Text:   Zeichner: Ryan Ottley

GrizzlyShark

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Marcel Scharrenbroich
7101

Comic-Couch Rezension vonApr 2023

Story

Haie im Wald… noch Fragen?

Zeichnung

Ein saftiges Schlachtfest mit irren Ideen. Ryan Ottley haut ordentlich auf die Kacke und splattert was das Zeug hält.

Haiaiai… gefräßige Trockenschwimmer im Anmarsch

Hai-Alarm!

Auf Mallorca? Am Müggelsee? Nein, viel schlimmer… im Wald. Jap, richtig gelesen. Kein Ralf Möller, der im Alleingang das siebzehnte Bundesland vor bissigen Wasserbewohnern rettet, während Jeanette Biedermann am Strand schmissige Popsongs trällert und Ottfried Fischer langsam aber gut durchbrät. Kein Lokalkolorit einer Low-Budget-Komödie abseits der Hauptstadt. Nur Wald. Und Haie.

Wenn jetzt die Frage aufkommt, was zur Hölle die scharfzahnigen Gesellen denn dort zu suchen haben, sei noch mal die glorreiche „Sharknado“-Reihe ins Gedächtnis gerufen, auch wenn es schmerzt. Aberwitzige Trash-Heuler, in denen es um Haie ging, welche durch Wirbelstürme durch die Luft eierten und aus dem Vollflug durch Horden von menschlichen Opfern schepperten. Höchst billig, höchst dämlich und vor allem höchst verwunderlich, dass von dieser Scheiße ganze sechs Filme existieren. Selbst „Der weiße Hai“ brachte es nur auf vier Filme, bis die Reihe 1987 mit „Die Abrechnung“ kläglich absoff. „Sharknado“ ist aber nur die traurige Spitze des bemitleidenswerten Eisbergs, denn mit No-Budget-Keulen wie „Mega Shark vs. Giant Octopus“, „Dinoshark“, „Sharktopus“, „Sharktopus vs. Whalewolf“ oder „6-Headed Shark Attack“ kennt der Wahnsinn mittlerweile keine Grenzen mehr. Sollte Euch irgendeiner dieser Zero-Brainer mal über den Weg geschwommen sein und Ihr seid nicht vor Schreck zur Salzsäule erstarrt und zu grobem Sägemehl zerfallen, könnte… die Betonung liegt auf könnte… „GrizzlyShark“ etwas für Euch sein. Ihr wurdet gewarnt!

What the f@%§???

Tja… dann wollen wir mal *tiefes Durchatmen*: So richtig weit ausholen müssen wir Gott sei Dank nicht, denn wie bei einem Fast-Food-B-Movie passt die Story auf die Rückseite eines Bierdeckels. Vater uns Sohn sind beim Zelten im Wald. So weit, so gut. Als dem Sohnemann beim Schiffen aber die untere Körperhälfte durch einen im Unterholz lauernden Hai (ja, ich weiß…) weggeknabbert wird, nimmt der Irrsinn seinen Lauf. Der Olle meckert rum, dass Sohnemann ein Weichei ist, brennt die „Fleischwunde“ im Lagerfeuer aus und drückt ihm eine halbe Dose Aspirin in den Hals. Dann muss auch mal gut sein! Verweichlichte Jugend aber auch…

Zeitgleich treffen drei örtliche Hillbillies im Wald ein, die ihre Hirnzellen gegen Schrotkugeln eingetauscht haben und auf die Jagd gehen wollen. Dazu bekommen sie bald Gelegenheit, denn fressfreudige Haie machen sich über Camper, Jogger und ganze Familien her. Wohl bekomm’s…

Schöne Sauerei…

Haltet mich für bescheuert, aber so dumm und irrsinnig sich die ganze Nummer anhört, so unterhaltsam ist sie auch. Naja, fast so unterhaltsam. Denn die Splatter-Parade nutzt sich schon irgendwann ab und von einer „großen Story“ brauchen wir hier gar nicht erst anfangen. Die ist dünn wie die Zeitung mit den vier Buchstaben und nur Mittel zum Zweck, um sich von Schlachtfest zu Schlachtfest zu hangeln. Dessen ist Ryan Ottley, Schöpfer von „GrizzlyShark“, sich aber auch bewusst.

Ottley kennt man vor allem als Zeichner der genialen „Invincible“-Reihe, geschaffen von Robert Kirkman. Während dieser Arbeit nahm der Amerikaner sich immer mal wieder Zeit, um am Beklopptesten herumzudoktern, was man sich so aus den Hirnwindungen quetschen kann: Haie, die im Wald auf Menschenjagd gehen. Die Idee entstand ursprünglich bereits 2010, als Ottley und der befreundete Comiczeichner Jason Howard („The Astounding Wolf-Man“, „Trees“) übermüdet von einer Convention kamen und über vertauschte Rollen von Raubtieren spannen. Was wäre, wenn Grizzlybären im Wasser auf Beutejagd gingen, während Haie sich an Land die Zähne schärften? Das war so schräg, dass die Idee die beiden nicht mehr losließ. Für den 24 Hour Comics Day sollte das Ganze Gestalt annehmen, indem Ottley und Howard jeweils einen Predatoren-Part zeichnen. Geklappt hat das nicht so wirklich, doch Ryan Ottley schaffte es, die Story zu Papier zu bringen und ganze zehn Seiten fertig zu zeichnen. „SeaBear & GrizzlyShark“ erblickten 2010 bei IMAGE das Licht der Welt. Der Comic enthielt Storys beider Künstler und wurde zum Überraschungshit, dem schnell eine zweite Auflage folgte. 2016 wurde Ottleys „GrizzlyShark“-Story dann von Ivan Plascencia koloriert und als Auftakt einer dreiteiligen Mini-Serie erneut aufgelegt. Im Finale gab es dann den unausweichlichen Kampf gegen „SeaBear“.

Man merkt es den Zeichnungen an, dass Ryan Ottley unheimlich viel Bock hatte, mal kräftig über die Stränge zu schlagen. Es ist zwar nicht so, als hätte er dies bei „Invincible“ nicht tun können, aber in einer eigenen Geschichte ist das noch mal eine andere Hausnummer. Die Ideen sind absolut verrückt, überzogen und blutdurchtränkt. Ein Wunder, dass dem armen Ivan Plascencia nicht das Rot ausging.

Fazit:

Erzählerisch sollte man sich bewusst sein, dass uns hier gewollt Trash vor die Nase gesetzt wird. Ein bluttriefender Comic, der einige kreative Tötungsarten verbrät und dabei mit Körperteilen und Eingeweiden um sich wirft. Nicht die höchste Form der Kunst, aber unterhaltsam, augenzwinkernd und angenehm sinnbefreit. Zeichnerisch ist das Gorefest ein kleiner „Leckerbissen“ und macht keine Gefangenen.

GrizzlyShark

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