Elma - Ein Bärenleben

Elma - Ein Bärenleben
Elma - Ein Bärenleben

Erschienen: April 2021

Erschienen: April 2021

Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Tolle Figuren, deren Beziehung die Geschichte trägt. Unfassbar, dass die Macherinnen keine 90 Seiten brauchen, damit ich mich in die Figuren verliebe. Abzüge gibt es aber in der B-Note, denn im Worldbuilding liegt die Würze definitiv nicht in der Kürze. Da fehlt mir ein bisschen der Grund, warum die Dinge passieren, wie sie passieren.

Zeichnung

Absolute Spitzenklasse! Mazés Zeichenstil ist sehr kindgerecht und die Figuren sehen aus wie aus einem Kinderbuch. Doch die Panels und die Seitengestaltung generell ist sehr anspruchsvoll. Die Dynamik der Bilder macht den Comic aber trotzdem für das jüngere Publikum lesbar.

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Nina Pimentel Lechthoff
Kinder-Comic für Jung und Alt

Comic-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Aug 2021

Der Bär und sein Mädchen

Elma ist ein wildes Kind. Nicht nur, weil sie im Wald bei einem Bären aufgewachsen ist. Nein, Elma ist abenteuerlustig und bereitet ihrem Bärenpapa jede Menge – wenn auch nur kleine – Sorgen. Doch eines Tages wachsen diese über gewöhnliche Alltagssorgen hinaus. Denn eine unsichtbare Kraft scheint es auf Elmas Leben abgesehen zu haben. Nun müssen Elma und der Bär sich auf eine gefährliche Reise durch den Wald machen. Elma versteht die Welt nicht mehr und je weiter sie sich von ihrer Heimat entfernt, desto verständnisloser wird sie. Denn Papa Bär will ihr nicht verraten, warum sie diese Reise angetreten haben und wer Elma nach dem Leben trachtet. Doch die Antwort auf all ihren Fragen wird Elmas Leben noch mehr durcheinanderwirbeln, als es ohnehin schon ist.

Wer hat denn bitte hier Zwiebeln geschnitten?!

Die Geschichte von „Elma – Ein Bärenleben“ ist unfassbar emotional. Ich muss zugeben, ich habe mehr als einmal mit den Tränen kämpfen müssen und den Großteil des Endes nur verschwommen sehen können. In knapp 80 Seiten – der Band hat neben der Hauptstory noch einen kurzen Epilog – haben Autorin Ingrid Chabbert und Zeichnerin Léa Mazé es geschafft, zwei wunderbare Figuren zu schaffen, deren Beziehung mich ins tiefste Innere berührt hat. Dass weder die Geschichte noch die Beziehung zwischen den Figuren in Kitsch abdriftet, ist noch eine Errungenschaft der beiden Macherinnen, die man ihnen nicht hoch genug anrechnen kann.

Auch die Welt, in der die Geschichte spielt, ist sehr spannend. Dabei fängt die Geschichte sehr normal an – so normal eine Geschichte über ein kleines Mädchen, das von einem Bären erzogen wird, denn sein kann. Wenn man aber denkt, dass es ähnlich wie bei Tarzan oder Mogli ablaufen wird, täuscht man sich. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto magischer wird sie auch. Es gibt mysteriöse Kräfte, Zauberei und uralte Flüche.

Mehr Worldbuilding, bitte!

Hier aber stößt „Elma – Ein Bärenleben“ etwas an seinen Grenzen. Denn so gut die Beziehung zwischen Elma und dem Bären und deren Charakterentwicklung in 88 Seiten funktioniert, etwas mehr Platz hätte das Worldbuilding tatsächlich gebraucht. Für mich war der Grund, warum Elma bei dem Bären in den tiefen der Wälder aufwachsen musste und warum sie ausgerechnet jetzt wieder zurück soll, etwas zu dünn. Dieser Teil der Geschichte wird zwischen Tür und Angel erzählt und hätte meiner Meinung nach mehr Stoff geboten als die knapp fünf Seiten Dialog zwischen Elma und dem Bären.

Raffinierte Bilder, kindgerecht verpackt

Das absolute Highlight sind bei „Elma – Ein Bärenleben“ definitiv die Bilder von Mazé. Die Figuren könnten aus einem Kinderbuch stammen: Elma hat große Augen und wild flatterndes Haar; der Bär ist groß und blau und knuddelig. Die Gesichter der Figuren sind sehr ausdrucksstark und oft übertrieben gezeichnet, was dem Comic einen Animations-Charakter verleiht, der sehr gut zur Geschichte passt.

Die Farben ändern sich je nach Stimmung und Schauplatz. Am Anfang der Geschichte sind sie in einem Wald voller sattgrüner Bäume und vor sich hin plätschernder Bäche. Im Laufe der Reise kehren sie in einer Höhle ein, deren Steine ein kaltes blaugrau ausstrahlen. Weiter zum Ende hin wird der Wald immer herbstlicher. Der blaue Bär sticht im braunen Wald sehr schön hervor.

Die Figuren und die Schauplätze sind wirklich toll gezeichnet und die Farben sehen wunderschön aus. Was mich aber am meisten umgehauen hat, sind die Panels. Die Seitengestaltung passt sich gut der Erzählung an. Aber dass ich in einem Kinder-Comic so dynamische Panels finden würde, damit habe ich nicht gerechnet. Bilder sprengen teilweise die Rahmen und erstrecken sich über mehrere Panels. Vor allem eine Szene ist mir sehr in Erinnerung geblieben: Elma und der Bär müssen über eine alte Seilbrücke zum anderen Flussufer klettern. Der Bär kann fast ohne Zwischenfälle rüber, was sich auch in den Bildern widerspiegelt. Bei seiner „Überfahrt“ sieht man beide Ufer, ein paar Bäume usw. Als Elma dran ist, liegt der Fokus komplett auf ihr. In einem schmalen, langen Panel sieht man sie auf der Brücke – sonst nichts. Das vermittelt einem, wie gefährlich das eigentlich ist und wie tief Elma fallen könnte. Auf der nächsten Seite gibt es vier schmale Panels, die die Regung des Wassers – der Feind ist in der Nähe – zeigt und wie Elma von einer Welle erfasst wird. Die Elemente der Panels greifen in die anderen rüber und erzeugen so viel Spannung.

Fazit:

„Elma – Ein Bärenleben“ ist definitiv nicht nur was für Kinder. Der Comic erzählt eine wunderschöne Geschichte über Familie und wie wichtig es ist, zusammenzuhalten. Die Macherinnen schaffen es, in unter 90 Seiten zwei tolle Figuren zu schaffen, deren Beziehung unter die Haut geht. Nur beim weiteren Worldbuilding stößt die Geschichte an ihren Grenzen, sodass sich vielleicht nicht alles nahtlos zusammenschließt. Vor allem aber die Bilder zeigen, dass der Comic nicht nur für Kinder lesenswert ist. Mazés Stil ist sehr kindergerecht, die Figuren sind zeichentrickhaft übertrieben gestaltet. Aber wie sie ihre Seiten und ihre Panels anordnet und das Medium Comic ausnutzt, um Spannung zu schaffen, ist sehr raffiniert. Egal ob Jung oder Alt, „Elma – Ein Bärenleben“ ist definitiv einen Blick wert!

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