Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Eine gelungene Geschichte, die beinahe zeitlos wirkt. Auch nach fast 40 Jahren noch ein wahnsinnig guter Spaß! Spannend, mit hohem Tempo und einfach phantastisch.

Zeichnung

Ein zweischneidiges Schwert. Einerseits mutig, eine klassische Geschichte so modern zu adaptieren… auf den zweiten Blick fehlen mir aber zu viele Details, die entweder einem beabsichtigten Stil oder Zeitmangel zum Opfer fielen.

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Marcel Scharrenbroich
Aus die Maus!

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Mai 2020

Trauriger Einstieg

Es beginnt denkbar niederschmetternd… Ein kleiner Junge betrauert den tragischen Tod seiner Eltern, die bei einem Autounfall ums Leben kamen. Wie durch ein Wunder (genannt Sicherheitsgurt) überlebte der Kleine den Crash. Niedergeschlagen und verständlicherweise tief betroffen, kümmert sich seine Großmutter ab sofort um ihn. Sie zieht ins Elternhaus und versucht, so gut es geht, tröstend zur Seite zu stehen. Als er eines Nachts nicht in den Schlaf kommt, bittet er die kauzige Dame, ihm eine Geschichte zu erzählen. Nicht unbedingt Omis Stärke… also erzählt sie einen Schwank aus ihrer Jugend. Sie erzählt von ihrer Klassenkameradin, die von einem auf den anderen Tag spurlos verschwand. Diese alte Schulfreundin berichtete, dass eine Frau mit weißen Handschuhen ihr einen kandierten Apfel schenkte. Dass man von Fremden nichts annehmen sollte (Bargeld, Schecks, Gold und Wertpapiere mal großzügig ausgenommen), wurde den meisten von uns schon in frühster Kindheit eingetrichtert… und hätte Grannys Kumpeline gewusst, was sie erwartet, hätte sie mit Sicherheit dankend abgelehnt und die Stummelbeinchen in die Hand genommen. Hat sie aber nicht. Wochenlang war das Mädchen wie vom Erdboden verschluckt. Die Polizei suchte vergebens und alle Hoffnung schwand. Doch dann… tauchte sie plötzlich wieder auf. Sie wurde jedoch nicht gefunden oder stand urplötzlich wieder vor der Tür, nein. Sie befand sich mitten in einem landschaftlichen Gemälde, das die Wohnstube der Eltern schmückte. Und darin wanderte sie umher. Tag um Tag. Jahr um Jahr. Sie alterte und konnte die ölige Landschaft nie mehr verlassen. Gruselig, oder? Ich hab die ganze Zeit gewartet, dass Jonathan Frakes um die Ecke kommt und fragt „Konnten Sie die Wahrheit von der Lüge unterscheiden? Denken Sie, diese Geschichte ist frei erfunden?“ Aber er kam nicht… und die Geschichte IST wahr. Hexenwerk!

WICHTIG: Wie erkenne ich eine Hexe?

Die dauerpaffende Großmutter gibt ihrem Enkel wertvolle Tipps an die Hand, mit denen er mühelos eine Hexe als solche identifizieren können sollte. Achtet man nämlich bewusst auf gewisse Kleinigkeiten, springen die Indizien einem nämlich unweigerlich mit Anlauf in gleich beide Augen. Den Besen unterm Allerwertesten lassen wir direkt mal außen vor… das wäre wohl ZU offensichtlich. Man muss schon genauer hinschauen: Hexen sind nämlich kahl. Also nicht Karl, denn das wäre ja albern, da bekanntlich alle Hexen weiblich si… lassen wir das. Will meinen, kahl… im Sinne von glatzköpfig. Deswegen tragen die Damen auch ständig Perücken. Und aus eben diesem Grund müssen sie sich ständig an der Rübe kratzen, da die falsche Haarpracht auf Dauer juckt wie die Sau. Ein weiterer Anhaltspunkt ist, dass Hexen keine Zehen haben. Einerseits ganz praktisch, da sie so in der Kinderabteilung von Deichmann die freie Auswahl haben, anderseits auch blöd, falls man vor Wut mal wieder die Wände hochgehen möchte und dann die nötige Griffkraft fehlt. Man steckt halt nicht drin. Außerdem tragen Hexen ständig Handschuhe. Ihre Griffel sind so schrumpelig, dass es selbst vergebene Liebesmüh wäre, wenn sie die Flossen für 23 Stunden am Tag in einen Familien-Kübel voll Palmolive tunken würden. Unförmige Nasenlöcher ham’se auch noch! Wahrscheinlich, damit die ebenfalls unförmigen Finger besser hineinpassen… aber die offizielle Begründung ist wohl, damit sie lästige Kinder besser aufspüren können. Unser kleiner Protagonist kann sein wachsames Auge schon bald unter Beweis stellen…

Ausspannen geht anders…

Als es Omi aus den Schlappen haut und der eilig herbeigerufene Doc der rüstigen Rentnerin zu einem Erholungsurlaub rät, wird nicht lange gefackelt. Kind und Kegel werden eingepackt, dann den Kegel wieder raus, bis nur noch Kind im Gepäck ist, und ab geht es in die wohlverdiente Auszeit. Die beiden mieten sich im Hotel Magnificent ein, das direkt am Wasser liegt. Genau das richtige für Omas geteerte Lunge. Ein nobler Schuppen. Mit allem Zipp und Zapp. Casino, Palmen im Foyer und riesigen Tagungsräumen. In einen dieser Räume verschlägt es auch den kleinen Jungen, nachdem seine Großmutter ihn mit einem kleinen Geschenk aufgeheitert hat. Zwei knuffige Mäuse. Vom Hotelpersonal aus nachvollziehbaren Gründen nicht GANZ so gerne gesehen, versteckt er die Nager, um ihnen in der Abgeschiedenheit des Kapitänssaals ein paar Kunststücke beizubringen. Hinter einem blickdichten Paravent sollte es selbst dann noch sicher sein, wenn plötzlich unangemeldet jemand hereinplatzen sollte.

Es dauert nicht lange, bis dieser Fall auch eintritt. Eine ganze Wagenladung von Störenfrieden rollt an und der Junge versucht in seinem Versteck nicht aufzufallen. Was anfänglich noch wie ein aus dem Ruder gelaufenes Kaffeekränzchen wirkt, entpuppt sich bald als Meeting, das jedes Treffen auf dem Blocksberg wie einen mickrigen Sch€!$$dreck aussehen lässt. Die zahlreich versammelten Damen kratzen sich nämlich dauernd den Kopf, während sie ihre schrumpeligen Hände aus den kaschierenden Handschuhen befreien und der offensichtlichen Anführerin auf der Bühne gebannt lauschen. Alles passt zusammen und der Junge begreift, welches perfiden Plans er da gerade ungewollt Ohrenzeuge wird. Die Hexen planen während ihrer Konferenz nämlich nichts anderes, als alle Kinder Englands in Mäuse zu verwandeln… JA LÜÜÜÜG ICH DENN? Da muss doch was getan werden! Eine brenzlige Situation für den kleinen Spion wider Willen. Wenn er aus dieser mehr als brenzligen Situation unbemerkt entkommt, könnte er alle warnen. Aber wie war das noch mal mit Hexen und ihrem besonderen Geruchssinn…?

Bunter Anstrich

An die Freestyle-Optik von Pénélope Bagieu musste ich mich erstmal (wieder) gewöhnen. Offensichtlich frei aus der Hand und - mit genauerem Blick auf die Strichführung - fast schon unsicher, wirken die Zeichnungen schnell und reichlich spontan umgesetzt. Schon in ihrem tiefsinnigen Comic „Wie ein leeres Blatt“, welchen sie zusammen mit dem Autoren Boulet umsetzte, fiel mir der besondere Stil der französischen Illustratorin auf. Und das durchaus positiv, da sie es trotz der leicht „unsauberen“ Zeichnungen schaffte, Emotionen zu vermitteln. Dies gelingt meist auch bei „Hexen hexen“, obwohl die Künstlerin hier auf Grund des Fantasy-/Märchen-Aspekts mehr Freiheiten hatte. Während der ersten Hälfte des umfangreichen Buchs war ich hin- und hergerissen… Einerseits gefällt mir die Kreativität, mit der Pénélope Bagieu hier zu Werke geht, um der schon leicht angestaubten Geschichte einen modernen Anstrich zu verpassen. Auf der anderen Seite stellte ich mir die Frage, ob ein klassischer, weniger aufdringlicher Stil nicht die passendere Alternative gewesen wäre. Letztendlich ist es Geschmackssache… wie so oft. Farbenfroh und überdreht, wird es für eine jüngere Zielgruppe, die zum ersten Mal mit der Geschichte in Berührung kommt, wohl bestens funktionieren. Comic-Leser fortgeschrittenen Alters mögen da eher die Nase rümpfen.

Etwas schade ist zudem, dass in vielen Panels wenig wert auf Details gelegt wurde. Sind manche Bilder noch prächtig mit Kleinigkeiten ausgeschmückt, fehlen diese im Folgebild oft komplett. Dann stehen die Charaktere vor einem einfarbigen Hintergrund oder gleich direkt vor einer weißen Wand. Weniger ist zwar manchmal mehr, aber bei diesem Mut zur Lücke kann ich beim besten Willen keine Stilmittel-Ausrede durchgehenlassen. Nicht das erste Mal, dass mir dieser „Trend“ entgegensprang.

Gefeierte Vorlage

Denkt man an „Charlie und die Schokoladenfabrik“, denkt man zuerst an…? NEIN… nicht Johnny Depp. Roald Dahl, Mensch! Den britischen Kinderbuch-Autoren, der schon „James und der Riesenpfirsich“, „Matilda“ und „Sophiechen und der Riese“ schrieb… die auch allesamt verfilmt wurden. Letzterer sogar erfolgreich als „BFG – Big Friendly Giant“ von Blockbuster-König Steven Spielberg. „The Witches“, wie „Hexen hexen“ im englischen Original heißt, entstand bereits 1983. Die deutsche Übersetzung folgte allerdings erst drei Jahre später. Bis auf wenige Änderungen deckt sich die Comic-Adaption mit der Vorlage von Roald Dahl (1916 – 1990). Lediglich Wohnort, Geschlechter-Tausch einer Nebenfigur und der Verzicht auf die Erzählung aus der Ich-Perspektive wurden gegenüber der ursprünglichen Story verändert… beziehungsweise modernisiert. Dahl schrieb außerdem einige Drehbücher. Darunter der Connery-Bond „Man lebt nur zweimal“ und das Fantasy-Musical „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ mit Dick Van Dyke („Mary Poppins“).

Illustriert wurde „The Witches“ damals vom englischen Cartoonisten Sir Quentin Blake, der 2002 sogar mit dem renommierten Hans Christian Andersen-Preis, der nur alle zwei Jahre verliehen wird, für sein Schaffen ausgezeichnet wurde. Blake illustrierte gleich mehrere Werke von Roald Dahl und tatsächlich finden sich einige Parallelen in den Darstellungen von Pénélope Bagieu.

Ganz unumstritten war „Hexen hexen“ dabei nicht. Trotz des immensen Erfolges und den Lobpreisungen der Kritiker, sah sich Dahl mit Sexismus-Vorwürfen konfrontiert und das Kinderbuch wurde zeitweise sogar aus den Regalen der Bibliotheken entfernt. Kritiker verstanden es als Anleitung für heranwachsende Jungen zum Hass auf Frauen. Wahrscheinlich würden diese Kritiker auch bei einer Runde „Bibi Blocksberg“ im Kreis rotieren. Lasst sie zwei bis drei Kapitel aus „Fifty Shades of Grey“ (ebenso wenig zu empfehlen wie die Verfilmung… wurde mir zugetragen) lesen und Ihr hört sie einmal um den Erdball schreien…

Gefloppte Verfilmung

Zu Unrecht!!! Das sei direkt mal gesagt, denn „Hexen hexen“ (OT: „The Witches“) ist ein durchaus gelungenes Fantasy-Abenteuer, welches sich zwar eine Menge Freiheiten gegenüber der Dahl-Vorlage erlaubt, aber mit fantastischen Spezialeffekten und einer blendend aufgelegten Anjelica Huston punkten kann. Der ewige „Mr. Bean“, Rowan Atkinson, ist da als Hotel-Direktor nur schmückendes Beiwerk. Nicolas Roeg (1928 – 2018) übernahm nach Ausflügen ins Psycho-Horror („Wenn die Gondeln Trauer tragen“; 1973) und Science-Fiction-Genre („Der Mann, der vom Himmel fiel“; 1976) die Regie bei dem düsteren Fantasy-Märchen, welches 1990 in den Kinos startete. „Hexen hexen“ war außerdem der letzte Film, an dem der geniale „Muppets“-Schöpfer Jim Henson (1936 – 1990) aktiv mitarbeitete.

Obwohl die FSK den Film ab 6 Jahren freigab, sind dennoch einige recht drastische Szenen vorhanden, die Zartbesaiteten die eine oder andere unruhige Nacht bescheren könnten. Ursprünglich sollte der Film sogar noch düsterer werden, aber Roeg entfernte mehrere Szenen, die für junge Zuschauer als unangemessen betrachtet wurden. Die praktischen Make-up-Effekte können sich auch drei Jahrzehnte später durchaus sehenlassen, was Hollywood jedoch nicht daran hindert, „Hexen hexen“ durch den Remake-Schredder zu brettern. Auf dem Regiestuhl sitz kein geringerer als Robert Zemeckis, dem wir unter anderem die noch immer großartige „Zurück in die Zukunft“-Trilogie verdanken. In die Rolle der diabolischen Hoch-Großmeister-Hexe schlüpft Oscar-Preisträgerin Anne Hathaway, die von Octavia Spencer, Chris Rock und Stanley Tucci unterstützt wird. Produziert von Alfonso Cuarón („Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, „Gravity“, „Roma“) und Guillermo del Toro („Hellboy“, „Pans Labyrinth“, „Shape of Water“), wird uns voraussichtlich Ende 2020 ein effektgeladenes Fantasy-Feuerwerk erwarten. Aktuell ist für den US-Start der 9. Oktober vorgesehen… ob dieser Termin gehalten werden kann, wird sich zeigen.

Fazit:

Der Zeichenstil der „Unerschrocken“-Künstlerin Pénélope Bagieu bleibt Geschmacksache. Für ein junges Publikum mag er angemessen sein, für mich hat es viel zu lange gedauert, bis ich mich damit arrangieren konnte. Die Story hat den Sprung in die Moderne jedoch sehr gut verkraftet. Ein rasanter Spaß für alle Altersklassen, der sich im extrem hochwertigen Hardcover von Reprodukt außerdem sehr gut im Bücherregal macht und mit seinem poppig-bunten Cover sofort ins Auge springt.

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