Eine wahre Geschichte von Freundschaft und Loyalität
Marcinelle in Belgien, 1943. Nachdem das Magazin „Spirou“ eingestellt wurde, findet sich eine Gruppe von sechs enttäuschten Kindern zusammen, um Widerstand gegen die Nazi-Besatzer zu leisten und als „Freunde von Spirou“ gegen die belgischen Rexisten zu kämpfen. Die fünf Jungs und ein Mädchen mit dem Spitznamen Spirouette geraten in einen Überfall und können mit einigen Blessuren fliehen. Sie verstecken sich mit Hilfe von Flups Vater in einem Bergwerk, allerdings haben die belgischen Nazis bereits die Spur aufgenommen.
Bei dem Gerangel mit den Rexisten war Spirouette spurlos verschwunden und die Jungen befürchten bereits das Schlimmste. Doch sie geben die Suche nach ihr nicht auf und treffen dabei auf Jean Doisy, den Chefredakteur des Spirou-Magazins, der sie in ihrem Vorhaben unterstützt und ihnen viele wertvolle Tipps geben kann. Den Jungs gelingt die Flucht vor den Rexisten, und wie es aussieht, hatten sie dabei unwissend Unterstützung von einem kleinen seltsamen Wesen mit einem langen gelben Schwanz mit schwarzen Punkten… Ein Freund von Spirou gibt niemals auf.
Zweiteiler im nationalsozialistischen Belgien
Mit ihrem zweiten Band der Reihe „Die Freunde von Spirou“ setzen der belgische Autor Jean-David Morvan und die beiden Zeichner David Evrard und Ben BK der Geschichte des Comics in Marcinelle selbst ein Denkmal. Das Magazin Spirou wurde 1938 in Marcinelle gegründet und 1943 verboten, ehe es 1944 wieder erscheinen konnte. Tatsächlich gründete sich mit den „Freunden von Spirou“ ein Jugendklub um das Magazin, die einem Geheimkodex folgten und im Untergrund eine Widerstandsgruppe gegen die belgischen Rexisten bildeten. Diese Comicreihe erzählt ihre Geschichte nach wahren Begebenheiten.
Die sechs Freunde sind Flup, dessen Vater im Bergwerk arbeitet, Georges, Pierrot, Paulo, Armand und das Mädchen Miche, als „AdS“ (Amis de Spirou, frz. für Freunde von Spirou) haben alle auch einen Codenamen. Das jüdische Mädchen Miche wird Spirouette genannt, die Jungs haben sie gefunden, als die Nazis ihre Familie getötet hatten, und sie haben sie gerettet und aufgenommen und ihr ein Leben ermöglicht.
Comic-Fans im Widerstand
Obwohl der Comic im Stil der École Marcinelle erzählt ist, also mit klaren Zeichnungen (Ligne Claire), ist der Inhalt eher nichts für ganz kleine Kinder. Der Verlag gibt eine Empfehlung ab 10 Jahren aus, aufgrund des komplizierten geschichtlichen Hintergrunds sollten gerade deutsche Kinder den Comic nicht ohne Begleitung lesen. Das liegt nicht nur am Thema des Nationalsozialismus, das hier nicht beschönigt wird und klar dargestellt wird, sondern auch daran, dass es sich teilweise um sehr belgische Themen handelt. Man merkt dem Comic an, dass in Belgien eine intensivere Comickultur herrscht als in Deutschland, hierzulande werden die Schöpfer von Comics und ihre Herausgeber vergleichsweise nicht so bewundert und akzeptiert wie in Belgien, haben auch nicht den Bekanntheitsgrad.
Der Zeichenstil ist angenehm und die Geschichte wechselt zwischen actiongeladenen Szenen, spannenden Momenten wie im Bergwerk und auch ruhigen Szenen, in denen die Kinder ihre Taten planen und reflektieren und sich dabei immer wieder auf ihren Codex berufen, dem sie sich verpflichtet fühlen. Die Zeichnungen holen den Leser ab in eine bedrückende Zeit der Besatzung, die jedem jungen Leser begreiflich machen, was in den 1940ern in Europa los war.
Der gesamte Zweiteiler hat einen eigenständigen Platz im Spirou-Universum und beleuchtet die Entstehung der Figuren und der Vorgeschichte und hat trotzdem einen eigenen Stil, natürlich auch begründet durch die Thematik. Warum am Ende das Marsupilami auftaucht, mag jeder Leser selbst herausfinden. Empfohlen werden kann der gesamte Zweiteiler auf jeden Fall, allerdings sollte man den ersten Teil tatsächlich gelesen haben, ehe man zum zweiten greift, da sie eine gesamte Geschichte erzählen.
Fazit:
Der Zweiteiler „Die Freunde von Spirou“ ist ein gelungener Comic, der die Entstehung der Spirou-Welt erzählt und auf wahren historischen Begebenheiten beruht. Beide Bände sind als Hardcover mit 72 Seiten im Carlsen Verlag erschienen und enthalten neben dem Comic im hinteren Bereich noch Zusatzinformationen zur Geschichte um die Geschichte. Es ist keine einfache, wenngleich nicht schwere, aber dennoch lohnenswerte Lektüre.

Jean-David Morvan, Ben BK, David Evrard, Carlsen



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