Fukushima: Die Chronik einer Katastrophe

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André C. Schmechta
6

Comic-Couch Rezension vonSep 2022

Story

„Fukushima“ bleibt dann bei aller Dramatik weniger eindringlich erzählt, als erwartet. Der Spagat zwischen Reportage und fiktiver Erzählung ist mir aber zu wenig mitreißend umgesetzt und klingt am Ende kaum nach.

Zeichnung

Auch wenn die Bilder insgesamt ansehnlich sind und das Farbspiel mit vorrangig kalten Blautönen stimmig bleibt, so fehlen mehr spektakuläre und feiner ausgearbeitet Panels, sowie abwechslungsreichere Perspektiven auch in den dialogreichen Passagen.

Zu wenig mitreißende, teils fiktive Erzählung der Nuklearkatastrophe

März 2011. Ein Erdbeben im Pazifik löst einen gewaltigen Tsunami aus, der an der japanischen Küste zahlreiche Opfer fordern wird. Doch es sollen ganz besondere Entwicklungen sein, welche diese Naturgewalt nachhaltig in die Schlagzeilen auf der ganzen Welt bringen werden: Die durch die Flutwelle ausgelösten dramatischen Störfälle im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi.

Der Betriebsleiter wird zur Rede gestellt

„Die Chronik einer Katastrophe“ lautet der Untertitel der 130 Seiten umfassenden Graphic Novel. Bertrand Galic und Roger Vidal rekonstruieren die damaligen Ereignisse vorrangig als fiktive Erzählung und haben nicht den Anspruch einer lückenlosen Dokumentation auf Basis offizieller und bestätigter Quellen, wie sie eingangs auch entsprechend ausführen. So mischen sich in „Fukushima“ reale und erfundene Personen, Vermutungen und authentische Ereignisse. Noch immer ist der Hergang der Unfälle im Kraftwerk auch nicht vollständig aufgeklärt. Das informative Dossier auf Basis eines Beobachters der Katastrophe - Pierre Fetet - liefert am Ende der Geschichte einen guten Überblick und fasst wichtige Aspekte und Sachverhalte ergänzend zusammen. Diese sind dann auch schon beinahe spannender und eindrücklicher als der Comic selber.

Ausgangspunkt der Erzählung im Comic ist eine Untersuchungskommission, die den Betriebsleiter des Kernkraftwerks - Masao Yoshida - befragt und zur Rede stellt. Er schildert aus seiner Sicht die Vorkommnisse, stellt das Engagement und den Mut der Belegschaft heraus, deren selbstloses Handeln, um den Unwegsamkeiten und Schwierigkeiten zu begegnen, mit dem steten Glauben und der Hoffnung das drohende Unglück abwenden zu können. So bleiben auch Konflikte mit Verantwortlichen der Betreibergesellschaft Tepco nicht aus.

„Fukushima“ bleibt dann aber bei aller Dramatik weniger eindringlich erzählt, als erwartet. Zwar gibt es immer wieder kurze spannende Passagen und der Wechsel der Schauplätze erfolgt in einem guten Rhythmus. Doch die sehr ähnlich angelehnten Figuren bleiben recht austauschbar und es gelingt nicht, sie emotionaler in der Geschichte zu verankern - das gilt auch für Masado Yoshida. Das Tempo variiert selten und nur dann, wenn Explosionen und technische Probleme in den Vordergrund rücken, bricht die ansonsten über weite Strecken gleichförmige Dramaturgie deutlicher auf.

Auch wenn die Bilder insgesamt ansehnlich sind und das Farbspiel mit vorrangig kalten Blautönen stimmig bleibt, so fehlen mir mehr spektakuläre und feiner ausgearbeitet Panels, sowie abwechslungsreichere Perspektiven auch in den dialogreichen Passagen. Insbesondere die Außen- und Innensichten des Kraftwerkes, sowie Maschinen und Technologie-Komponenten hätten imposanter in Szene gesetzt werden können.

Fazit:

Nach Tschernobyl ist die Nuklearkatastrophe von Fukushima sicherlich eines der Ereignisse, welche die Diskussionen um die Nutzung ziviler Kernenergie in besonderem Maße neu entfacht hat. In der Ukraine stehen uns möglicherweise neue Zwischenfälle bevor und es bleibt zu hoffen, dass wir nicht mit einer weiteren nuklearen Katastrophe rechnen müssen. „Fukushima“ ruft die möglichen Gefahren und Risiken, die Notwendigkeit ausgereifter Sicherheitsmaßnahmen und insbesondere auch die erforderliche Sorgfalt bei der Aufklärung im Störfall ins Gedächtnis. Bertrand Galic und Roger Vidal liefern Interessierten auch durch den informativen Anhang zwar einen guten Einstieg in die Ereignisse um den März 2011. Der Spagat zwischen Reportage und fiktiver Erzählung ist mir aber zu wenig mitreißend umgesetzt und klingt am Ende kaum nach.

Fukushima: Die Chronik einer Katastrophe

, Roger Vidal, Cross Cult

Fukushima: Die Chronik einer Katastrophe

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