Horrifikland - Schauriger Spuk mit Micky Maus

Erschienen: Juli 2019

Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Inhaltlich geht die Geschichte von Lewis Trondheim nur selten über Disney-Standard-Unterhaltung hinaus… schafft es jedoch charmant und humorvoll seine sympathischen Charaktere durch ihr „spukiges“ Abenteuer zu manövrieren.

Zeichnung

Schlichtweg atemberaubend, was Alexis Nesme aus einer vergleichsweise „normalen“ Disney-Geschichte herausholt. Sollte der begnadete Künstler mal das Telefonbuch illustrieren, würde ich mir dieses ebenfalls ins Regal stellen... und dazu ein Best-of der beliebtesten Disney-Songs trällern.

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Marcel Scharrenbroich
Familien-Grusel in Edel-Optik

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Aug 2019

Disney und Horror…

…passt das zusammen? Lässt man Titel, die durch den astronomischen Fox-Deal (die Übernahme kostete schlappe 71 Milliarden Taler... äh, ich meine natürlich DOLLAR!) in die Hände von Disney gefallen sind – darunter Schocker wie „Alien“, „Predator“ und „Die Fliege“ – mal außen vor und wirft man die Touchstone-Produktionen (eine Produktionsfirma, die ihrerzeit ebenfalls Teil der Walt Disney Company war) „Starship Troopers“, „Dark Water“, „Signs“, „The Village“ oder „Fright Night“ nicht mit in den mittlerweile übergroßen Topf, fällt in der Disney-Historie dennoch auf, dass man sich schon häufiger an düsteren Stoffen versucht hat.

Wurden bei den großen, abendfüllenden Zeichentrick-Klassikern noch viele bekannte Märchen - deren Ursprünge oft mehr Horror beinhalteten als Stephen Kings gesamtes Bücherregal – familientauglich adaptiert, wagte man sich 1985 mit „Taran und der Zauberkessel“ erstmals auf dunkleres Terrain. Obwohl bereits „Die Abenteuer von Ichabod und Taddäus Kröte“, aus dem Jahr 1949, nicht für die jüngsten Zuschauer freigegeben war, legte der 25. Disney-Abendfüller noch einen drauf, was die Grusel-Atmosphäre anbelangte. Die Zuschauer quittierten dies und blieben den Kinos fern, was eigentlich sehr Schade ist, da hier einerseits auf Gesangseinlagen verzichtet wurde - was eindeutig der Stimmung des Films zugutekommt - und der heutige Erfolgs-Regisseur Tim Burton als Zeichner involviert war. Obendrein – und nicht ganz unwichtig – war und IST „Taran und der Zauberkessel“ ein sehr sehenswerter Film, der mit seinem düsteren und märchenhaften Fantasy-Setting vielleicht einfach seiner Zeit voraus war und nicht dem zuckersüßen Disney-Charme entsprach… obwohl dieser deutlich vertreten war. Halt nur nicht so plakativ, wie in vorherigen Produktionen.

Auch im Real-Film-Bereich schlug Disney schon häufiger gruseligere Töne an. Beispielsweise „Das schwarze Loch“ (1979) mit Maximilian Schell und Anthony Perkins, dessen Musik allein mir schön diverse Gänsehäute über den Rücken jagt, „Schrei der Verlorenen“ (1980) mit Bette Davis, in einer ihrer letzten Rollen, den großartigen „Der Drachentöter“ (1984) mit Peter MacNicol, den Disney zusammen mit Paramount und gestützt durch die großartigen Effekte von Industrial Light & Magic auf die Beine stellte oder „Oz – Eine fantastische Welt“ (1985), welcher auf den beiden Büchern „Im Reich des Zauberers Oz“ und „Ozma von Oz“ von L. Frank Baum basiert, und dessen ursprüngliche Geschichte „Der Zauberer von Oz“ sowie die Verfilmung „Das zauberhafte Land“ (1939) mit Judy Garland fortsetzt.

Aktuell ist man bei Disney ja gerade dabei, alles durch den Real-Fleischwolf zu jagen, was nicht bei Drei aus den hauseigenen Archiven verschwunden ist. Dies mündete innerhalb kürzester Zeit in „Dumbo“ - Regie führte der bereits erwähnte Tim Burton, der für Disney schon „Alice im Wunderland“ (2010) inszenierte -, „Aladdin“ von Guy Ritchie und mit Will Smith in der Rolle des Dschinni und „Der König der Löwen“ von „Iron Man“-Gehilfe UND -Regisseur Jon Favreau, der 2016 schon „Das Dschungelbuch“ mit größtenteils CGI-Leben füllte. 2014 ließ man mit „Maleficent – Die dunkle Fee“ eine der bekanntesten Antagonistinnen auf das Publikum los und stützte sich dabei auf das Grimm-Märchen „Dornröschen“, welches wiederum auf der Erzählung „Die schlafende Schöne im Wald“ vom französischen Schriftsteller Charles Perrault (1628 – 1703) beruht. Da das düstere Märchen, geschildert aus der Sicht der dunklen Fee, möglichst viele Zuschauer in die Lichtspielhäuser locken sollte, wurden aus der deutschen Kino-Fassung (= FSK 6) rund 40 Sekunden entfernt, die beim Heimkino-Start (= FSK 12) wieder eingefügt wurden. Am 17. Oktober 2019 wird mit „Maleficent – Mächte der Finsternis“ die Fortsetzung in die deutschen Kinos kommen. Die Hauptrolle übernimmt erneut Angelina Jolie.

In Comic-Form kann es bei Disney auch ganz schön gespenstisch zugehen, was sich am vorliegenden Beispiel bestens ZEIGT, denn vor allem optisch kann der allerneuste Band aus der Disney Hommage-Reihe auf ganzer Linie überzeugen. Dafür wirft Autor Lewis Trondheim die wohl bekanntesten Aushängeschilder des Mäuse-Konzerns in ein brandneues (Spuk-)Abenteuer…

Die schrillen Drei auf Achse

Wir fallen ein bisschen aus der Gegenwart und befinden uns in einer nicht näher definierten Vergangenheit, die allerdings an einen Zeitraum irgendwo zwischen 1930 und 1940 erinnert. Hier betreibt Micky Maus, gemeinsam mit seinen Freunden Goofy und Donald, eine kleine Detektei. Viel los ist nicht in dem malerischen Städtchen und so sieht die Auftragslage entsprechend mau aus. Keine Verbrechen, keine Klienten, keine Einnahmen. Es steht nicht gerade rosig um das Detektiv-Büro des engagierten Trios. Dies ändert sich, als die betagte Frau Kiesel durch die Tür tritt und von ihrer verschwundenen Katze Blacky berichtet. (Eine Maus, die eine Katze aufspüren soll… kann man sich nicht ausdenken, oder?) Hilfsbereit und glücklich, endlich einen neuen Auftrag an Land gezogen zu haben, willigen Micky und Goofy gleich ein… nur Donald schießt die blanke Angst ins Gefieder als er erfährt, dass Blacky sich gerne in der Nähe vom Horrifikland aufhält. Einem ehemaligen Freizeitpark, der seine Besucher mit schaurigen Attraktionen, mit allerlei präparierten Geister-Puppen und morbidem Ambiente zu erschrecken und zugleich zu unterhalten vermochte. Nichtdestotrotz machen sie sich gemeinsam auf, um Blacky zu seiner besorgten Besitzerin zurückzubringen.

Im heruntergekommenen Horrifikland angekommen, werden Micky, Goofy und Donald recht schnell fündig, was das kleine Kätzchen angeht. Doch damit ist ihr Job noch nicht erledigt. Nein, er gleitet geradewegs in einen neuen Auftrag. Die charmante Lady Switen, Besitzerin des ehemaligen Parks, lebt in einem kleinen Wohnwagen inmitten des sumpfigen Geländes, da sie sich eine Renovierung nicht leisten kann. Dort erzählt sie den drei Detektiven, dass sie tatsächlich seit einiger Zeit von realen Geistern belästigt wird, die nachts durchs Horrifikland spuken. Wie der Zufall es will, wird das Trio auch zugleich Zeuge des mysteriösen Spuks. Da Kater Karlo und sein Kompagnon sehr daran interessiert sind, das gesamte Grundstück von der gutgläubigen Lady Switen zu erstehen und sich erfahrungsgemäß nicht so leicht abwimmeln lassen, hat Micky Maus schon eine Ahnung, wer hinter den nächtlichen Geister-Erscheinungen steckt. Doch Karlo hat seine ganz eigenen Probleme im Horrifikland

Trondheim III.

Bereits zum dritten Mal setzt der Franzose Laurent Chabosy, der unter dem Namen Lewis Trondheim große Erfolge mit „Herr Hase“, „Donjon“ oder „Maggy Garrisson“ feiern konnte, eine Comic-Geschichte im Disney-Universum um. Seine Hommage-Bände „Mickey’s Craziest Adventures“ und „Donald’s Happiest Adventures – Auf der Suche nach dem Glück“, die Trondheim beide mit dem Zeichner Nicolas Keramidas umsetzte, lieferten sehr gute Unterhaltung und konnten den Entenhausen-Kosmos um neue Aspekte bereichern. „Horrifikland“ bildet da keine Ausnahme, was allerdings mehr an den herausragenden und nahezu perfekten Bildern liegt, als an der verhältnismäßig harmlosen Spuk-Geschichte. Diese unterhält zwar auf einem angenehmen Niveau, lässt aber eine gewisse Tiefe, wie sie „Donald’s Happiest Adventures“ zuletzt noch liefern konnte, vermissen.

Der eigentliche Star von „Horrifikland“ - und damit auch der Grund für eine uneingeschränkte Empfehlung – sind die bombastischen Kunstwerke, die Alexis Nesme da ins Buch gezaubert hat. Unglaublich detailliert und farbenfroh, versprüht „Horrifikland“ so eine unglaubliche Wohlfühl-Atmosphäre, die den Leser quasi aufsaugt und der man sich auch nur schwer entziehen kann. Nicht umsonst wurde der französische Künstler für seine Arbeiten bereits ausgezeichnet und durfte die dreibändige Jules Verne-Adaption „Die Kinder des Kapitän Grant“ graphisch umsetzen. Man sieht jedem Panel an, wieviel Arbeit darin stecken muss, um so eine abwechslungsreiche und phantasievolle Umgebung aufs Papier zu bringen. So kann man sich als Leser selbst nach der Geschichte noch lange an „Horrifikland“ erfreuen.

Fazit:

Ein wunderschönes Buch, dass mit seiner markanten Neon-Schrift, dem Halbleinen-Einband und dem Spotlack-Effekt auf der Front ein echtes Schmuckstück geworden ist. Unbeschwerter Familien-Grusel, dem es zwar an inhaltlicher Tiefe mangelt, dies aber durch wunderschöne Bilder und einem Wiedersehen mit drei Disney-Urgesteinen wieder wettmacht.

Horrifikland - Schauriger Spuk mit Micky Maus

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