Donald's Happiest Adventures: Auf der Suche nach dem Glück

Erschienen: Oktober 2018

Couch-Wertung

7
Story
Zeichnung

Story

Ein philosophisch angehauchter Road-Trip über eine Suche nach dem größten Schatz: dem Glück. Rasant, witzig und mit einer schön verpackten Botschaft.

Zeichnung

Nostalgisch: Ja. Schön: Nein. In Details und Umgebungen durchaus sehenswert, bei der Charakter-Gestaltung arg gewöhnungsbedürftig.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
„Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt.“ - Albert Einstein

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Nov 2018

„Geld allein macht nicht glücklich. Es gehören auch noch Aktien, Gold und Grundstücke dazu.“

- Danny Kaye

Die Aussage des US-amerikanischen Schauspielers Danny Kaye („Das Doppelleben des Herrn Mitty“, „Der Hofnarr“) könnte problemlos auch aus dem Mund… pardon, aus dem Schnabel der reichsten Ente in ganz Entenhausen stammen. Ein bis unters Dach gefüllter, kurz vorm Bersten stehender Geldspeicher reicht Dagobert Duck noch nicht. Obwohl er – im wahrsten Sinne – im Geld schwimmen kann und dies auch ausgiebig zelebriert, kriegt er den gierigen (Puten)hals nicht voll. Aus diesem Grunde lässt er auch mal wieder seinen Neffen Donald antanzen. Dieser freut sich eigentlich auf einen gemütlichen Nachmittag mit einem spannenden Buch. Aus der entspannenden Lese-Stunde wird allerdings nichts, da die Neffen ein heilloses Chaos in der Küche zurücklassen, die Heizung komische Geräusche von sich gibt, der Reparatur-Versuch feucht-fröhlich ausfällt und der anschließende Aufschrei unter der kalten Dusche selbst die Sprechblase vereisen lässt. Die Lunte des chronischen Cholerikers brennt eh schon lichterloh und dann ruft auch noch Onkel Dagobert mit Sonderwünschen an… na schönen Dank auch.

Wie bereits der vorherige Tagesverlauf gestaltet sich auch der Weg zum reichen Onkel extrem chaotisch: Der Wagen streikt auf halber Strecke, Kumpel Micky verweigert die Mitnahme und Glückspilz Gustav demonstriert, dass das rettende Glück manchmal direkt vorm eigenen Schnabel zu finden ist, beziehungsweise auf dem Boden, in Form eines Bus-Fahrscheins. Dumm nur, dass der gute Donald die Augen gen Himmel gerichtet hat… Trotzdem schafft er es auf Umwegen zum griesgrämigen Onkel, der ihn mit einer abenteuerlichen Schatzsuche beauftragen will. Ein verborgener Schatz in einem Azteken-Tempel, mitten im tiefsten Nirgendwo.

„Die meisten Menschen sind unglücklich, weil sie vom Glück zu viel verlangen. Der Ehrgeiz ist der größte Feind des Glücks, denn er macht blind.“

- Jean-Paul Belmondo

Dieser ursprüngliche Plan wird allerdings schnell wieder verworfen, denn nachdem Onkel Dagobert seinem verdutzten Neffen offeriert, dass NOCH mehr Reichtum ihn mit Glück erfüllt und Donald anführt, dass Glück für Dagobert der WAHRE Schatz zu sein scheint, kommt dem Geldsack in Entengestalt die zündende Idee. Vergessen ist der popelige Azteken-Krempel… äh, Tempel und Donald soll für ihn das Geheimnis des Glücks ausfindig machen. Donald Duck? Donald Duck und Glück? Mal ehrlich… das ist wie die Kombination Feuer und Wasser… Nitro und Glycerin… Sonny und Cher… BVB und Schalke!

Trotz einiger Bedenken nimmt der irritierte Donald den Auftrag an, will er dem Alten doch die Zornesfalte nicht noch tiefer Richtung Schnabel drücken. Was nach anfänglicher Planlosigkeit folgt, gestaltet sich zu einer weiterhin planlosen Odyssee und führt den überforderten Donald an die entlegensten Orte. Von Oma Ducks Farm, über einen Trip in die Berge, bis in die Diktatur des entfernten Brutopiens verschlägt es den Suchenden. Dort trifft er, in der Abgeschiedenheit des Landes, auf einen Einsiedler, der Donald zeigt, dass es keiner Reichtümer bedarf, um glücklich zu sein. Eine Erkenntnis, die den Erpel auf seiner Reise ins Ungewisse gleich mehrfach vor den Kopf stößt. Er beweist sich als Retter in der Not, landet mehrfach im Kerker und spaziert schließlich auf den höchsten Gipfeln des Himalaja-Gebirges. Stets auf der Suche nach dem, was jeder von uns bereits im Herzen trägt. Es ist da… ganz bestimmt. Bei manchen vielleicht verborgen unter falschen Vorstellungen, verschrobenen Idealen, dem Wunsch nach Reichtum, Anerkennung und Erfolg. Aber… es ist da.

„Uns gehört nur die Stunde. Und eine Stunde, wenn sie glücklich ist, ist viel.“

- Theodor Fontane

„Donald’s Happiest Adventures – Auf der Suche nach dem Glück“ ist ein weiterer Teil aus der Disney-Hommage-Reihe, in der namhafte Künstler die bekannten und beliebten Charaktere des Micky Maus-Konzerns aus ihrer Sicht portraitieren. Nach dem erfolgreichen Band „Mickey’s Craziest Adventures“ kommt hier erneut das Autoren-/Zeichner-Duo Lewis Trondheim („Maggy Garrisson“, „Herrn Hases haarsträubende Abenteuer“, „Mohnblumen aus dem Irak“) und Nicolas Keramidas („Luuna“) zum Zug. Unter der Behauptung, einen ganzen Schwung verloren geglaubter Disney-Comics aus den 60ern bei einem Flohmarkt-Besuch entdeckt zu haben, wurden Mickeys verrückte, aber lückenhafte (einige Kapitel gelten weiterhin als „verschollen“) Abenteuer bereits 2017 zwischen zwei Buchdeckel gepresst, wobei Trondheim sich lediglich als Übersetzer ausgab und Keramidas für die Gestaltung des Cover-Motivs verantwortlich gewesen sein soll. Tja, und wenn man einmal Glück hat, warum nicht auch ein zweites Mal? Ein erneuter Besuch auf dem Trödelmarkt sollte sich auch diesmal für die Künstler auszahlen. Nicht nur, dass sie beim Stöbern jetzt auf verloren geglaubte Comics der Reihe „Donald’s Quest“ stießen. Nein, diesmal war der Fund tatsächlich vollständig! Ja, was ein GLÜCK aber auch!

Der Stil von Keramidas‘ „mutmaßlichen“ Zeichnungen orientiert sich tatsächlich an den Illustrationen vergangener Zeiten und könnte problemlos aus den 1960er-Jahren entsprungen sein. Auch die gelegentlich auftreten Unreinheiten und Flecken sind durchaus gewollt und unterstreichen den Retro-Look, sowie die kreative Geschichte hinter dem sagenhaften Trödel-Fund. Das Charakter-Design ist zwar auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig, stellt aber nach wenigen Seiten keinen allzu großen Störfaktor mehr dar, da man zu diesem Zeitpunkt schon voll in der mit philosophischen Ansätzen gespickten Geschichte steckt und sich mit dem Stil abgefunden hat. Bis auf die ansehnlichen Umgebungen bleibt der Band trotzdem - rein optisch - hinter den letzten Veröffentlichungen zurück. Vor allem der Hommage-Band “Micky und der verlorene Ozean“ dürfte künstlerisch schwer zu toppen sein.

Leider ist das Hardcover-Buch mit seinen 48 Seiten wieder sehr schnell beendet und man hätte gerne noch ein wenig mehr Zeit in Entenhausen (und Umgebung) verbracht. Ob der recht hohe Preis für diese relativ kurze Lesedauer gerechtfertigt ist, muss jeder interessierte Comic-Freund für sich entscheiden. Anhand der hochwertigen Präsentation der Hommage-Bände, die mit dickem Papier und Halbleineneinband ausgestattet sind, ist die Reihe – und somit „Donald’s Happiest Adventures“ – aber sowieso ein Pflichtkauf für alte und neue Disney-Fans… und zudem ein echter Hingucker im Bücherregal.

Fazit:

Die Zeichnungen sind auf den ersten Blick nicht schön. Auf den zweiten Blick auch nicht… dafür unterstreichen sie die Zeit, aus der sie „angeblich“ stammen. Ein kreativer Kniff, der auch beim zweiten Mal noch funktioniert, sich in Bälde aber abzunutzen droht. Da müssen Trondheim und Keramidas in Zukunft – sollte es zu einer weiteren Hommage kommen – tiefer in die Trickkiste greifen. Die Story ist rasant. abenteuerlich und transportiert zudem eine ungewohnt philosophische Botschaft:

„Bewerte Geld nicht höher oder niedriger als das, was es wert ist; es ist ein guter Diener, aber ein schlechter Meister.“

-Alexandre Dumas

Donald's Happiest Adventures: Auf der Suche nach dem Glück

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