Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Einfühlsam, traurig und hoffnungsvoll… Ähnlich wie beim Zeichnerischen, wird auch erzählerisch die volle Gefühls-Palette bedient.

Zeichnung

Gekonnte schwarz-weiß-Zeichnungen, die in unterschiedlichen Stilen variieren und sich den Story-Gegebenheiten anpassen.

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Marcel Scharrenbroich
Vater werden ist nicht schwer, …

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Mai 2018

…Vater sein dagegen sehr.

Und wie jeder gute Vater, der versucht, sein Kind vor allem Übel zu bewahren, ist es auch Louis‘ Bestreben, seinen einzigen Sohn vor drohendem Unheil zu schützen. Dieses Unterfangen gestaltet sich allerdings als schwierig, da das idyllische, ländliche Leben einer kleinen Familie, abseits der Zivilisation, bald auf eine harte und unausweichliche Probe gestellt wird.

Als Louis eines Abends mit seiner Gattin Lise gemütlich in der heimischen Stube hockt und verträumt im Kamin stochert, wird die harmonische Atmosphäre plötzlich unterbrochen. Der kleine Joachim berichtet seinen Eltern verängstigt, dass er vom Fenster aus drei mysteriöse Schatten, entfernt auf einem Hügel, erblickt hat. Zusammen steigen Louis und Lise mit ihrem Sohn hinauf zu dessen Schlafplatz und blicken hinaus. Da war tatsächlich etwas… weit entfernt… kaum sichtbar. Bäume? Nein, Louis‘ erster Gedanke täuscht ihn. Es sind Schatten. Schatten, die sich bewegen… Reiter. Es sind Reiter. Drei Reiter.

Die Tage ziehen ins Land und die kleine Familie lebt ihr Leben weiter. Doch… die rätselhaften Gestalten tauchen erneut auf. Mehr noch… sie kommen näher. Bedrohlich nah. Als Louis, der seine Lieben in Gefahr sieht, der Sache auf den Grund gehen will und sich mit seiner Axt bewaffnet in den nächtlichen Nebel wagt, geschieht… nichts. Die Reiter entfernen sich und verschwinden aus seinem beeinträchtigten Sichtfeld. Eines Nachts, als Joachim direkt mit den mysteriösen Gestalten konfrontiert wird und diese unmittelbar vor dem Haus auftauchen, sieht seine Mutter nur eine Lösung. Lise macht sich  - ohne das Wissen ihres Gatten - auf, um im Dorf die Hilfe von Suzette Pique in Anspruch zu nehmen. Fräulein Pique ist die örtliche Seelsorgerin und wird von Louis gerne mal als „verrücktes Weib“ bezeichnet, da er mit ihrem Hokuspokus nichts anfangen kann. Dennoch… Lise fühlt sich derart hilflos und bedroht, dass sie keinen anderen Ausweg mehr sieht. Mit Antworten kann die alte Dame dienen, gewiss… doch diese übersteigen alles, was Lise sich hätte ausmalen können: Die Reiter sind gekommen, um Joachim zu holen.

Die Eltern wollen es nicht wahrhaben, können aber die Augen vor der immer näher kommenden Gefahr nicht verschließen. Zu ernst nehmen sie die Worte von Suzette Pique… und fassen einen folgenschweren Entschluss. Louis soll mit Joachim fliehen. Lise ist bereit, ihren einzigen Sohn ziehen zu lassen. Sie nimmt den Abschied in Kauf, um sein Überleben zu sichern.

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion machen Vater und Sohn sich auf und versuchen, dem Schicksal – in Gestalt der drei Schatten -  zu entfliehen…

Böse-Nacht-Geschichte?

Hört sich die Geschichte von „Drei Schatten“ anfänglich noch düster und trostlos an, entpuppt sie sich im Laufe der Handlung doch eher gegenteilig. Gute-Laune-Lektüre darf der Leser bei einem schwer verdaulichen Thema wie „Tod“ natürlich trotzdem nicht erwarten, wird aber auf behutsame und versöhnliche Weise damit konfrontiert. Thomas von Steinaecker – von der „Süddeutschen Zeitung“ – nennt das Werk auf der Rückseite ziemlich treffend  „Trostbuch“, was ich ohne weiteres unterschreiben kann. Es stellt die Unausweichlichkeit in den Vordergrund, der Vater und Sohn während ihrer gemeinsamen Odyssee ins Auge blicken müssen. Die Akzeptanz, die dem nicht entrinnbaren Ende den Schrecken nimmt… und das Schicksal, dessen harte Hand zwar gnadenlos zuschlagen kann, aber auch zeigt, dass das Leben weitergeht und sich neue Türen öffnen, wo andere geschlossen werden.

Mit flottem Strich ins Jenseits

Der französisch-portugiesische Comic-Autor, Grafiker und Illustrator Cyril Pedrosa begann seine Karriere als Animator bei den „Walt Disney Animation Studios“ und arbeitete unter anderem an den erfolgreichen Filmen „Hercules“ und „Der Glöckner von Notre Dame“. Mit „Drei Schatten“ feierte er 2007 seinen Durchbruch in der Welt der Comics und Graphic Novels. Auf dem „Internationalen Comicfestival von Angoulême“ wurde Pedrosa auch im Folgejahr für dieses bewegende Werk ausgezeichnet. Im selben Jahr, 2008, erfolgte dann die deutsche Veröffentlichung im Reprodukt Verlag, der diesem wunderbaren Buch ein - ebenso wunderbares – Hardcover-Outfit verpasste. Das warme Cover-Motiv leitet stimmungsvoll auf den Inhalt ein, wird im Gegensatz zur Geschichte aber in ansprechenden Brauntönen präsentiert. Diese besteht nämlich ausnahmslos aus schwarz-weiß-Zeichnungen. Diese Tatsache schmälert den guten Gesamteindruck aber nicht, da die schwungvollen Illustrationen sich auf einem hohen Niveau bewegen und den Disney-Einfluss ihres Zeichners nicht verleugnen können. Mal treffsicher und detailliert, dann grob schraffiert, anderenorts flott und mit wenigen Strichen skizziert… die Palette, die Cyril Pedrosa an Stilen auffährt ist umfangreich und passt sich den dargestellten Gegebenheiten harmonisch an.

Neben „Drei Schatten“ veröffentlichte der Reprodukt Verlag auch Pedrosas weitere Graphic Novels „Jäger und Sammler“, „Portugal“, „Auto-Bio“, sowie die Gemeinschaftsarbeit mit anderen Künstlern „Le Monde diplomatique: Comics zur Lage der Welt“, in der sich 50 ausgewählte Illustrations-Beiträge der französischen Monatszeitung finden.

Fazit:

„Drei Schatten“ ist wahrlich keine leichte Lektüre. Dafür eine, die erstaunlich behutsam das „Loslassen“ und den „Tod“ thematisiert. Trotz gelegentlicher Längen im Mittelteil und surrealen Abschweifungen in Richtung Finale, kann Cyril Pedrosas eindrucksvolle Auseinandersetzung mit dem Unvermeidbaren überzeugen. Der disneysche Cartoon-Stil transportiert die ernste Geschichte – trotz anfänglicher Bedenken – hervorragend und lässt den Leser mit dem liebenswerten Vater/Sohn-Gespann gemeinsam hoffen und bangen.

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