Couch-Wertung

10
Story
Zeichnung

Story

Mit allen Wassern gewaschene Seebären, ein gieriger Autor, ein paranoid-verschrobener Künstler und ein zartbesaiteter Comic-Zeichner… ALLE MANN AN BORD!!!

Zeichnung

Der Kontrast zwischen frankobelgischen Figuren und fotorealistischem Hintergrund funktioniert. Die Natur wirkt nicht wie ein Fremdkörper, sondern bringt Leben ins Szenario.

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Marcel Scharrenbroich
Eine Seefahrt, die ist lustig…

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Sep 2020

…eine Seefahrt, die ist schön.

Und genau so könnte man „Grönland Vertigo“ mit einem Wort beschreiben… schön. Einfach schön. Angefangen vom klassischen, „Tim und Struppi“-inspirierten Stil, der sich perfekt in die frankobelgische Ligne claire-Richtung einfügt. Weiter zu den Charakteren, die sowohl sympathisch als auch kauzig sind, bis hin zur wunderbaren Geschichte, die die Leser einlädt, mitnimmt und zum Teil der Gruppe werden lässt.

Der Comic-Künstler Georges Benoît-Jean befindet sich in einer Schaffenskrise. Der Blick aufs leere Blatt (Autoren und Zeichner werden ihn kennen… und fürchten) lässt ihn an seinem Talent zweifeln. Es will ihm einfach kein passendes Szenario einfallen. Der Blick auf seine erfolgreichste Publikation „Der Duft der Eisblumen und anderes Seemannsgarn“, setzt ihn zusätzlich unter Druck. Darin adaptierte er Erzählungen seines Idols, dem Schriftsteller und Weltenbummler Jørn Freuchen. Da erscheint es fast wie ein Wink des Schicksals, als eine vielversprechende Mail in Georges‘ Postfach flattert. Freuchen scheint den Zeichner in guter Erinnerung behalten zu haben, denn in dessen Namen schreibt ihm der Kapitän Magnus Kuller, dass der Reise-Experte Georges gerne bei einer geplanten Expedition an Bord hätte. Wortwörtlich an Bord, denn der Comic-Zeichner würde mit einer erfahrenen Crew drei Wochen auf einem Schoner durch Grönland reisen. Neben Freuchen und der fünfköpfigen Besatzung wären noch ein Geologe, ein Ornithologe und ein exzentrischer Künstler dabei, der mit Assistenten und TV-Team anreist, welches seine geplante Kunst-Installation, die er medienwirksam im ewigen Eis aufzustellen gedenkt, begleitet. Gleichzeitig ist der Finne, Ville Hakkola, der ebenso viel Geld zu besitzen scheint wie ihm Nadeln an der abgebrochenen Tanne fehlen, Hauptsponsor der Expedition. Ich nannte Hakkola gerade exzentrisch… streicht das. Ersetzt es einfach durch irre oder paranoid. Egal was, es trifft eh beides zu…

Die tollpatschige Art von Georges, einem Franzosen unter Dänen… und Finnen, sorgt für eine Mischung aus Kopfschütteln und Erheiterung bei der erfahrenen Crew der Aurora. Dennoch wird der übervorsichtige Zeichner nicht ausgeschlossen oder abfällig betrachtet, was sehr sympathisch ist und die Gruppendynamik verstärkt. Interessant wird es für den guten Georges, als Jørn Freuchen ihm vorschlägt, spontan an einem gemeinsamen Buch zu arbeiten. Hier und jetzt. Nun, nicht ganz hier… denn die beiden setzen sich für ein paar Tage von der Gruppe ab, wollen aber in ein paar Tagen zur Enthüllung von Hakkolas Installation wieder per Schlauchboot zur Aurora aufschließen. Freuchens eigentliches Ziel ist aber ein ganz anderes… und Hakkola dreht immer mehr am Rad.

Kurzurlaub

Genau SO fühlt sich „Grönland Vertigo“ an. Wie ein kurzer Trip in eisige Gewässer und in eine grandiose Naturkulisse. Zusammen mit einer schroffen und trinkfesten Männerrunde, mit der man ebenfalls mal abenteuerlustig in See stechen möchte. Als stiller Beobachter fühlt man sich fast als Teil der Crew. Da taut auch der ängstliche Georges gehörig auf und muss mehr als nur einmal über seinen kleinen, schmalen Schatten springen… und die eine oder andere Bezeichnung als „Froschfresser“ über sich ergehen lassen, was bei den rauen Seebären aber wohl zum guten Ton zu gehören scheint. (Fast) jeder hat hier seine Qualtäten und es macht Spaß, den Gesprächen zu lauschen.

Comic-Autor und -Zeichner Hervé Tanquerelle („Die Diebe von Karthago“, „Die falschen Gesichter“, „Professor Bell“) war im Jahr 2011 selbst Teilnehmer einer Grönland-Expedition, die er hier auf humorvolle Art semi-autobiographisch verarbeitet hat. Dabei dürfte Georges Benoît-Jean zweifelsohne sein fiktives Alter Ego sein. Es gibt nämlich noch eine weitere Gemeinsamkeit zwischen dem sensiblen Georges und dem 1972 in Nantes geborenen Künstler Tanquerelle: Beide adaptierten Romane von dänischen Reise-Schriftstellern. Bei Georges war es der fiktive Jørn Freuchen. Bei Tanquerelle der überaus reale Jørn Riel, welcher in seiner Heimat bereits über 40 Bücher veröffentlichte. Dabei verbrachte Riel selbst 16 Jahre seines Lebens in Grönland. Tanquerelles und Gwen de Bonnevals „Grönland Odyssee“ basiert auf Jørn Riels arktischen Erzählungen und ist ebenso wie „Grönland Vertigo“ beim Avant-Verlag erhältlich.

Zweite Hauptrolle

Neben Sympathieträger und Identifikationsfigur Georges steht eindeutig die Natur im Vordergrund von „Grönland Vertigo“. Sind die Charaktere zweifelsohne an die frankobelgischen Klassiker von Hergé (1907 – 1983) angelehnt und wirken beinahe, als wären sie 1:1 aus dessen Werken entnommen, besitzen die Hintergründe und Landschaftsbilder einen fotorealistischen Look. Hier merkt man sofort, dass Tanquerelle seine Live-Aufnahmen entweder als Referenzmaterial genutzt oder diese sogar übermalt und künstlerisch verfremdet hat. Ein netter Kontrast, der durch die kräftigen und strahlenden Farben von Isabelle Merlet zusätzlich intensiviert wird.

Fazit:

Gegenüber der vergriffenen Erstausgabe von „Grönland Vertigo“ verfügt die aktuelle Deluxe-Ausgabe über einen kleinen aber feinen Bonus-Teil. Hier sind Entwürfe und Fotografien zu sehen, die Hervé Tanquerelle während seiner eigenen Reise anfertigte. Ein gelungener Abschluss für ein ziemlich perfektes Comic-Buch.

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