Fante Bukowski: Ein amerikanischer Traum

Erschienen: Februar 2020

Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Trotz eines unsympathisch-unbelehrbaren Hauptcharakters, gelingt es Van Sciver ein emotionales und tiefgründiges Drama voller Witz und Drive vorzulegen, dessen siffigen Charmes man sich nur schwer entziehen kann.

Zeichnung

Nack kurzer Eingewöhnung konnte ich mich mit dem „schäbigen“ Stil gut arrangieren. Hochglanz wäre hier definitiv fehl am Platze und so schludert man sich genüsslich durch rund 400 Seiten. Mehr als 7 Punkte sind aber nicht drin.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
„Noch’n Gedicht“, oder, Grandios im Scheitern

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Mai 2020

„Diese beschissene Stadt! Keine gute Bar zum Betrinken und kein tiefes Wasser zum Ertrinken!“

Fante Bukowski hat keine Ahnung… und davon viel. Und mindestens ebenso ein großes Selbstvertrauen. Gepaart mit reichlich Größenwahn. In einem Anflug dessen, gab er, der eigentlich Kelly Perkins heißt, sich selbst den Künstlernamen Fante Bukowski. Diese Namenswahl nimmt freilich Bezug auf den großen Dichter und Schriftsteller Charles Bukowski (1920 – 1994), der wiederum ein großer Bewunderer der von John Fante (1909 – 1983) verfassten Bücher „Warte bis zum Frühling, Bandini“ (1983) und dessen Fortsetzung „Ich – Arturo Bandini“ (1939) war. Dies sollte dann den ungewöhnlichen Wahl-Vornamen aus Kellys schon fast anmaßendem Pseudonym erklären.

Zur großen Enttäuschung seines Vaters hat Kelly seinen Job als Rechtsanwaltsgehilfe in dessen Kanzlei geschmissen, um sich seinem Traum aufs völligste zu ergeben. Dem Traum, ein großer und bedeutender Schriftsteller zu werden. Von Haus aus großkotzig und mit gnadenloser Selbstüberschätzung gesegnet, hat er jedoch bis auf ein paar läppische Gedichte nicht viel zu Papier gebracht. Und wer ist schuld daran? Ganz klar… alle anderen. Die Lektoren, schmierige Agenten, überbewertete Dichter, der Typ von nebenan, sein Dad, der Papst, Johnny Walker, einfach ALLE! Alle, nur nicht er selber. Nie in Erwägung ziehend, einfach nur mittelmäßig oder nicht gut in dem zu sein, was er erstrebt, flucht Fante auf Gott und die Welt. Stets davon überzeugt, den nächsten Bestseller in seinen Schnitzelfingern zu tragen, schafft er es einfach nicht, diesen aufs Papier zu hämmern. Und wieder stellt sich die Frage nach dem Warum… Ganz einfach: Weil der Wille vielleicht unter dem zauseligen Haupthaar vorhanden sein mag, es damit allerdings nicht getan ist. Und so poltert der unterdurchschnittliche Durchschnittstyp durch sein selbstverbautes Leben und tacklet jede aufkeimende Chance mit vollstem Körpereinsatz aus dem Sichtfeld. Man könnte auch sagen, er reißt jedes fragile Kartenhaus mit dem Arsch wieder ein, nur um diese Spielkarten dann zu zinken und beim finalen Heads-Up dennoch den Kürzeren zu ziehen. Dass er seine Eltern dabei ständig um Geld anpumpt, kümmert den selbstverliebten Jammerlappen mit utopischen Ambitionen dabei wenig. Die Würde wurde eh schon in den Rinnstein gekotzt…

Wie Ihr vielleicht dezent raushören konntet, ist der gute Fante nicht das sympathischste Kerlchen unter der Sonne. Trotzdem (oder gerade deshalb?) ist es höchst amüsant, ihn bei seinen Versuchen und Fehltritten zu begleiten. Immer wenn man denkt „So… jetzt ist er ganz unten und langsam wäre es mal angebracht, dass er den Fuß vom Gas nimmt und einsieht, dass es so nicht weiter gehen kann“, legt der von allen belächelte Bukowski-für-Arme noch einen drauf und manövriert sich noch tiefer in die Scheiße… welche ihm eh schon bis zum Kragen steht. Abgewrackt, pleite, plan- und talentlos. Ein Mann, der sich in seiner bemitleidenswerten Rolle anscheinend gefällt und sich genüsslich darin suhlt… darin und im eigenen Saft. Willkommen bei „The (Mis)Adventures of Fante Bukowski“.

„Oh Gott, haben Sie in mein Bidet geschissen?“

Noah Van Sciver, der Mann hinter „Fante Bukowski“, hat einen furztrockenen Humor, der mich auf Anhieb begeistern konnte. Mal derb und zotig, mal schwermütig und nachdenklich stimmend… aber stets geerdet und selten drüber. Ein satirisch-bissiger Blick auf den Literatur-Zirkus, der sich vor der Scheinwelt Hollywoods nicht zu verstecken braucht. Auch hier tummeln sich aalglatte Schleimscheißer, die ihren Goldeseln Zucker in den Arsch blasen, Möchtegern-Hipster, die denken sie wären der nächste T. S. Eliot oder könnten ohne Mühe in die Fußstapfen eines Thomas Pynchon treten, und Blindgänger, die einen Fliegenschiss am Fenster für ein tiefsinniges Best-of von Michelangelos Werken halten. Aufgeblasen, verlogen, verzogen und Gänsehaut erregend lächerlich. Kurzum: Ein herrliches Vergnügen!

Van Sciver ist sich auch nicht zu schade, sich selbst in „Fante Bukowski – Ein amerikanischer Traum“ zu verewigen. Ihm wird die Rolle des erfolglosen Comic-Zeichners zuteil, der krampfhaft versucht, an den kurzzeitigen Ruhm seiner Schriftsteller-Freundin anzuknüpfen. Beziehungsweise versucht er, in ihrem Fahrwasser nicht gnadenlos zu ersaufen. Ärmlich, aber höchst selbstironisch.

„Zugegeben, du siehst mich gerade nicht von meiner besten Seite…“

Ich habe schon ein paar Seiten gebraucht, um mit dem doch sehr eigenwilligen Zeichenstil von Noah Van Sciver warmzuwerden. Irgendwo zwischen Underground- und Indie-Stil dümpelnd, strahlt dem Leser hier keine Hochglanz-Optik entgegen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Schludrige Charaktere und aus der Hand geschüttelte Umgebungen. Das mag nicht zwingend schön sein, erweist sich jedoch schnell als angemessene Wahl für die Darstellung. Fantes Welt ist nicht Glitzer und Glamour. Den einzigen Glitzer gibt es auf seinen selbstgedruckten (und völlig überteuerten) Zines, die er mit reichlich Einsatz an den Mann/die Frau zu bringen versucht… und selbst DAS versaut er. Mit einem Strohhalm hält der sozial abgesoffene Möchtegern-ohne-Antrieb sich krampfhaft über Wasser. Er haust in kargen, tristen Absteigen, schlendert gebeugt durch den Regen, der sich allein aus einer einsamen Wolke über seinem gesenkten Haupt zu ergießen scheint, und lässt sich in modrigen, stickigen Spelunken volllaufen, wo er sich als angehender Zechpreller die letzten, müden Dollar aus den löchrigen Taschen leiert. Ja, die Farben sind trüb, schlampig über die schnell gezogenen Outlines geschmiert und versprühen selten eitel Sonnenschein. Sie zeigen die Welt, wie sie ist… zumindest die Welt von Fante Bukowski. Auch, wenn er der letzte ist, der dies einsehen möchte… und würde.

„Endlich habe ich eine laute Stimme!“

Richtig, Mr. Bukowski… und einen ordentlichen Klopper in Form einer Gesamtausgabe! In diese hat der Avant-Verlag nämlich alle drei US-Ausgaben gepackt. Diese erschienen zwischen 2015 und 2018 als „Fante Bukowski“, „Fante Bukowski Two“ und „Fante Bukowski Three: A Perfect Failure“ bei Fantagraphics. Das massive Hardcover kommt dabei mit hochwertigem Papier und einem Cover-Motiv, das die Stimmung der Graphic Novel perfekt wiederspiegelt und mit einem Bild auf den Punkt bringt.

Fazit:

Selten war Scheitern amüsanter. Der unbelehrbare Hauptcharakter, dessen Ego größer ist als der Schuldenberg bei seinen Eltern, macht es einem mit seiner Art auch verdammt leicht, ihm NICHT die Daumen zu drücken. Man sagt ja „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Dumm nur, wenn man als Schmied nicht mal über einen Amboss verfügt…

Fante Bukowski: Ein amerikanischer Traum

Fante Bukowski: Ein amerikanischer Traum

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