause bei SKINLESS CROW gefunden. Und dort ist der Kracher richtig gut aufgehoben. Dem ersten Deluxe-Hardcover hat man ein edles Design mit goldenem Glitzerlack spendiert und auch die Ausstattung kann sich sehen lassen. Das schwere Buch beinhaltet die ersten zehn US-Hefte, von denen man im Anschluss noch zahlreiche Cover-Motive in einer angehängten Galerie bestaunen kann. Darüber hinaus gibt es das sechste Heft als Skript. Während Textpassagen separat auf der linken Seite abgedruckt sind, finden sich rechts die reinen Tusche-Zeichnungen ohne Sprechblasen. Eine sehr schöne Idee. Als Nachtisch folgt noch eine Doppelseite mit Konzeptzeichnungen.

Fazit:

Wer Gert noch nicht kennt, darf sich auf eine verbitterte, axtschwingende Wahnsinnige freuen, die Jack Torrance den Angstschweiß aus der Visage treten würde. Die Nemesis jeder Super-Nanny dreht im Märchenland komplett frei und sorgt mit tiefschwarzem Humor und blutrotem Anstrich für ein paar Akzente in der ansonsten quietschbunten Zuckerguss-Welt. Herrlich schräg und von SKINLESS CROW mit einer extrem schönen Veröffentlichung gewürdigt.

I hate Fairyland - Buch Eins

Skottie Young, Skottie Young, Skinless Crow

I hate Fairyland - Buch Eins

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