Gejagt - Die Flucht der Angela Davis

Erschienen: Juli 2021

Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Viel Story auf wenigen Seiten. Zwar ist die Idee, das Leben von Angela Davis mit ihrer Flucht 1970 zu verweben, sehr spannend, dabei bleiben aber viele Aspekte auf der Strecke. Man sollte sich mit der Geschichte der Black-Power-Bewegung in den USA auskennen, um die Handlung gut nachvollziehen zu können.

Zeichnung

Nicolas Pitz hat einen sehr guten Blick für dynamische und sehr filmische Bilder. Nur die wenig detaillierten Figuren und die flache Farbgebung nehmen den Bildern die Wucht.

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Nina Pimentel Lechthoff
Angela Davis, Most Wanted

Comic-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Okt 2021

Eine etwas andere Biografie

Die Person ist geboren, hat viel erlebt und gemacht, und am Ende gestorben oder lebt weiter – wenn Biografien das Leben berühmter Leute so geschrieben werden würden, wären die Leser wahrscheinlich nach ein paar Seiten eingeschlafen und das Buch wäre vergessen. Deswegen brauchen Biografien einen interessanten Ansatz oder eine spannende Erzählweise, die die Leser bei der Stange hält. Die Biografie „Gejagt – Die Flucht der Angela Davis“ bietet sogar zwei Besonderheiten.

Zum einen erzählen Fabien Grolleau und Nicolas Pitz die Geschichte der Philosophin und Aktivistin Angela Davis als Comic. Zum anderen fokussieren sich die Macher auf die Zeit, in der Angela Davis vom FBI gesucht wurde.

Angela Davis – Staatsfeind Nr. 1

1970 wurde Angela Davis vom FBI auf die „Most Wanted“-Liste gesetzt, sogar der damalige Präsident Richard Nixon hat die Ermittlungen eng verfolgt und wollte sie hinter Gittern sehen. Denn Angela Davis wurde als Terroristin deklariert, als ihr die Beteiligung an der Organisation einer Geiselnahme in einem Gerichtsgebäude unterstellt wurde. Die Ermittlungen und die Suche nach Angela Davis dienen für die Macher als Rahmen, um über die Person Angela Davis zu sprechen. Diese kurzen Kapitel, in denen wir das FBI beim Befragen von Angelas Familie sehen oder wie die Ermittler Hinweisen nachgehen, werden von Rückblenden ergänzt: Angelas Kindheit in Birmingham, ihre Studienzeit in Europa und schließlich ihre Rückkehr nach Amerika und ihren Weg zur Aktivistin.

Dass der Comic nicht mit ihrer Festnahme am 13. Oktober 1970 endet, ist für mich ein eindeutiger Pluspunkt. Denn die Rückblenden und vor allem die „Flucht“-Kapitel sind sehr schnell und flüchtig erzählt. Immerhin werden in diesen Abschnitten 21 Jahre behandelt. Ihre Zeit im Gefängnis bekommt etwas mehr Raum, was vor allem der Charakterisierung von Angela sehr guttut. Außer gelegentliche Besuche und ihre Begegnungen mit dem Gefängnispersonal ist Angela alleine. Vor allem eine Szene, in der Angela vom Tod ihres Partners erfährt, hat sich mir ins Gedächtnis eingebrannt. Zeichner Nicolas Pitz schafft es, in zwei Seiten ihre Verzweiflung sprechen lassen, aber auch ihre Hoffnung und Resilienz, denn ihr Kampf war an dieser Stelle nicht verloren oder vergessen, sondern musste weiter gefochten werden.

Zu cartoonig...?

Auch wenn ich viele Stellen in „Gejagt – Die Flucht der Angela Davis“ sehr gemocht habe, sind mir die Bilder von Nicolas Pitz etwas zu cartoonig. Die Gesichter haben wenig Charakter und viele der Figuren sehen dementsprechend gleich aus. Dies ist vor allem der Fall, wenn große Menschenmengen gezeigt werden. Aber auch Angela hätte jede andere Frau sein können, wäre da nicht ihre Zahnlücke. Zusammen mit der Tatsache, dass in den knapp unter 140 Seiten sehr viel erzählt wird und dementsprechend viele Figuren kommen und gehen, habe ich den Überblick über die Figuren und ihre Rolle in Angelas Leben verloren.

Auch die Farbgebung finde ich etwas zu flach. Es gibt keine Tiefen, dadurch wirken die Bilder sehr zweidimensional. Die Farben an sich sind aber sehr gut gelungen. Die meiste Zeit herrschen warme Brauntöne, die gut zur Atmosphäre passen. Vor allem, wenn die Farben mit anderen Tönen zusammenstoßen, finde ich die Darstellung sehr aufregend.

Fazit:

„Gejagt – Die Flucht der Angela Davis“ ist kein Werk für Angela-Davis-Neulinge. Es wird ein grundlegendes Wissen um die Black-Power-Bewegung in den USA vorausgesetzt. Außerdem ist es nicht schlecht, zumindest ein bisschen über Angela Davis zu wissen. Auch die Zeichnungen der Figuren und die flachen Farben sind für meinen Geschmack etwas zu viel „webtoonig“. Aber dann kommen die Macher mit einer cineastischen Szene um die Ecke und ich werde in den Comic reingesogen.

Gejagt - Die Flucht der Angela Davis

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