Ein legendärer Seemann kehrt zurück
Bruce J. Hawker ist zurück – nicht nur auf hoher See, sondern auch unter neuer kreativer Führung. Ursprünglich wurde die Figur vom belgischen Comiczeichner William Vance in den 1970er-Jahren geschaffen. Er schickte den Leutnant der Royal Navy bis 1996 auf zahlreiche maritime Abenteuer. Zwei Gesamtausgaben sind ebenfalls bei Splitter erhältlich. Niemand geringeres als Christophe Bec schreibt nun das Szenario weiter und lässt Hawker wieder das Kommando über die Lark übernehmen.
Atmosphärisch, dramatisch und bildgewaltig
Der Auftaktband des Zweiteilers beginnt mit einem Templerorden im Jahr 1307. Fast fünf Jahrhunderte taucht ein Schiff dieses Ordens plötzlich wieder auf - und bringt Bruce J. Hawker in den Mittelpunkt eines undurchsichtigen Geschehens. Selbst noch in jungem Alter muss sich der erfahrene Leutnant Respekt verschaffen, was nicht immer einfach ist. Er hat bereits mehrere – auch verlustreiche - Missionen hinter sich. Der Ruf, ein Fluch laste auf der Lark, eilt ihm voraus. Schon bald muss er die Kontrolle über sein Schiff abgeben und gerät in die Fänge eines zwielichtigen Kapitäns.
Die Geschichte baut sich langsam auf, mit stetig anziehendem Spannungsbogen und Variation im Tempo. Becs Handschrift ist unverkennbar. Die Handlung ist dicht, mit einer Prise Mystery gewürzt. Bei nur 64 Seiten Umfang gibt es auch mal längere Dialogpassagen, um der Geschichte Substanz zu verleihen. Kenner der ursprünglichen Reihe finden darin Anspielungen an frühere Abenteuer. Der Einstieg gelingt aber auch ohne Vorkenntnisse.
Bec und Puerta schöpfen aus den typischen Motiven des klassischen Marine-Setting. So befinden wir uns keineswegs nur auf Wasser, in dramatischen Situationen im Kampf gegen Naturgewalten oder gegnerische Schiffe, sondern auch an Land – und dort schon bald auf der Suche nach einem besonderen Schatz im Titel gebenden Sumpf. Immer neue Schauplätze und überraschende Wendungen sorgen entsprechend für Abwechslung. Dabei scheut das Szenario auch nicht vor manch Genre typischer Brutalität und Skrupellosigkeit zurück.
Was Die neuen Abenteuer von Bruce J. Hawker besonders auszeichnet, ist die visuelle Umsetzung. Carlos Puerta schafft Bilder von beeindruckender Tiefe und Detailtreue. Seine Figuren wirken lebensecht, die Gesichter fast fotografisch. Seine Panelaufteilung variiert, spielt mit Formaten und Perspektiven. Er verleiht der Geschichte Dynamik und schon fast filmische Wucht. Die nuancierte Kolorierung unterstützt die Stimmung perfekt und schafft eine tolle Atmosphäre.
Fazit:
Christophe Bec und Carlos Puerta hauchen der klassischen Serie neues Leben ein und erzählen ein packendes Seeabenteuer, das vor allem durch die bildgewaltige Umsetzung begeistert. Wie es sich für Bec gehört, liefert er einen ordentlichen Cliffhanger. Wann Band 2 bei uns erscheint, ist aber noch nicht bekannt.

Christophe Bec, Carlos Puerta, Splitter


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