Dickmadam, die lachte

Erschienen: September 2018

Couch-Wertung

8
Story
Zeichnung

Story

Auf angenehme Art und Weise… abstoßend! Ohne jegliche Sympathie für die Charaktere (egal, ob einer von ihnen gerade einen wuchtigen Hammer vor die Birne gedonnert bekam) lässt sich die Story ungemein kurzweilig (und mit einem verschmitzten Grinsen) lesen.

Zeichnung

Detailliert, stimmig und explizit in seinen Darstellungen. Die dreckig-makabre Atmosphäre wird sehr gut präsentiert und gewinnt durch monotone Farbgebung, sowie pechschwarzen Schattierungen, noch an Tiefe.

Leser-Wertung

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Marcel Scharrenbroich
Es war einmal ein Mord… und ein Mord… und ein Mord…

Comic-Rezension von Marcel Scharrenbroich Dez 2018

„Hat dir eigentlich schon mal einer mit ‘m Vorschlaghammer ‘nen Scheitel gezogen?“

Welch weise und berechtigte Frage, die der unvergessliche Bud Spencer einst in dem Monumentalfilm-Klassiker mit Arthaus-Anleihen „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ wohlwollend an sein verdutztes Gegenüber richtete. Und selten war die Frage berechtigter, als in der jüngst publizierten graphischen Novelle „Dickmadam, die lachte“. Frohlocket… denn was Herr Spencer damals nicht wortwörtlich meinte und nur kommunizierte, um seinen Kontrahenten auf schelmische Art und Weise verbal in die Knie zu zwingen, wird nun am lebenden Beispiel exemplarisch vollzogen. Holdrio… welch Freudentag!

Soll heißen: Hier geht’s um einen Typen, der den Hammer mal ordentlich kreisen lässt, eiskalt durchzieht und seiner Trulla ‘nen Mittelscheitel zimmert, der sich gewaschen hat!

„Du hast hoffentlich an die Butter gedacht.“

DAS sind die Worte, die jeder Mann hören möchte, wenn er abends nach getaner Arbeit nach Hause kommt. In der Regel nichts schlimmes… vor allem nicht, wenn die Worte von der liebenden Ehefrau kommen. Schlimm wird es erst, wenn man die Dame des Hauses abgrundtief hasst. Noch schlimmer wird es, wenn man diese erst kurz zuvor mit dem Vorschlaghammer zerdroschen und ihre matschigen Überreste in einem abgelegenen Brunnenschacht entsorgt hat. Der SUPER-GAU tritt dann ein, wenn die vermeintliche Leiche dann wieder am heimischen Herd steht und nach besagter Butter fragt.

Straußenfarmer Pep traut seinen dröseligen Augen kaum! Dora lebt! Dora lebt??? Momentchen… wem hatte er dann gerade hasserfüllt und voller Leidenschaft den Schädel gespalten? Wen hat er da im öden australischen Outback blutüberströmt hinterlassen? Und wessen verdammte Zähne trug er da in der Hosentasche spazieren??? Eingebildet kann er sich die ganze Nummer nicht haben… denn die Reste der Kauleiste, die er gerade noch von der Ladefläche seines Pick-Ups gekratzt hat, befinden sich direkt vor seiner Nase. Oh oh… das wird Peps junger Liebhaberin, die zufällig auch noch Doras Tochter ist, aber gar nicht gefallen…

Kill, Die, Repeat…

Ganz nach dem Motto „Und täglich dröhnt die Murmel mir“… äääh, „Und täglich grüßt das Murmeltier“, haben wir es in „Dickmadam, die lachte“ ebenfalls mit einem Déjà-vu-Szenario der besonderen Art zu tun. Doch anders als Bill Murray, der im Komödien-Klassiker von 1993 allmorgendlich von Sonny & Chers „I Got You Babe“ aus dem Schlaf gedröhnt wurde, um den gleichen Tag immer und immer wieder zu erleben, haben wir es hier mit einer Dame zu tun, die einfach nicht um die Ecke zu bringen ist. Der potentielle Mörder Pep denkt, er habe nicht alle Latten am klapprigen Zaun, weil seine Alte wieder und wieder putzmunter und quicklebendig auf der Matte steht. Da zweifelt selbst Mr. White-Trash himself am letzten Rest Verstand, den die Knallerbse auf seinen Schultern beherbergt.

Der auf den ersten Blick sonderbare Titel „Dickmadam, die lachte“ ist im Deutschen an einen alten Abzähl-Reim für Kinder angelehnt. „Eine kleine Dickmadam fuhr mal mit der Eisenbahn. Eisenbahn, die krachte. Dickmadam, die lachte.“ Diese Worte gehen Pep Pla durch den Kopf, während er versucht sein blutiges Werk zu vertuschen… sprich, während er Dora vom Wagen hievt und in den düsteren Schacht in der Wüste wirft. Zeugt nicht gerade von einem gesunden Geist, oder?

Im französischsprachigen Original „La petite souriante“ basiert der Titel auf dem Chanson „Elle était souriante“ („Und sie lachte“). Hier geht es um eine entführte Schlossherrin, die in ihrer unfreiwilligen Behausung allabendlich mit einem Lächeln im Gesicht die Blumen am Fenster gießt. Dies missfällt ihren Peinigern und sie bringen sie kurzerhand um. Doch… am nächsten Abend steht sie erneut mit ihrer kleinen Gießkanne am Fenster und wässert das Gemüse. Wieder wird der Ärmsten die Kerze ausgepustet. Am nächsten Abend… aber das könnt Ihr Euch ja denken. Jeder Mordversuch bleibt erfolglos. Eine vollständige Übersetzung des Chansons findet sich im Anhang des Hardcover-Buches, begleitet von Skizzen und Konzept-Zeichnungen, die den kreativen Prozess beleuchten.

Rost und Knochen

Zugegeben, die Geschichte harmoniert um einiges besser mit ihrem französischen Ursprung, als mit dem deutschen Kinderreim, der Parallelen nur schwer herleiten lässt. Dem Szenario von Zidrou tut diese Diskrepanz aber keinen großen Abbruch. Zu packend und bitterböse ist die blutdurchtränkte Geschichte des ehemaligen „Spirou“-Zeichners. Der Belgier erzählt dreckig, biestig und lässt seine allesamt unsympathischen Charaktere wie die Axt im Walde durchs australische Outback wirbeln. Er hält sich nicht lange mit Einführungen auf und liefert direkt auf den ersten Seiten knallhart ab. Trotz meilenweiter Wildnis und Einöde, die die abgelegene Straußenfarm umgibt, schafft es Zidrou, eine klaustrophobische Stimmung aufzubauen. Dabei wirkt das Setting ungemein frisch und unverbraucht.

Die passende optische Ergänzung liefert dazu der französische Künstler Benoît Springer. Sein nächtliches Szenario lebt von großflächigen Schattierungen, eingebettet in einen monotonen Mix aus trüben Grau und blassem Lila. In grell-gelben Innenräumen kommen die mit dickem Strich gezogenen Akteure dann besonders kräftig zur Geltung, während die Tage in ein rostiges Orange getaucht sind. Eine klare Abgrenzung der Farben herrscht hier vor und wird nur gelegentlich unterbrochen, wenn Figuren andersfarbig aus der optischen Monotonie herausstechen… oder blutbeschmiert durch die Panels stolpern. Diese sind generell sehr übersichtlich angeordnet, was sowohl einsteigerfreundlich ist, als auch den Lesefluss nicht unnötig ausbremst. Insgesamt ist der Stil sehr homogen und gibt die Story sehr gut wieder.

*GLORG*:

Auf dieser Straußenfarm braucht niemand den Kopf in den Sand zu stecken… höchstens um vor umherschwingenden Vorschlaghämmern in Deckung zu gehen. Die ätzende Sippe bietet kurze - aber spannende – Thriller-Kost, die sich auch bei expliziten Szenen nicht zurückhält. Die gebundene Ausgabe von Schreiber & Leser – unter dem Label „noir“ - fängt die schwarzhumorige und bitterböse Atmosphäre auch beim Design perfekt ein. Der abgenutzte und verschlissene Einband erweckt den Eindruck, als hätte der eine oder andere Strauß ein wenig dran geknabbert… bevor Pep drei- bis viermal die Reifen seines Pick-Ups darauf durchdrehen ließ. So abgeranzt und abgewetzt, wie die Trash-Family Pla sich unverblümt im Innenteil präsentiert.

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