Fight Girls

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Marcel Scharrenbroich
8

Comic-Couch Rezension vonNov 2022

Story

Nicht wirklich tiefgründig, dafür aber schnell und actionlastig.

Zeichnung

Ästhetisch, geradlinig und hervorragend von Sabine Rich koloriert. Eine Augenweide im Überformat.

Amazonen im Vorwärtsgang

Es lebe die Königin!

Die Ehe der Königin Regina und ihrem Gemahl, König Gilmoran VIII, wurde rechtskräftig annulliert. Ein eigens für diesen Zweck berufenes Sonderparlament hat dies durchgesetzt, nachdem bekannt wurde, dass Regina dem publikumsscheuen Herrscher keinen Nachwuchs gebären kann. Die Blutlinie soll aber fortbestehen, weshalb Ersatz für die undankbar Abgedankte gefunden werden muss. Da Brot und Spiele auch auf dem Heimatplaneten des gilmoranischen Reiches gern gesehen sind, soll ein Wettkampf darüber entscheiden, wer zukünftig in den „Genuss“ kommen darf, König Gilmorans Erben auszutragen. Und ein schickes Krönchen verleiht selbst dem schönsten Kopf noch etwas mehr Glanz. Zehn Frauen unterschiedlichster Herkunft wurden auserkoren, sich im Wettkampf zu messen. Sie erwarten vier knallharte Herausforderungen: die Herausforderung des Dschungels, die Herausforderung der Wüste, die des Wassers und die Auge-in-Auge-Herausforderung des Wettkampfs. Auch wenn die Favoritenrolle von Anfang an besetzt ist, sollte die Kandidatin mit der Startnummer 1 sich nicht zu sicher sein. Auf dem Spielfeld gelten ganz eigene Regeln, was schon die erste Station des halsbrecherischen Parkour-Marathons beweist. Hier spielt jede für sich… oder etwa doch nicht?

Panem war gestern

„Fight Girls“ hält sich nicht lange mit Erklärungen auf und versorgt uns bereits auf der ersten Seite mit allem, was wir für den Start des Wettkampfes wissen müssen. Die Protagonistinnen lernen wir erst Stück für Stück besser kennen, sollten uns aber nicht zu sehr an sie gewöhnen. Ein falscher Schritt, und das kann’s schon gewesen sein. Die durchtrainierten Ladys schenken sich nichts. Dabei müssen sie sich nicht nur der starken Konkurrenz entgegenstellen, sondern sich zusätzlich mit der Flora und Fauna des jeweiligen „Spielfelds“ herumschlagen. Da kann es schon mal vorkommen, dass hungrige Saurier ihren Weg kreuzen oder pfeilschnell Sandwürmer aus dem Wüstensand schießen. Klingt also durchaus fair.

Wer hier „Panem“-Glocken klingeln hört, liegt nicht ganz falsch. Das Prinzip ist eigentlich dasselbe, nur dass das politische Geschwätz und der Blick hinter die medialen Kulissen in weiten Teilen wegfallen. Das dystopische, dennoch geerdete Setting der „Panem“-Welt wurde hier allerdings gegen eine futuristische Sci-Fi/Fantasy-Welt getauscht, in der es aber nicht minder dreckig zugeht. „Fight Girls“ kennt nur eine Richtung, und die geht nach vorne. Das Tempo ist hoch, die Action satt. Und trotzdem weiß die Story mit einem Kniff zu überraschen. Tiefgründiges Storytelling sollte man dennoch nicht erwarten. Einfach nur ein turbulentes Abenteuer mit einigen drastischen Todesszenen, die manchmal ziemlich überraschend einschlagen. Der letzte Akt dreht noch mal etwas an der Story-Schraube und löst sich dann mal kurz von der Dauer-Action. Rückblickend bleibt enorm gute Unterhaltung zurück, die sich mit vielen Schauwerten schmückt. Mehr möchte „Fight Girls“ in meinen Augen auch gar nicht sein, was… nicht verkehrt ist.

Das Cho-Prinzip

Dass die Schauwerte so groß sind, liegt vor allem am großen Namen, der hinter „Fight Girls“ steht. Kenner werden -  ohne den Namen auf dem Cover zu lesen - aus zehn Metern Entfernung sehen, dass der Stil einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Es ist Frank Cho, dessen Zeichnungen einfach für sich stehen. Wer Chos Kanälen in den sozialen Medien folgt, wird wissen, dass der „University Freaks“- und „Liberty Meadows“-Schöpfer sehr gerne die weibliche Anatomie in seinen Bildern hervorhebt. Nicht umsonst tragen seine Artbooks Titel wie „Ballpoint Beauties“, „Drawing Beautiful Women: The Frank Cho Method“ oder „Women: Selected Drawings & Illustrations“. Da ist der Künstler in „Fight Girls“ voll in seinem Element, überspannt den Bogen aber nicht, wenn es um die Darstellung von ästhetischen Körpern geht. Ja, die Kontrahentinnen sind knapp bekleidet, durchtrainiert und kurvig, dennoch verkommt die Mini-Serie nicht zur billigen Strip-Nummer mit aufgepumpten Oberweiten und verrenkten Körpern, die jeden Chiropraktiker von der Couch reißen. Den Job erledigen schon Kollegen wie Jamie Tyndall, Elias Chatzoudis oder J. Scott Campbell (dessen schwungvollen Stil ich dennoch sehr bewundere). Chos klare Linien sind einfach schön anzusehen. Und die leuchtenden Farben von Sabine Rich sind noch die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Da ist es sehr erfreulich, dass man bei CROSS CULT auf das nicht sehr häufig gewählte Alben-Format gesetzt hat, um die Bilder der 2021 erschienenen fünf Einzelhefte noch wuchtiger wirken zu lassen.

Zwischen den Kapiteln bekommen wir nicht nur Chos Cover der US-Hefte zu sehen, sondern auch die Werke diverser anderer Künstler. Das setzt sich im Bonusteil fort, wo wir neben Exklusiv-Motiven auch das doppelseitige Variant der Nr. 1 von Mike Deodato Jr. finden. Vor einigen Konzeptentwürfen erklärt uns Frank Cho noch, wie er auf die Idee zu „Fight Girls“ kam, und wie er damit beim Independent-Publisher AWA (Artists, Writers & Artisans) landete.

Fazit:

Der erbarmungslose Überlebenskampf ist vor allem optisch eine Wucht. Wer schon an Frank Chos actiongeladenem Creator-Owned-Hit „Skybourne“ seine Freude hatte und den Stil des Künstlers auf seinen unzähligen Cover-Motiven abfeiert, fährt mit „Fight Girls“ ziemlich sicher. Die Story ist solide, kriegt gegen Ende noch mal den gewissen Kick und legt insgesamt ein rasantes Tempo vor.

Fight Girls

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