Habemus Bastard - 1/2: Das notwendige Übel

Habemus Bastard - 1/2: Das notwendige Übel
Habemus Bastard - 1/2: Das notwendige Übel
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André C. Schmechta
9101

Comic-Couch Rezension vonJul 2025

Story

Die Prämisse – ein Verbrecher muss sich als jemand völlig anderes ausgeben – ist sicher nicht neu, wird hier aber mit Charme, Tempo und lakonischem Witz umgesetzt.

Zeichnung

Sylvain Vallée überzeugt erneut mit seinem markanten, lebendigen Zeichenstil.

Ein Killer im Talar

Lucien ist jetzt Pfarrer. Nicht freiwillig. Und auch nicht von langer Hand geplant. Es hat sich so ergeben. Weil ein Auftrag nicht glatt lief. Denn eigentlich ist er ein Killer...

Klassisches Versteckspiel und ein Antiheld mit Attitüde

Um unterzutauchen, bleibt ihm nur ein Ausweg: die Soutane des soeben ermordeten Paters überstreifen – und sich als Priester ausgeben. Fortan wird aus dem Mann mit der Waffe „Pater Philippe“, und der sorgt im französischen Provinzstädtchen Saint-Claude für unerwartet viel Bewegung im Gemeindeleben.

Die Prämisse – ein Verbrecher muss sich als jemand völlig anderes ausgeben – ist sicher nicht neu, wird hier aber von Sylvain Vallée und Jacky Schwartzmann mit Charme, Tempo und lakonischem Witz umgesetzt. Lucien bleibt in seinem Inneren der Gleiche: trocken, zynisch, brutal wenn nötig. Schließlich ist er Auftragskiller – präzise, effizient, gewissenlos. Doch in seiner neuen Rolle als Geistlicher muss er sich gegen seine Natur stellen. Was ihm nicht so leicht fällt. Und aus diesem Kontrast bezieht Habemus Bastard seinen Witz wie auch seine Spannung.

Dabei ist die Wandlung vom Killer zum Geistlichen keine moralische Läuterung – ganz im Gegenteil, wie nicht erst die „lustvolle“ Schlussszene verdeutlichen wird. Mit seiner unorthodoxen Art bringt er nicht nur Kleinkriminelle auf den richtigen falschen Weg, sondern regelt manche Unwegsamkeit auf seine Art und bringt Ordnung in verkrustete Strukturen. Natürlich auch zum eigenen Vorteil. Dass er dabei nicht zimperlich vorgeht, versteht sich von selbst.

Sylvain Vallée überzeugt erneut mit seinem markanten, lebendigen Zeichenstil. Die Figuren sind mimisch toll gearbeitet, die Panels abwechslungsreich und liebevoll ausgestaltet. Besonders Lucien sticht hervor – sein Wechselspiel zwischen Killerblick und sanftem Pfarrergesicht gelingt hervorragend: mal abgebrüht, mal unbeholfen, dann wieder listig oder überraschend sanft.

Die Geschichte ist von schwarzem Humor durchzogen – mal subtiler, mal deftiger. Und so wandeln wir zwischen absurder Komik und bitterem Ernst. Manches Schmunzeln im Gesicht friert schnell wieder ein. Denn hinter der frommen Maskerade lauert immer noch die Vergangenheit als eiskalter Killer. Und diese Vergangenheit soll auch Lucien wieder einholen.

Fazit:

Habemus Bastard 1: Das notwendige Übel ist ein unterhaltsamer Einstieg in einen zweiteiligen Noir-Comic mit einem Hauptdarsteller, der uns trotz – oder gerade wegen – seiner Abgründe schnell für sich einnimmt. Natürlich fragt man sich durchweg, wie lange der Schein noch gewahrt werden kann. Im September können wir es herausfinden. Dann erscheint Band 2.

Habemus Bastard - 1/2: Das notwendige Übel

Jacky Schwartzmann, Sylvain Vallée, Splitter

Habemus Bastard - 1/2: Das notwendige Übel

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