Dorian Gray

Dorian Gray
Dorian Gray
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André C. Schmechta
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Comic-Couch Rezension vonApr 2025

Story

In fünf Akten inszeniert Corominas den moralischen Absturz und Verfall des Dorian Gray. Ihm gelingt es die Vielschichtigkeit und Ambivalenz in Wildes Werk auf 88 Seiten kompakt und dabei überaus dicht zu erzählen.

Zeichnung

Seine Zeichnungen entführen uns in das viktorianische London Ende des 19. Jahrhunderts. Sie prägen die fesselnde Dramaturgie, sind detailreich und farbgewaltig.

Großartige Adaption eines Klassikers der Weltliteratur.

Mit Das Bildnis des Dorian Gray erschuf Oscar Wilde einen Klassiker der Weltliteratur. Mit seiner Graphic Novel verleiht der spanische Künstler Enrique Corominas dem ikonischen Werk eine neue emotionale und vor allem visuelle Dimension.

Moralischer Absturz und Verfall in fünf Akten

In fünf Akten inszeniert Corominas den moralischen Absturz und Verfall des Dorian Gray. Der sitzt eines Tages bei seinem Freund und Maler Basil Modell für ein Porträt. In anfänglich naiver Faszination für das eigene Spiegelbild wünscht sich Dorian, dass das Bild statt seiner altern möge. Dieser Wunsch wird in der Auslöschung von allem, was seine fortan errichtete Scheinwelt trübt oder bedroht, enden. Und während Dorian äußerlich schön, jung und makellos bleibt, verändert sich tatsächlich sein Porträt, das immer mehr gezeichnet ist von seinen teils schrecklichen Taten, seiner Schuld und Laster.

Corominas gelingt es die Vielschichtigkeit und Ambivalenz in Wildes Werk, dem Wandeln zwischen Vergnügen, Lust und Leben, zwischen Verführung, Vergänglichkeit und Verderben auf 88 Seiten kompakt und dabei überaus dicht, vor allem aber in kraftvollen Aquarellen einzufangen. Seine Zeichnungen entführen uns in das viktorianische London Ende des 19. Jahrhunderts. Sie prägen die fesselnde und kontrastreiche Dramaturgie, sind detailreich und farbgewaltig. Mit zunehmender Seitenzahl verlieren sie an Opulenz und Leichtigkeit, die Panels werden dunkler, die Kompositionen bedrückender. Das visuelle Erzählen begleitet Dorians Veränderung so nicht nur – es verstärkt sie auf fast beklemmende Weise. Der Selbstmord von Dorians Geliebter, seine skrupellose, von dem dandyhaften Lord Henry immer wieder motivierte Selbsterhöhung, die Erkenntnis seines Freundes Basil – in starken und ausdrucksvollen Bildern entfaltet sich eine düstere Poesie.

Im umfangreichen Nachwort reflektiert Enrique Corominas über die Entstehung seines Werkes und seine Auseinandersetzung mit dem Originaltext. Die ergänzten großformatigen und faszinierenden Bilder gleichen eindrucksvollem Gemälden und krönen die vorangegangen visuelle Reise in die Abgründe der menschlichen Seele.

Fazit:

Es ist schon eine gefühlte Ewigkeit her, dass ich den Roman von Oscar Wilde gelesen habe. Nach Corominas Dorian Gray aber habe ich mir direkt eine aktuelle Ausgabe beschafft und ich werde beim Lesen sicherlich viele der beeindruckenden Bilder im Kopf behalten, welche die besondere Atmosphäre dieser Graphic Novel ausmachen. Eine lohnende und großartige Adaption und abermals eine gute Gelegenheit einen Klassiker der Weltliteratur neu- oder wiederzuentdecken.

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