Fatale

Erschienen: November 2014

Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Ein leicht distanzierter Blick auf eine schwarze Witwe beim Beutefang. Bis auf wenige Längen stimmungsvoll inszeniert.

Zeichnung

Realistische und ansprechende Zeichnungen in wunderschönen Aquarell-Farben. Atmosphärisch und dicht an der Geschichte.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Die Waffen der Frauen

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Apr 2018

Hitwoman

Sie ist schön, elegant und verführerisch. Auf der anderen Seite zielstrebig, manipulativ und eiskalt. Ihr Name ist Aimée. Nein, ist er nicht… denn sie hatte schon viele Namen. In DIESEM Leben ist er Aimée... und sie hatte schon viele Leben. Ein Leben, das sie annimmt, um einen Job zu erledigen. Ein Job, an dessen Ende Blut fließen wird. Viel Blut. Es ist nicht ihr erster Job und… am Ende floss immer Blut. Viel Blut.

Als sie sich in den Zug nach Bléville setzt, ist ihre Haarfarbe genauso falsch wie der Name, den sie für ihren Aufenthalt annehmen wird. Aimée Joubert. Kaum in der kleinen Küstenstadt angekommen, ist sie in ihrer Rolle und sucht das Apartment auf, das sie bereits im Vorfeld angemietet hatte. Nicht luxuriös, aber ausreichend. Am nächsten Tag erkundet sie die Ortschaft. Ihr Weg führt sie zum einheimischen Notar. Der Termin mit Monsieur Lindquist war auch schon lange vereinbart. Bei Aimée geschieht nichts ungeplant. Sie weiß, was sie tut und welche Vorkehrungen sie treffen muss. Sie erzählt Lindquist ihre Geschichte… nicht IHRE, sondern Aimées Geschichte. Von ihm erfährt sie auch von einer abendlichen Veranstaltung. Die neue Fischhalle des Ortes soll eingeweiht werden, was eine gute Gelegenheit ist, um die betuchte Gesellschaft von Bléville kennenzulernen. Das ist ihr Ziel: die High Society. Schnell sind Kontakte geknüpft… denn in einer Kleinstadt kennt schließlich jeder jeden. Ärzte, Apotheker, Manager und Geschäftsleute. Der ganze reiche, korrupte und falsche Haufen der Stadt, versammelt in einem Raum. Ein gefundenes Fressen für Aimée… doch sie wartet. Sie wartet und beobachtet. Wie ein Raubtier, das seine Beute ausspäht… in vollem Wissen, dass es seinem Opfer überlegen ist. Doch noch ist ihre Zeit nicht gekommen. Außerdem sticht eine Person aus der Masse hervor: Baron Jules. Von der Upper-Class verachtet, lebt er verarmt und zurückgezogen. Er legt keinen Wert auf die Zugehörigkeit zum „feinen Volk“. Er zieht es vor aus der Ferne zu beobachten. Ähnlich wie Aimée. Doch sein Wissen könnte ihr noch von Nutzen sein.

Wochenlang studiert die schöne Unbekannte die Gewohnheiten der Bewohner. Sie macht sich Notizen und baut akribisch ihr Lügengeflecht aus. Dann, als ein Lebensmittelskandal für Aufruhr in Bléville sorgt und mehrere Todesopfer fordert, scheint die Zeit reif zu sein. Die schwarze Witwe hat ihr Netz quer durch die Stadt gesponnen und ihre Beute fest im Visier. Der Zeitpunkt zuzuschlagen scheint perfekt. Fast schon ZU perfekt…

La veuve NOIRe *

„Fatale“ basiert auf dem gleichnamigen, französischen Roman von 1977 (1993 in Deutschland als „Herz aus Blei“ und 2001 in einer Neuübersetzung unter dem Titel „Fatal“ veröffentlicht). Der Schriftsteller und Journalist Jean-Patrick Manchette (1942-1995) prägte mit seinem Noir-Stil den französischen Kriminal-Roman der 70er Jahre. Sein „Roman noir“ gilt als die europäische Variante des amerikanischen „Hardboiled“-Krimis, der in den USA durch Autoren wie Raymond Chandler oder Dashiell Hammett populär wurde.

Einige von Manchettes Werken wurden auch verfilmt, unter anderem „Killer stellen sich nicht vor“, „Rette deine Haut, Killer“ und erst 2015 der Action-Thriller „The Gunman“, mit Sean Penn in der Titelrolle. Manchette schrieb auch Drehbücher und war so beispielsweise auch an dem Science-Fiction-Zeichentrickfilm „Herrscher der Zeit“ von 1982 beteiligt, für den er die Dialoge schrieb. Kinder der 80er dürften sich bestimmt noch an diese kleine, verstörende Perle – basierend auf einer zeichnerischen Vorlage von Jean „Moebius“ Giraud – erinnern.

Ferner war Jean-Patrick Manchette auch als Übersetzer, Film- und Literatur-Kritiker bekannt. Er arbeitete zum Beispiel bei der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ und der linksliberalen Tageszeitung „Libération“. Auch die französische Übersetzung von Alan Moores Comic-Meisterwerk „Watchmen“ geht auf sein Konto.

Wie der Vater, so der Sohn

Für die 2014 als Hardcover bei Schreiber & Leser veröffentlichte Comic-Adaption von „Fatale“ zeichnet sich - auf der Autoren-Seite - ein gewisser Doug Headline verantwortlich. Wer jetzt denkt, dass sich dieser Name stark nach einem Pseudonym anhört, liegt vollkommen richtig. Hinter dem Namen verbirgt sich nämlich Tristan Jean Manchette, der Sohn von Jean-Patrick Manchette. „Fatale“ ist dabei das zweite Werk, das er nach einer Roman-Vorlage seines Vaters als Graphic Novel adaptierte. Bereits 2011 erschien in Deutschland der Comic-Krimi „Blutprinzessin“ (ebenfalls bei Schreiber & Leser).

„Fatale“ ist durchaus spannend erzählt, was auch an der undurchsichtigen Geschichte liegt. Leider ist diese auch gleichzeitig ein Schwachpunkt… Zuzuschauen, wie sich die Hauptfigur langsam, aber zielsicher in die gut betuchte High Society einschleicht ist interessant und weckt die Neugier des Lesers. Leider bleibt die Motivation der attraktiven Killerin dabei auf der Strecke und auch mit Hintergründen zu ihrer Person wird eher spärlich umgegangen. Der hohe „Erzähler“-Anteil der Geschichte verhindert außerdem, dass eine Bindung zwischen dem Leser und Aimée aufgebaut wird, was zu der eh schon rätselhaften und nicht wirklich sympathischen Figur nochmals die Distanz wachsen lässt. Man verkommt zum stillen Beobachter, ohne sich in die Geschehnisse involviert zu fühlen. Das packende Finale entschädigt allerdings für die Schwachpunkte und macht „Fatale“ für Krimi-Freunde dennoch interessant und lesenswert.

Künstlerisch durfte Max Cabanes Hand an die Femme „Fatale“ legen. Der französische Comic-Zeichner, der bereits für „Blutprinzessin“ mit Doug Headline arbeitete, ist seit den frühen 70ern im Geschäft und wurde 1990 mit dem „Grand Prix de la Ville d'Angoulême“ für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. Seine realistischen Zeichnungen können auch in „Fatale“ voll überzeugen. Die klaren Linien, die sicheren Schattierungen und der hohe Detailgrad treffen den Ton der Geschichte auf den Punkt. Das i-Tüpfelchen ist die gelungene Kolorierung. Atmosphärisch verwaschene Aquarelle unterstreichen die Noir-Elemente und lassen die Bilder – trotz aller thematischen Dunkelheit – leuchten.

Fazit:

Für Krimi- und Noir-Freunde ist „Fatale“ absolut empfehlenswert. Wen eine gewisse Distanz zu den Charakteren nicht stört, kann bedenkenlos zugreifen und sich vor allem an der tollen Optik, die Zeichner Max Cabanes der Roman-Adaption verliehen hat, erfreuen. Das Mysterium „Aimée Joubert“ hätte zwar ein wenig mehr Hintergrund verdient, liefert aber trotzdem – besonders im gelungenen Finale – spannende und ansprechende Unterhaltung.

(* Die schwarze Witwe)

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