Ein Baby auf Abwegen

Ein Baby auf Abwegen
Ein Baby auf Abwegen

Erschienen: März 2021

Erschienen: März 2021

Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Die Figuren sind mir alle sehr sympathisch geworden und ihre haarsträubenden Abenteuer haben mich sehr zum Lachen gebracht. Aber die Gags wiederholen sich schnell und zum Ende hin habe ich viel durchgeblättert.

Zeichnung

Sehr einfach gezeichnete Figuren, die man aber trotzdem gernhat. Die großen Augen und der rasante Strich haben die Figuren sehr ausdrucksstark gemacht. Die unbändigen Wasserfarben sind das i-Tüpfelchen der humorvoll-chaotischen Geschichte.

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Nina Pimentel Lechthoff
Ein Hase, eine Ente und ein Schwein gehen in eine Bar...

Comic-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Mai 2021

Wie Piggy zu ihren Eltern kam

Weil der Storch sich den Flügel bricht, müssen jetzt andere seine Aufgabe übernehmen: das Baby zu seinen Eltern bringen. Und weil gerade kein anderer da ist, drückt der Storch einem Hasen und einer Ente das kleine Menschenkind in die Pfoten bzw. Flügel. Einfach das Baby zu seinen Eltern nach Avignon bringen, so schwer kann das doch gar nicht sein! Auf der Reise gabeln der Hase und die Ente noch ein kleines, dickes Schweinchen auf, und schwupps ist das Trio komplett. Also noch einmal die Checkliste vor der Reise durchgehen: Baby – check! Adresse – check! Aber... in welche Richtung geht’s nach Avignon? Bei der Reise von Hase, Ente, Schwein und Baby ist Chaos vorprogrammiert. Füchse, Metzger und sogar die Polizei kann das Trio aber nicht aufhalten! Mit ihrer Mission vor Augen und dem kleinen, süßen Baby – das sie liebevoll Piggy nennen – in den Armen können sie alle Hindernisse überwinden. Bleibt aber bitte bloß vom selbst gebauten Katapult weg!

Chaos als Wegbegleiter

Die drei Weggefährten manövrieren sich von einer haarsträubenden Situation in die nächste. Meistens sind sie selbst schuld, etwa wenn sie das Baby als Päckchen nach Avignon verschicken wollen, aus Versehen aber die falsche Adresse auf das Paket schreiben. Manchmal aber spielt das Schicksal ihnen üble Scherze. Aber egal, warum das Trio um das kleine Baby wieder einmal um sein Leben rennen muss, eines ist sicher: für jede Menge Lacher ist auf jeden Fall gesorgt.

Am Anfang von „Baby auf Abwegen“ dachte ich mir ständig, dass Autor und Zeichner Benjamin Renner diese sehr chaotische Energie, die diesen Figuren innewohnt, doch nicht fast 300 Seiten lang beibehalten kann. Dem ist aber definitiv so! Jedes Mal, wenn Hase, Ente und Schwein ins nächste Abenteuer stolpern, musste ich sehr lachen. Dabei zündet nicht nur der sehr krasse Slapstick-Humor – ständig fällt eine der Figuren auf die Schnauze oder wird durch die Gegend katapultiert – immer wieder, auch die Dialoge zwischen den Figuren sind sehr witzig. Die drei Protagonisten haben sehr eigene Charakterzüge, sogar das Baby ist eine eigenständige Figur – auch wenn nur meist das kleine, süße Gesicht aus dem Bündel herausschaut. Ente und Hase sind reine Chaoten, deren wahnwitzige Ideen meist nur vom besonneneren Schwein im Zaum gehalten werden können.

Auch wenn ich mich immer wieder gekrümmt habe vor Lachen, hätte ich auch einige Eskapaden weniger gut vertragen. Ich habe mich irgendwann dabei ertappt, dass ich die Seiten nur noch überflogen habe. Denn auch wenn der Humor sehr gut ist, wiederholen sich die Gags. Wenn das Baby das hundertste Mal vergessen oder verlegt wird, ist es zwar weiterhin witzig, aber leider nicht mehr neu.

Einfach, und doch so bezaubernd!

Die Figuren in „Ein Baby auf Abwegen“ sind alles andere als fotorealistisch gezeichnet. Große Augen und einfache Formen tragen viel zum Humor in Benjamin Renners Comic bei. Das Schwein ist klein, der Hase hat lange Ohren und die Ente einen spitzen Schnabel. Trotzdem erkennt man die Figuren sehr gut wieder. Und eben weil die Figuren sehr einfache Formen haben, müssen die einzelnen Panels nicht allzu groß sein, um die Action zu erkennen. Meistens gibt es auf einer Seite vier Panels, nur ab und zu gibt es nur ein Bild auf einer Seite. Wenn aber mit der Vier-Panels-Struktur gebrochen wird, ist die Wucht des einzelnen Bildes sehr groß. Als das Trio das Baby aus Versehen in die Philippinen verschickt, endet die Truppe auf einmal in einem Flugzeug. Und weil die drei solche Chaoten sind, öffnen sie die Laderampe und kullern aus dem fliegenden Flugzeug raus. In diesen Bildern passiert sehr viel und es gibt jede Menge Dialog. Als das Baby samt Schwein aus dem Flugzeug fällt, gibt es ein kleines Bild auf einer ganzen Seite zu sehen: Der Flieger fliegt und zwei kleine Kugeln fallen zu Boden. Alles ist ruhig, die aufgeregten Ente und Hase sind nicht mehr zu sehen. Der Humor in „Ein Baby auf Abwegen“ ist nicht nur in den lustigen Dialogen, dem Zeichenstil und den Slapstick-Abenteuern der Figuren präsent, sondern auch im Layout des Comics.

Mein absolutes Lieblingselement sind aber die Aquarellzeichnungen. Der Zeichenstil selbst ist sehr reduziert, was sowohl die Figuren als auch die Umgebung angeht. Vieles wird nur angedeutet. Die Wasserfarben helfen sehr dabei, ein Gefühl für die Räume und Figuren zu bekommen. Während auf den ersten paar Seiten des Comics meist nur die Figuren ausgemalt sind, bekommen im Laufe der Geschichte auch der Boden oder einige andere Dinge etwas mehr Farbe. Dabei genießen die Wasserfarben jede Menge Freiheit. Ähnlich wie die Figuren selbst, sind die Farben chaotisch und nicht immer von den Linien begrenzt. Wenn sich das Schwein z.B. aufregt glänzt sein ganzer Kopf – und manchmal die nähere Umgebung – hochrot.

Fazit:

„Ein Baby auf Abwege“ ist ein netter Comic, der mich sehr zum Lachen gebracht hat. Mir haben die chaotischen Abenteuer von Hase, Ente und Schwein sehr gefallen, auch wenn sie sich im Laufe der knapp 300 Seiten schon etwas wiederholen. Am besten haben mir aber die Aquarellzeichnungen gefallen. Denn auch die Wasserfarben haben das Chaos aus der Story-Ebene in die Bilder gebracht. Nicht immer haben sie sich von den Linien bändigen lassen.

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