Couch-Wertung

9
Story
Zeichnung

Story

Bitterböse und ohne jeglichen augenzwinkernden Lichtblick. Erneut ein Top-Titel von Autor Mikolajczak… diesmal im Psycho-Thriller-Gewand.

Zeichnung

Ein kleiner Abzug für Gestik und Mimik, in einer ansonsten tadellosen Graphic Novel. Möllers Zeichnungen passen mit ihren düsteren Schatten perfekt zur unheilschwangeren Atmosphäre.

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Marcel Scharrenbroich
Zwischen Wahn und Wirklichkeit

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Dez 2019

Zwischen Norman Bates und Emma Peel

1972. Tinkerville, USA. Ein kleines Kaff, in dem kleinbürgerlicher Rassismus überwiegt, die Alteingesessenen sich gegenseitig die Wampe kraulen und es auch sonst nicht viel zu lachen gibt. Hier lebt auch der Kriegsveteran Jimmy. Verlassen von seiner vermeintlich großen Liebe, zieht es den zurückgezogen lebenden Mann höchstens zum regelmäßigen Barbier-Besuch bei seinem guten Freund Frank in die Stadt, in der sowieso jeder jeden kennt. So kennt Jimmy auch den örtlichen Arm des Gesetzes ziemlich gut, Bob. Dessen Tochter wurde kürzlich erst beerdigt. Lag tot auf der Straße. Überfahren. Vom Fahrer weit und breit keine Spur.

Etwas Farbe gerät in Jimmys tristen Alltag, als plötzlich Amber, Franks Tochter, nach längerer Abwesenheit wieder in der Stadt auftaucht. Sie hat ihren Freund im Schlepptau, Darnell… einen Schwarzen. Eindeutig zu viel Farbe für Jimmy und ganz Tinkerville. Es dauert nicht lange, bis es zu ersten Auseinandersetzungen kommt. Frank stichelt Sheriff Bob an, Darnell mal auf die Finger zu klopfen, da er sich was „besseres“ für seine Tochter vorstellt. Gesagt, getan. Bob schlägt Darnell auf offener Straße zusammen, woraufhin dieser Aber und dem verlausten Rassisten-Kaff den Rücken kehrt.

Da Amber keinesfalls bei ihrem Vater bleiben möchte und Jimmy zufälligerweise ein Zimmer zu vermieten hat, quartiert sie sich bei ihm ein. Damit rennt sie bei Jimmy zwar nicht sofort offene Türen ein, aber man wird sich schließlich einig. Bleibt nur die Frage, ob dies so eine gute Idee war? Langsam aber sicher kristallisiert sich nämlich heraus, dass der gute Jimmy da ein bis zwei Probleme der ganz besonderen Art hat. Er spioniert der hübschen Amber nach, wird obsessiv und beobachtet sie heimlich. Beim Schlafen, unter der Dusche… unentdeckt durch einen venezianischen Spiegel, während Amber sich allein und in Sicherheit fühlt. Doch schon bald reicht dem ordentlich labilen Jimmy die einseitige Begierde nicht mehr. Er sieht in Amber Libby… SEINE Libby. Er greift zu drastischen Mitteln und schon bald muss die junge Frau erkennen, dass sie in Lebensgefahr schwebt. Doch Amber ist nicht Jimmys einzige Libby… aber sie ist die einzige, die sich zu wehren weiß!

Zwischen Crime und Survival

„Wow… das kippt hier gerade aber ganz gewaltig“ dachte ich mir, als Jimmy sein wahres Ich offenbarte. Eben noch der kauzig-knurrige „Gran Torino“-Eastwood-Typ, wandelt er sich plötzlich zum radikal-psychotischen Bruder von Schwiegermutter-Traum Norman Bates. Dabei gelingt Autor Michael Mikolajczak, der in den letzten beiden Jahren eine Handvoll lesenswerter Comic-Bücher geschrieben hat und dabei scheinbar mühelos und gekonnt durch die Genres springt, ein interessanter Kniff. Sein anfänglich als Hauptfigur eingeführter Jimmy, der auch aus dem Off das Geschehen kommentiert und deswegen vom Leser zwangsläufig als DIE Identifikationsfigur angesehen wird, entpuppt sich als Antagonist, während die recht unspektakulär auftauchende Amber zum kämpferischen „Final Girl“ mutiert und vom Leser alle erdenklichen Daumen gedrückt bekommt. WIE „final“ Amber am Ende aus der Sache kommt, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten… denn die Story hat noch so manche unvorhersehbare Wendung parat.

Immer wieder streut Michael Mikolajczak Songtexte und Nachrichten aus dem Radio ein, die das Jahrzehnt, in dem seine Story spielt, mit brisanten Meldungen untermauern. So brennen sich die frühen 70er-Jahre ganz unbemerkt beim Lesen ein, die nicht nur historisch, sondern auch ganz speziell auf Tinkerville bezogen, einige Abgründe offenbaren.

Zwischen Schwarz und Weiß

Wie die Farben sich in Gelb, Braun, Grau und Blau auf dem Cover beißen, ist es erfreulich, dass der Inhalt komplett farblos gestaltet ist. Tatsächlich war der Farbverzicht eine sehr gute Wahl, unterstreicht er doch extrem die bedrückende Atmosphäre. Zeichner Andreas Möller setzt viel auf Schattierungen, was der Story sehr entgegenkommt. Mit Tusche, Fineliner und Edding trägt er das tiefe Schwarz ordentlich dick auf, wobei die letzten Feinheiten digital am Rechner entstehen. Hier und da ein paar graue Abstufungen und i-Tüpfelchen, schon kann man sich als Leser in die düsteren Bilder fallenlassen. Lediglich in der Darstellung mancher Gesichtsausdrücke lässt „Die Spinne“ ein wenig Federn. Diese sind an mancher Stelle etwas unglücklich und unvorteilhaft geraten, was in der durchaus positiven Gesamtheit eher weniger ins Gewicht fällt. Möller, der seit 2006 and der HBKsaar (Hochschule der Bildenden Künste) Kunstdidaktik lehrt und in der dortigen Galerie auch von Oktober bis November 2019 die Originalseiten ausstellte, fängt die in den 70ern spielende Handlung gekonnt und durchaus ästhetisch ein. „Die Spinne“ ist Andreas Möllers erste Verlagsveröffentlichung, aber bestimmt nicht die letzte… sofern der Spruch noch gilt und sich Qualität durchsetzt.

Wer übrigens genau hinsieht, wird mit einem Cameo des „Master of Suspense“ höchstpersönlich belohnt. Ein gelungener Gag, der mir tatsächlich erst auf den zweiten Blick auffiel. Unfassbar, wen man so alles beim Friseur trifft!

Neben der 200 Seiten starken Standard-Ausgabe gibt es noch eine auf 49 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit signiertem Exlibris. Das VZA-Cover verfügt zudem über das deutlich bessere (und auch farblich stimmigere) Artwork.

Fazit:

Ein abgrundtiefer Noir-Thriller, der mit einigen Wendungen punkten kann und Genre-Freunden das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Wer dem vorweihnachtlichen Treiben und der Besinnlichkeit mal für ein paar Stunden entfliehen will, kann dies mit dieser Hochspannungs-Graphic Novel aus dem Hause Kult Comics mühelos in Angriff nehmen (und sollte sich vom nicht wirklich gelungenen Cover des Standard-Hardcovers keineswegs abschrecken lassen). Frohes Fest mit Jimmy und Libby… äh, Amber!

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