Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Road-Trip um zwei ungleiche Charaktere, die um ihr Überleben kämpfen. Nicht sonderlich innovativ, was bei dem überpräsenten Zombie-Genre aber auch schwerfällt.

Zeichnung

Einfach gehaltene Charaktere in überzeugender und atmosphärischer Kolorierung.

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Marcel Scharrenbroich
Zombies gehen immer… oder?

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Apr 2018

Das kleine Zombie-1x1

Untote so weit das Auge reicht… Aus jedem noch so kleinen Loch kommen die nach Menschenfleisch gierenden, kurz vor dem Verfall stehenden Hungerhaken gekrochen und bevölkern zuhauf Kinoleinwände, TV-Bildschirme, Comic-Bücher und die heimischen Konsolen. Kein Medium ist vor den schlurfenden „Beißern“ sicher.

Der klassische Zombie-Film hat seinen Ursprung bereits in den frühen 30ern und über die Jahre hinweg durften die Untoten regelmäßig die Lichtspielhäuser unsicher machen. Als Begründer des modernen Zombie-Films gilt hingegen George A. Romero, der 1968 mit „Die Nacht der lebenden Toten“ riesige Erfolge feiern konnte und somit die Tür für unzählige weitere Produktionen dieser Art öffnete… mal mehr, mal weniger erfolgreich. In den folgenden Jahrzehnten arbeiteten sich Regisseure wie Joe D’Amato, Jess Franco, Jean Rollin, Sam Raimi, Umberto Lenzi, Lucio Fulci, Lamberto Bava, Stuart Gordon, Brian Yuzna, Peter Jackson und Wes Craven an dem Genre ab. Auch in den frühen 2000ern konnte man noch neue Akzente setzen und Danny Boyle verpasste den lahmen Kollegen eine Generalüberholung und ließ seine „Infizierten“ in „28 Days Later“ & „28 Weeks Later“ rennend auf ihre Opfer zustürmen. Neben Zack Snyders gelungenem Remake zu „Dawn of the Dead“ und Edgar Wrights komödiantischem Highlight „Shaun of the Dead“ mit Simon Pegg, erblickte auch „Resident Evil“ erstmals das Licht der großen Leinwand. Paul W.S. Andersons Videospiel-Adaption brachte es immerhin auf stolze fünf Fortsetzungen, die qualitativ aber immer tiefer in Richtung Keller sanken.

Besser sah es für „Resident Evil“ da auf dem Konsolenmarkt aus. Seit 1996 sorgt die japanische Horror-Reihe aus dem Hause Capcom für wohliges Gruseln im gemütlichen Wohnzimmer. Neben unzähligen Ablegern konnte der siebte Teil der Hauptreihe Anfang 2017 erneut überzeugen, indem man das Spielprinzip abänderte und den Spieler in der Ego-Perspektive ins Geschehen warf. Natürlich hatte das „ansässige Böse“ nicht die Alleinherrschaft auf dem digitalen Markt und unzählige Mitbewerber auf den Zombie-Thron stiegen aus ihren nassen Gräbern. „Dying Light“, „Dead Island“ und selbst in die „Call of Duty“-Reihe und den All-Ages-Dauerbrenner „Minecraft“ hielten die stöhnenden Gesellen bereits Einzug. Ein Ende ist da wohl nicht in Sicht, denn Titel wie „Days Gone“ und ein weiterer Ableger aus dem „The Walking Dead“-Universum lassen nicht nur Untoten das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Apropos „The Walking Dead“… die latschenden Toten aus dem „Gehiiiiirn“ des amerikanischen Autors Robert Kirkman („Outcast“) sind sicherlich nicht ganz unschuldig an dem andauernden Hype, auch wenn die zugehörige, seit 2010 aktuell in der achten Staffel laufende Serie mit andauerndem Quotenrückgang zu kämpfen hat. Sogar die Spin-Off-Serie „Fear the Walking Dead“ läuft momentan erfolgreicher, was die Macher allerdings nicht daran hindert, offen über einen weiteren Ableger zu diskutieren. Auch im TV gibt es natürlich Alternativen… „iZombie“, „Z-Nation“ und „Dead Set“ schlagen in ähnlich blutige Kerben.

Im Comic-Genre hält sich „The Walking Dead“ aber seit mittlerweile 2003 wacker im Sattel und bisher ist auch kein Ende absehbar. Weitere gedruckte Werke mit fauliger Thematik wären beispielsweise „Zombies“ und die Ableger-Reihe „Zombies Nechronologien“, vom französischen Autor Olivier Peru. Ebenso aus Frankreich stammt „Die Nacht der lebenden Toten“, basierend auf dem gleichnamigen Romero-Klassiker. Die „Alice Matheson“-Reihe brachte es bislang auf fünf Bände, während „Die Toten“ bei vier Bänden stehen und die großartige Reihe „Revival“ kürzlich mit dem achten Hardcover beendet wurde. Doch auch hier dürfte es nicht zum Stillstand kommen, denn so lange sich die Leser dran erfreuen, wird das fröhliche Hirnlutschen auch in Zukunft weitergehen.

Was fällt bei der kurzen Übersicht über die multimediale Zombie-Plage sofort ins Auge? Genau… es fehlt noch ein Ableger aus deutschen Landen. Da wird es dann deutlich überschaubarer… denn Uwe Bolls „House of the Dead“-Verfilmung lasse ich jetzt mal unkommentiert unter den Tisch fallen.

Heimat-Horror

Die in Jena geborene Comiczeichnerin und –autorin Olivia Vieweg verlegt den Schauplatz der Zombie-Epidemie einfach mal nach Deutschland, denn solch ein globales Phänomen findet natürlich nicht nur in Japan, England oder den USA statt. Wenn schon weltweit, dann gerne auch mal vor der eigenen Haustür. Definitiv mal ein erfrischend neuer Handlungsort… auch wenn die Grundprämisse sich nicht sonderlich von anderen Überlebenskämpfen unterscheidet. „Endzeit“ war Viewegs Diplomarbeit für die Bauhaus-Universität in Weimar, im Jahr 2011. Veröffentlicht wurde die ursprünglich 76seitige Erzählung erstmals ein Jahr später als Fortsetzungs-Geschichte im Magazin Comix. Im selben Jahr wurde die Originalfassung beim Verlag Schwarzer Turm publiziert.

Für den Suhrkamp Verlag verlegte Olivia Vieweg schon die klassische Geschichte von Mark Twains „Huckleberry Finn“ in heimatliche Gefilde. So erlebt ihr „Huck Finn“ seine Abenteuer nun in der Gegenwart… und zwar in Halle an der Saale. Mit ihrem Entwurf zu „Antoinette kehrt zurück“ gewann Vieweg 2012 das Comic-Stipendium des Egmont Ehapa Verlags, wo ihre Erzählung, die sich mit dem brisanten und präsenten Thema Mobbing auseinandersetzt, auch 2014 als Graphic Novel veröffentlicht wurde.

Aktuell nahm sich die Künstlerin erneut ihrer Diplomarbeit an und arbeitete diese aus. Die jüngst erschiene Ausgabe von „Endzeit“ gibt ihren Charakteren mehr Raum und verleiht ihnen die nötige Tiefe. Auf nunmehr 288 Seiten liegt der Fokus nun deutlich auf Viewegs Hauptprotagonistinnen und deren Geschichten. Die eigentliche Bedrohung – die Zombies – werden allenfalls zu Nebencharakteren degradiert, was ein wenig Schade ist. So gerät „Endzeit“ mehr zum Road- und Selbstfindungs-Trip vor heimatlicher, postapokalyptischer Kulisse, deren Handlungsort aber auch beliebig austauschbar wäre. Diese Tatsachen machen aus „Endzeit“ bei weitem kein schlechtes Buch, verschenken aber einige Möglichkeiten, sich von den unzähligen Genre-Vertretern abzuheben und neue Impulse zu liefern.

Die Toten laufen… und laufen… und laufen… und laufen…

Zwei Jahre sind vergangen, seit die Untoten aus ihren Gräbern stiegen und die Bevölkerung unweigerlich zu dezimieren begannen. Nur die Städte Jena und Weimar trotzen der drohenden Auslöschung, verbunden durch einen führerlosen Versorgungszug, der die letzten Bastionen mit Nahrung und anderen wichtigen Gütern unterstützt. Im abgeriegelten Weimar lebt die junge Vivi nach dem Verlust ihrer Familie in einer Nervenheilanstalt, deren Leiterin in ihr eine Art Tochterersatz sieht. Als Vivi in der sommerlichen Gluthitze für Arbeiten am Schutzzaun eingeteilt wird, lernt sie die unterkühlte Eva kennen, die in ihrer Art das komplette Gegenteil von Vivis schüchternem Naturell darstellt. Als ein schicksalhafter Vorfall am Zaun das Leben beider Mädchen verändert, beschließen sie – unabhängig voneinander – ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Im Versorgungszug, in dem Passagiere eigentlich strikt verboten sind, treffen sie erneut aufeinander.  Ein ungeplanter Halt auf freier Strecke zwingt das ungleiche Duo zum Aussteigen und so beginnt ein lebensgefährlicher und lebensverändernder Road-Trip im zombieverseuchten Gebiet zwischen Weimar und Jena.

Farbenfrohe Flucht

Olivia Viewegs Zeichnungen sind eher einfach gehalten, vermitteln den Inhalt aber akzeptabel. Manga-Einflüsse lassen sich bei der Charakter-Gestaltung nicht verleugnen, verleihen dem Werk im Kontrast mit der rauen Welt aber das gewisse Etwas. Viewegs Strich ist skizzenhaft, aber dynamisch. Besonders punkten kann ihre stimmige Kolorierung, in Zusammenarbeit mit Ines Korth und Adrian Vom Baur. Die Farbgebung ist warm und kräftig, mit einigen leuchtend-bunten Akzenten… speziell Vivis rosa Haarpracht fällt immer wieder ins Auge. Da große Teile der Handlung unter freiem Himmel spielen, herrschen warme Erdtöne, die die brütende Hitze gut einfangen, deutlich vor.

Das hochwertige, gebundene(!) Softcover aus dem Carlsen Verlag ist allein durch seine atmosphärischen Farben bei der Cover-Gestaltung schon ein Blickfang. Vivi und Eva bei ihrer Tour-de-Force, unter nächtlichem, violett gefärbtem Sternenhimmel.

Fazit:

Auch die Verlagerung der Handlung in untypische Gefilde – nach Deutschland – erfindet das Genre nicht neu. Allerdings dürfte es auch schwer sein, den – langsam aber sicher – ausgetretenen Pfaden der „laufenden Toten“ noch neuen Reiz zu entlocken. So ziemlich jedes Szenario über Zombies und Infizierte wurde schon durchgekaut… mehrmals! Olivia Viewegs Hauptaugenmerk gilt hier eher ihren Hauptakteurinnen, deren Vergangenheit im Laufe der Geschichte auch beleuchtet wird. Ein ungleiches Duo, das sich zusammenraufen muss, um im apokalyptischen Deutschland zu überleben.

Die gleichnamige Verfilmung ist übrigens schon im Kasten und wird voraussichtlich 2019 in den Kinos starten. Für die Produktion zeichnet sich Grown Up Films Erfurt, in Zusammenarbeit mit dem ZDF und Arte, verantwortlich.

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