Couch-Wertung

10
Story
Zeichnung

Story

Aaawwwwwwwwww…

Zeichnung

Wunderschöne Aquarelle zwischen Freud und Leid. Die großen Panels lassen - dank des wenigen Textes – die abstrakte Bilderwelt von Jérémie Almanza lebendig und greifbar erscheinen. Aber SOWAS von 10 Punkte!!!

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Marcel Scharrenbroich
Marmor, Stein und Eisen bricht… (aber mein Artischockenherz nicht)

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Aug 2019

Dein ist mein ganzes Herz

Es war einmal… ja, ich weiß, dass das ein SOOOOO ausgelutschtes Klischee ist, um mit einem Märchen zu beginnen, aber so ist es nun mal. So gut wie jede Fabel, Erzählung oder sonst wie märchenhafte Geschichte beginnt mit diesen drei berühmten Worten! Nun will ich auch endlich mal so beginnen, wenn ich schon in den Genuss komme, mit knabenhaften 40 Lenzen auf dem Buckel, über ein zuckersüßes Herzschmerz-Bussi-Bussi-Büchlein zu schreiben. Also: Es war einmal… Es war… einmal… TOLL, jetzt hab ich den verdammten Faden verloren… *GRRRRRRRRR*

Jedenfalls… geht es direkt zu Beginn tieftraurig zu, denn die Geburt - eigentlich ein Ereignis voll Freud und Liebe – eines Jungen, stellte den Arzt, der ihn im Leben empfing, vor ein großes Rätsel. Ohne Herzschlag und dennoch lebendig, trat er in diese Welt. Ein Herz aus Stein liegt bleiern in seiner Brust, resistent für jegliche Gefühlsregungen. Tieftraurig stürzten die Eltern des Knaben in eine tiefe Melancholie, unfähig ihm mütter- und väterliche Liebe zu schenken und ebenso unfähig diese zu empfangen… denn wo pochende Wärme herrschen sollte, strahlte sein Steinherz nur Kälte ab. So wuchs der Bursche langsam heran. Emotionslos. Allein. Gebückt von der Last, die seinen kleinen Körper gen Boden zog.

In derselben Nacht, in der der unglückliche Junge mit dem Steinherz geboren wurde, erblickte nicht weit entfernt auch ein Mädchen das Licht der Welt. Obwohl zur gleichen Zeit, stand ihre Geburt wohl unter einem besseren Stern, denn ihr friedliches und warmes Wesen bezirzte schon die anwesenden Ärzte mit dem ersten Atemzug. Doch auch hier waren Anomalien im Spiel, schlug in ihr kein kleines Herzchen, sondern begann eine Artischocke mit dem Wachstum. Holladibolla, was war da denn los? Wahrlich eine merkwürdige Nacht. Entgegen dem Jungen, wuchs das Mädchen mit dem Artischockenherz wohlbehütet auf und versprühte Liebe, wo sie ging und stand. Stets vergnügt und unbeschwert, musste man dieses emotionale Glückskind einfach lieben.

Eines schicksalhaften Tages trug es sich zu, dass dem Mädchen mit dem Artischockenherz der Junge mit dem Herz aus Stein über den Weg lief. Sofort war es um die Kleine geschehen und ein wohlig-warmes Gefühl durchströmte sie. Es gab sie also doch… die Liebe auf den ersten Blick.

Liebeskummer lohnt sich nicht, my Darling…

Entgegen ihrer Erwartungen, nahm der fremde Junge jedoch keine Notiz von ihr und würdigte sie keines Blickes. Wie konnte das sein? Wie konnte er dem süßen Geschöpf mit den leuchtenden Kulleraugen wiederstehen? Das Mädchen öffnete ihren Brustkorb und entnahm die lebensspendende Artischocke. Kurzerhand zupfte sie ein Blättchen von dem Gewächs, um es dem Burschen zu überreichen. Emotionslos betrachtete er es, bevor er es plötzlich und aus heiterem Himmel zerpflückte und die Einzelteile unbeeindruckt hinter sich warf. Das Mädchen mit dem Artischockenherz verstand die Welt nicht mehr. Ein Gefühl der Zurückweisung kannte sie bislang nicht. Wie konnte er ihre Liebe verschmähen, obwohl sie doch so viel zu geben hatte? Ihm sogar ein Stück ihres Herzens als Zeichen der Zuneigung überließ? Doch das Mädchen mit dem Artischockenherz wäre nicht das Mädchen mit dem Artischockenherz, wenn sie nach einem erfolglosen Annäherungsversuch sang- und klanglos aufgegeben hätte. Ihr Ehrgeiz war geweckt und sie wollte den Jungen mit dem Steinherz für sich gewinnen.

Doch unbeachtet des Bestrebens, den freudlosen Knaben zu bekehren, hat einen anderen Jungen Armors Pfeil bereits getroffen, als er das liebliche Geschöpf mit dem Artischockenherz zum ersten Mal erblickte. Noch nicht im Fokus des Mädchens, hat dieser Jüngling ebenfalls eine Menge von sich zu geben…

Wunder gibt es immer wieder

Ja lüg ich denn, wie herzerwärmend und tieftraurig ist denn bitte diese zuckersüße Love-Story geraten? Hundertprozentig wird euch beim Lesen gleich mehrfach ein seufzendes „Aaawwwwwwwwww…“ entfleuchen, so nah geht diese kurze, dafür aber intensive Märchenstunde für alle Altersklassen. Das putzige Mädchen mit dem Artischockenherz, welches mit ihren großen Kulleraugen so viel Freude bereitet, MUSS man einfach liebhaben. Und im krassen Gegensatz den Jungen mit dem Steinherz, der nie gelernt hat, wie man liebt. Man möchte den armen Tropf mit dem Wuschelkopf am liebsten kurz durchschütteln, damit der tote Klumpen in seiner Brust endlich zu schlagen beginnt und seine schwermütige Welt sich aufhellt.

Zeichnerisch bewegen wir uns hier auf GANZ hohem Niveau, denn jedes Bild von Jérémie Almanza gleicht einem kleinen, aufwändigen Gemälde. Das Cover lügt nicht, wenn es wunderschönes Artwork verspricht, denn der gesamte Inhalt ist im gleichen, abstrakten Stil gepinselt. Herausragende Aquarelle, die mal düster und deprimierend, dann wieder leuchtend und positiv alle Gefühlslagen wiederspiegeln. Dabei ist „Herz aus Stein“ mehr Bildergeschichte als klassischer Comic. Die Texte sind in Reim-Form in den Ecken der Panels drapiert und ergänzen die fantastische Bildsprache, die dieses Werk besitzt. Eigentlich hätte man fast komplett auf Texte verzichten können, da das zu Sehende universell verständlich ist.

Ähnlich wie schon bei „Die entsetzliche Angst der Epiphanie Schreck“, hat das Splitter-Imprint toonfish hier wieder ein goldenes Händchen bewiesen und eine warmherzige Perle veröffentlicht, die Steine zum Schmelzen bringt. Wie im eben genannten Beispiel, ist auch bei „Herz aus Stein“ die Autorin Séverine Gauthier für die poetische Geschichte von Liebe und Zurückweisung verantwortlich. Das hübsche Album, das etwas kleiner als die regulären Splitter-Alben daherkommt, zieht man garantiert öfter aus dem Regal.

Fazit:

Ein gleichzeitig bezauberndes und melancholisches Comic-Prachtstück, das Jung und Alt begeistern kann. Liebenswerter und behutsamer hätte es kein Märchen-Erzähler zu Papier bringen können. Und wenn sie nicht… OOOOOH NEIN, auf den Zug springe ich jetzt nicht auf!

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